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"Ein gutes Gefühl, sich so zu verabschieden"

Deutschland feiert versöhnlichen EM-Abschluss

25.01.2022 19:48
Deutschland siegt zum Abschluss der Handball-EM
© Laci Perenyi via www.imago-images.de
Deutschland siegt zum Abschluss der Handball-EM

Die deutschen Handballer haben ihr letztes Spiel bei der Europameisterschaft gewonnen. Das 30:29 gegen Russland kam durch einen genialen Trick Sekunden vor dem Ende zustande.

Deutschlands Handballer hüpften erst ausgelassen im Kreis und genossen dann völlig ausgepumpt den Beifall der mitgereisten Fans. Alfred Gislason geriet nach dem kleinen Coup zum Abschluss einer verrückten EM kurzzeitig gar ins Schwärmen. "Das sagt alles über den Charakter der Mannschaft", bekräftigte der Bundestrainer nach dem 30:29 (16:12) gegen Russland, einem versöhnlichen Abschluss eines denkwürdigen Turniers.

Das 13-köpfige Rumpfteam des Deutschen Handballbundes (DHB) zeigte bei seinem letzten Auftritt in Bratislava großen Willen, große Leidenschaft - und auch große Qualität. Die Partie entschied ein Doppel-Kempa zwölf Sekunden vor dem Ende, Linksaußen Patrick Zieker verwandelte eiskalt.

"Es ist ein gutes Gefühl, uns so zu verabschieden. Wir haben phasenweise wirklich guten Handball gespielt. Wir wollen mutig spielen und die Zuschauer begeistern, das haben wir im letzten Angriff angedeutet", sagte Kapitän Johannes Golla. Der Kreisläufer war mit sechs Toren vor 1443 Zuschauern zusammen mit Rechtsaußen Tobias Reichmann und Zieker (beide 5) der erfolgreichste deutsche Werfer.

Deutsche Fans scherzen

Die Leistung des DHB-Teams war nicht hoch genug zu bewerten. Am Ende des Turniers hatte die DHB-Auswahl mit insgesamt 15 Coronafällen schließlich mehr Infektionen zu beklagen als einsatzfähige Spieler zur Verfügung. "Man hat gesehen, dass einige Spieler völlig am Ende waren. Mit dieser Mannschaft hätten wir kaum noch ein Spiel spielen können", sagte Gislason nach der Partie im ZDF.

Das war gegen Russland kaum zu spüren. Golla ging in der Abwehr und im Angriff mit großem Einsatz voran. Zudem stachen Torhüter Daniel Rebmann mit tollen Paraden sowie Rückraumspieler Paul Drux mit guter Übersicht heraus.

Ob Deutschland die unter Extrembedingungen ausgetragene Europameisterschaft auf dem siebten oder achten Platz beenden wird, hängt von den Ergebnissen der am Mittwochabend spielenden Hauptrundengruppe 1 ab. Bei der EM 2020 hatte die DHB-Auswahl den fünften Platz erreicht. Allerdings lassen sich die Turniere aufgrund der heftigen Corona-Turbulenzen schwer miteinander vergleichen.

Gegen Russland standen gerade einmal 13 deutsche Spieler auf dem Spielberichtsbogen, drei weniger als Gislason hätte berufen dürfen. "Alfred, nimm uns", schrieben einige der mitgereisten deutschen Fans in der slowakischen Hauptstadt scherzhaft auf einem Plakat - sie trafen mit dem nicht ernst gemeinten Spruch aber ganz sicher einen Nerv.

Deutschland belohnt sich

Am Mittwochmorgen werden neben zehn Nachrückern nur vier jener 17 Spieler in den Charterflieger nach Frankfurt/Main klettern, die exakt zwei Wochen zuvor voller Vorfreude und Euphorie die EM-Mission angetreten hatten. Neben Anführer Golla blieben einzig Spielmacher Philipp Weber, Rückraumspieler Julian Köster und Lukas Zerbe über das gesamte Turnier negativ.

Während die EM für die Corona-Patienten mit der Heimreise schon vor dem offiziellen Abschluss beendet war, gab der Rest alles. In einem temporeichen Spiel startete Deutschland effektiv und sehenswert. Ein Kempa-Trick und der starke Torhüter Rebmann waren die Highlights einer munteren ersten Halbzeit.

Allerdings machte sich im siebten Spiel in elf Tagen auch der Kräfteverschleiß bemerkbar. Die Partie blieb deshalb spannend bis zum Schluss, beim 26:25 (51.) ging Russland erstmals in Führung. Doch Deutschland gab alles - und wurde belohnt.


Deutschland - Russland 30:29 (16:12)

Deutschland: Bitter (Hamburg), Rebmann (Göppingen) - Köster (Gummersbach/3), Drux (Berlin/1), Reichmann (Melsungen/5/2), Golla (Flensburg/6), Dahmke (Kiel/0), Zerbe (Lemgo/0), Wiede (Berlin/3), Wagner (Ludwigshafen/0), Stutzke (Bergischer HC/2), Weber (Magdeburg/3), Zieker (Stuttgart/5), Schmidt (Bergischer HC/3)

Russland: Gruschko, Vereshchagin - Santalow (2), Ermakow (6), Kosorotow (8/1), Soroka (0), Shishkarev (3), Kireev (0), Zhitnikow (3), Kamenev (2), Andreev (1), Vrachevich (0), Dzemin (0), Kornev (X), Vinogradov (3/3), Kotov (1).

Schiedsrichter: Pavicevic/Raznatovic (Montenegro)

Zeitstrafen: 2:3

Siebenmeter: 2/2:4/4

Zuschauer in Bratislava: 1443

30.01.2022 18:15
Spanien
Spanien
26
13
Spanien
Schweden
Schweden
Schweden
27
12

Torjäger 2022 HUN/SVK

#NameMannschaftTore7m
1IslandÓmar Ingi MagnússonIsland5921
2DänemarkMikkel HansenDänemark4824
3PolenArkadiusz MorytoPolen4621
4SchwedenHampus WanneSchweden4520
5NiederlandeKay SmitsNiederlande4418