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Sander auf der Streif aus dem Formtief?

20.01.2022 14:25
Andreas Sander ist auf Formsuche
© GEPA pictures/ Thomas Bachun via www.imago-images.
Andreas Sander ist auf Formsuche

Andreas Sander ging am Fuße der Streif sofort in die Analyse. "Das ist immer wichtig", sagte er über seinen schnellen Blick auf den Computer mit den Minuten und Sekunden, "weil ich meist nicht dasselbe spüre, was die Zeit sagt".

Dass Skirennläufer ihr Gefühl trügt, ist in diesem Sport nichts Ungewöhnliches, zu anfällig ist dieses feine System aus Schuh, Ski und Schnee. Bei Sander aber liegt aktuell etwas Grundsätzliches im Argen.

Nur zweieinhalb Wochen vor den Olympia-Rennen in Peking steckt der Vize-Weltmeister im Formtief. Die Wende soll ausgerechnet in Kitzbühel gelingen, bei der Generalprobe für die Spiele, auf der brutalsten Skipiste der Welt. "War okay", sagte Sander nach dem zweiten Training auf wegen Schneefalls verkürzter Strecke und Rang 18 am Donnerstag, "ich habe den nächsten Schritt gemacht".

Leidet Sander unter dem Druck?

Das scheint dringend erforderlich. Sander (32) fuhr in diesem Winter erst zwei Mal in die Top 10 - im Super-G. In der Königsdisziplin, in der er vor einem Jahr sensationell WM-Silber gewonnen hatte, reichte es bei fünf Starts nur einmal für die Top 15. Auf die zweite Abfahrt zuletzt in Wengen verzichtete er nach dem indiskutablen 41. Rang im ersten Rennen am Lauberhorn sogar und ging lieber trainieren.

Bei der Suche nach den Gründen für die Formschwäche landet Alpinchef Wolfgang Maier bei Sanders Silber-Coup. "Man kann auch manchmal an den Erwartungen scheitern", sagte er. Sander sei "ein sehr, sehr sensibler Rennfahrer, der sich sehr viele Gedanken über viele Dinge macht". Nach der starken WM-Saison mit sieben Top-10-Fahrten im Weltcup habe sich der Westfale "mit einem sehr hohen Erwartungsdruck in die Olympia-Saison hineinbewegt". Als die Ergebnisse ausblieben, habe er "das ganze System in Frage gestellt".

Die Wahrheit liegt auf der Streif

Sander diskutiert das Thema Druck nicht weg, verweist aber auf "kleine technische Fehler, die sich eingeschlichen haben und nicht zu beheben waren". Deshalb habe er sich nach seiner schlechtesten Abfahrt seit über zwei Jahren in Wengen gesagt: "Wir gehen raus!" Ab zum Training, "zurück zu den Basics". Sein Ziel: "Den Außenski wieder unter mir spüren", das Gefühl finden.

Vom Deutschen Skiverband bekam er dabei alle Unterstützung. "Wir verstehen das, wenn es mal nicht gleich das Podium ist", sagte Maier, "diese Wellen sind ganz normal." Hat das zusätzliche Training was gebracht? Ja, glaubt Sander, "ich fühle es, das war der richtige Schritt, ich bin happy". Aber die Wahrheit liegt auf der Streif, diesem gnadenlosen Henker über Karrieren, in den beiden Rennen am Freitag (11.30 Uhr) und Sonntag (13.30 Uhr/ARD und Eurosport).

"Wir wissen, was zu tun ist", behauptete Sander und fügte beinahe beschwörend hinzu: "Ich bin auf dem richtigen Weg, ganz sicher."

Und wenn nicht? Dann, sagte Maier, habe Sander wenigstens "keinen Erwartungsdruck für Peking" mehr. "Es gibt ja nichts Schlechtes", meinte der Boss und lachte, "was nicht auch einen Vorteil hat."