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Australian Open

"Sein Gefühl für die Situation war fragwürdig"

Scharfe Kritik an Novak Djokovic

19.01.2022 09:00

Bei den Australian Open ist Novak Djokovic nicht dabei, Gesprächsthema ist und bleibt die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste aber weiterhin - und die Kritik am Serben ebbt nicht ab.

Die Posse rund um Novak Djokovic beschäftigt die Tennis-Welt weiter intensiv. Keine Pressekonferenz und kein TV-Interview vergeht, in dem die Spielerinnen, Spieler, Trainer und Experten nicht nach ihrer Meinung zu den Geschehnissen rund um den Serben befragt werden. Und viele vertreten in der Angelegenheit eine klare Meinung.

So zum Beispiel der australische Trainer Darren Cahill, der unter anderem schon Andre Agassi, Andy Murray, Simona Halep und weitere Superstars betreute. "Ich habe die Ausnahmegenehmigung gehasst, die er [Djokovic] bekommen hat. Ich glaube, dass so eine Genehmigung für Menschen sein sollte, die sich impfen lassen wollen, es aber nicht können, weil sie sich infiziert haben. Novak wollte sich aber nie impfen lassen, deswegen habe ich diese Ausnahme gehasst", sagte Cahill gegenüber "Channel Nine".

Sollte ein Mensch gesundheitliche Probleme oder andere Gründe haben, die eine Impfung nicht möglich machen, sei dies ein anderes Thema, meinte der Trainer. Aber im Fall von Djokovic sei das anders: "Und ich habe es von Beginn an nicht gemocht. Es war von Anfang an ein Chaos und es wurde immer schlimmer und schlimmer."


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Auch der britische Tennis-Profi Cameron Norrie, aktuell die Nummer zwölf der Weltrangliste, kann sich mit dem Verhalten von Djokovic nicht anfreunden. Er hätte den Serben gerne spielen sehen, sagte er im "Tennis Talk"-Podcast, "aber Novak kannte alle Risiken, weil die Regierung die Regeln klar festgelegt hat. Sein Gefühl für die Situation war fragwürdig", kritisierte Norrie. 

Tennis-Legende Martina Navratilova stimmte uneingeschränkt zu. Sie sagte im Gespräch mit dem "Tennis Channel": "Es wurden viele Fehler auf so vielen Ebenen gemacht. So viele unerzwungene Fehler, aber der größte kam von Novak. Er hat das alles in Gang gesetzt."

Ist die Tennis-Karriere von Novak Djokovic in Gefahr?

Eine Frage, die die Tennis-Welt jetzt zwangsläufig beschäftigt, ist: Wie geht es mit der Karriere von Novak Djokovic weiter? Was passiert, wenn noch mehr Länder Ungeimpften die Einreise verweigern? Der Serbe wäre unmittelbar betroffen. Schon jetzt heißt es, dass seine Teilnahme an den French Open und Wimbledon deswegen in Gefahr ist. Denkt "Nole" vielleicht doch um?

"Man kann gewisse Überzeugungen haben, aber diese muss man überdenken, wenn sich die Situation ändert. Ich kann mir vorstellen, dass er das tut, wenn sie ihm sagen, dass er auch bei den French Open nicht spielen kann. Dann hätte er ein großes Problem", sagte Rafael Nadals Onkel und Mentor Toni Nadal, der meint: "Er hat keine andere Wahl, als seine Prinzipien zu überdenken."

Eine allgemeine Impfpflicht für Spielerinnen und Spieler der WTA- und ATP-Tour gibt es noch nicht, aber viele Profis zeigen sich der Idee bereits offen gegenüber. So zum Beispiel die zweifache Grand-Slam-Siegerin Viktoria Azarenka.

Kommt die Impf-Pflicht für Tennis-Profis?

"Mein Standpunkt ist eindeutig. Ich glaube an die Wissenschaft, ich glaube ans Impfen. Ich will anderen nicht meine Überzeugung aufzwängen, aber wir betreiben einen globalen Sport und reisen um die Welt. Die WTA muss verschiedene Länder, verschiedene Regeln und verschiedene Gesetze respektieren. Eine Impf-Pflicht einzuführen, wird für die WTA eine Herausforderung. Aber ich glaube, dass wir uns dieser stellen müssen", sagte Azarenka am Rande der Australian Open.

Für sie selbst gehe es beim Thema Impfen nicht um ihre Person: "Sondern um andere Menschen. Wie meine Eltern, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung für Menschen, die gefährdeter sind als wir."