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Australian Open

Russe wehrt Matchball ab und erreicht Halbfinale von Melbourne

Wahnsinns-Comeback! Medvedev gewinnt Nervenschlacht

26.01.2022 14:39
Daniil Medvedev hat das Viertelfinal-Aus bei den Australian Open gerade noch abgewendet
© Ella Ling/Shutterstock via www.imago-images.de
Daniil Medvedev hat das Viertelfinal-Aus bei den Australian Open gerade noch abgewendet

Daniil Medvedev hat ein drohendes Turnier-Aus bei den Australian Open mit Köpfchen und Klasse abgewendet. Bei den Frauen will Ashleigh Barty erstmals ins Finale einziehen.

Daniil Medvedev drehte jubelnd eine Pirouette, sein Trainer Gilles Cervara bekreuzigte sich auf der Tribüne: Mit Nerven aus Stahl hat der Turnierfavorit aus Russland das drohende Aus im Viertelfinale der Australian Open noch abgewendet. Medvedev drehte beim 6:7 (4:7), 3:6, 7:6 (7:2), 7:5, 6:4-Sieg gegen den furios aufspielenden Kanadier Felix Auger-Aliassime eine schon fast verloren geglaubte Partie, wehrte einen Matchball ab und kämpfte sich mit großer Klasse ins Halbfinale der Australian Open.

"Ich weiß nicht, wie ich es noch geschafft habe, und wusste nicht richtig, was ich machen sollte. Ich habe mich dann gefragt, was Novak jetzt tun würde", sagte der 25 Jahre alte US-Open-Sieger nach dem Ende der 4:42 Stunden langen Tennisschlacht in Anspielung auf Novak Djokovic und erntete dafür ein Raunen des Publikums. Während der Weltranglistenerste aus Serbien nach dem juristischen Streit in Melbourne nicht im Kampf um den Titel mitmischen kann, spielt Medvedev nun wie im Vorjahr gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas um den Finaleinzug.

Tsitsipas will Down Under auch den gescheiterten deutschen Topspieler Alexander Zverev eines Besseren belehren. Die deutsche Nummer eins hatte zuletzt die Prognose abgegeben, dass wohl vor allem Djokovic, Medvedev und er selbst im neuen Jahr viele der wichtigen Trophäen gewinnen würden. Tsitsipas, den Weltranglistenvierten und Finalteilnehmer der French Open, erwähnte er nicht. "Lassen wir das Tennis sprechen", entgegnete Tsitsipas angesprochen auf Zverevs Aussage und lässt nun Taten folgen.

Der 23-Jährige setzte sich überraschend deutlich 6:3, 6:4, 6:2 gegen den hochtalentierten Südtiroler Jannik Sinner (20) durch und will nachlegen. "Auch wenn ich jetzt im Halbfinale bin - das ist erst der Anfang", sagte Tsitsipas. Auch noch im Titelrennen sind der 20-malige Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal aus Spanien und der italienische Wimbledonfinalist Matteo Berrettini, die ebenfalls am Freitag ums Finalticket spielen.

Schon am Donnerstag (ab 9:30 Uhr/Eurosport) stehen die Halbfinals der Frauenkonkurrenz an. Im ersten Duell ist die Weltranglistenerste und Wimbledonsiegerin Ashleigh Barty klar favorisiert gegen Madison Keys aus den USA. Barty lässt die Fans weiter vom ersten Heimsieg seit 1978 träumen. Anschließend treffen die einstige French-Open-Siegerin Iga Swiatek aus Polen und Keys' Landsfrau Danielle Collins aufeinander. Sie hatten am Mittwoch die Überraschungsläufe von Angelique Kerbers Bezwingerin Kaia Kanepi (Estland) und Alize Cornet (Frankreich) beendet und ihr Ticket für die Runde der letzten Vier gelöst.

Die Zuschauer im Melbourne Park bekamen dabei großen Sport geboten, vor allem der Krimi zwischen Auger-Aliassime und Medvedev riss sie von den Sitzen. "Dieses Match ist Werbung für den Tennissport", sagte Eurosport-Experte Boris Becker. Der kanadische Weltranglistenneunte dominierte die ersten beiden Sätze und erarbeitete sich im vierten Durchgang einen Matchball, den Medvedev mit Klasse abwehrte und danach mächtig aufkam. Vorher hatte schon Tsitsipas seinen Anspruch auf den Titel untermauert - die Halbfinals versprechen Hochspannung.