Suche Heute Live
PDC Darts-WM
powered by n-tv

Peter Wright schwärmt von "phänomenalem" Halbfinale

03.01.2022 10:58
© Shaun Brooks via www.imago-images.de

Peter Wright und Michael Smith stehen im Finale der Darts-WM 2022. Wright könnte den Titel bereits zum zweiten Mal gewinnen. Geschichte geschrieben hat er bereits in einem atemberaubenden Halbfinale gegen Gary Anderson.

Dartprofis sind selten zufrieden. Stars wie Peter Wright noch seltener. Umso höher zu bewerten, ist das, was der Schotte nach seinem Sieg im WM-Halbfinale gegen Landsmann Gary Anderson sagt: "Das ist das beste Spiel, das ich je gespielt habe." Ob die Partie auch seinen bis dato größten Sieg in den Schatten stelle, das WM-Finale 2020 gegen Michael van Gerwen, wird Wright daraufhin gefragt. "Ja, ernsthaft. Michael van Gerwen hat nicht ansatzweise so gut gespielt wie Gary Anderson. Was für ein Dartspiel, das war phänomenal."

Nicht nur der Sieg mit einem fantastischen Punkteschnitt von 104 pro Aufnahme sorgt für die ungewohnten Glücksgefühle beim meistens kritischen Wright. Der 51-Jährige hatte in dem fast zweistündigen Marathon-Match unfassbare 24 (!) 180er-Aufnahmen geworfen. Das ist neuer Weltrekord.

Den bisherigen Topwert hatte ausgerechnet Gary Anderson aufgestellt, 2017 im verlorenen WM-Finale gegen Michael van Gerwen gelangen dem "Flying Soctsman" 22 Mal die Höchstpunktzahl. "Das war unglaublich, dieses Spiel gespielt zu haben. Hoffentlich war es toll für das Publikum und die Zuschauer zu Hause", sagt Wright nach dem 6:4-Erfolg.

Wright schrammt am Neun-Darter vorbei

Der Weltmeister von 2020 legt im Duell der beiden 51-Jährigen den Grundstein zum Sieg in der Anfangsphase. Mit reihenweise High-Scores setzt Wright seinen Gegner immer wieder Druck. Anderson spielt zwar nicht schlecht, kann mit Wright aber erstmal nicht mithalten. So gehen die ersten drei Sätze allesamt an "Snakebite", wie der Weltranglistenzweite genannt wird.

Dann allerdings startet Anderson ein beeindruckendes Comeback. Satz vier sichert sich der Weltmeister von 2015 und 2016 mit einem doppelten Doppel-18-Checkout. Und auch Satz fünf geht spektakulär an den Weltranglistensechsten. Anderson bringt 105 Punkte unter Druck auf Null. Beim Stand von 3:2 für Wright ist die Begegnung somit zunächst wieder offen.

Und sie sollte noch einige besondere Momente für die Fans im Londoner Alexandra Palace bereithalten. Das zweite Leg des sechsten Satzes startet Wright mit zwei 180er-Aufnahmen. Der Neun-Darter ist möglich. Dart sieben landet in der Triple 20, Dart acht in der Triple 19, nur der letzte findet nicht seinen Weg ins Ziel, landet unterhalb der erforderlichen Doppel 12. Was für Wright aber ohnehin viel wichtiger ist: Er gewinnt den Satz, zieht wieder auf 4:2 davon.

Dann ist Anderson wieder gefordert. Er gewinnt den siebten Satz, kann die Partie aber nicht komplett drehen. Immer, wenn es nötig ist, schüttelt Wright eine 180 aus dem Ärmel und stellt auf 5:3. Anderson, der den Maximalscore auch starke 15 Mal wirft, bleibt dran, verkürzt auf 5:4.

"Habe das Spiel sehr genossen"

In Satz zehn hat Wright dann aber das endgültig letzte Wort in einer epischen Darts-Schlacht zwischen den schottischen Schlachtrössern. Anderson, der im zehnten Satz zunächst in Führung geht, bekommt die Partie nicht auf seine Seite. Im letzten Leg des Satzes wirft Wright direkt zu Beginn eine 180. Anderson kontert, trifft ebenfalls dreimal das Triple-20-Segment. Doch Wright ist beim Checkout zur Stelle, nutzt beim 116er-Checkout direkt seinen ersten Matchdart.

"Gegen Gary Anderson zu gewinnen, einen der größten Dartspieler aller Zeiten, ist unglaublich", sagt Wright nach dem dramatischen Spiel. Sein unterlegener Landsmann gratuliert fair. "Stark gespielt, Peter. Ich muss zugeben, dass ich das Spiel sehr genossen habe." Das Finale zwischen Wright und Michael Smith werde ein "Kracher", schreibt Anderson bei Twitter.

"Ich habe es mir verdient"

Wrights Finalgegner Michael Smith hatte sich im ersten Halbfinale mit 6:3 gegen James Wade durchgesetzt. In dem rein englischen Duell kann der "Bully Boy" über weite Strecken seine Stärken ausspielen. Wade kommt im Scoring nicht mit. Beim Weltranglistenvierten stehen am Ende nur fünf 180er-Aufnahmen zu Buche, Smith kommt auf 16 Highscores. "Ich habe hart für diesen Erfolg gearbeitet. Man bekommt im Leben nicht alles geschenkt, ich habe es mir verdient. Ich bin mental mittlerweile besser drauf, das hat den Unterschied gemacht", so Smith.

Der 31-Jährige steht zum zweiten Mal nach 2019 im WM-Endspiel. Noch wartet Smith auf seinen ersten großen Titel, der Engländer hat noch kein großes Ranglistenturnier gewonnen. Endet das Warten ausgerechnet im WM-Finale? "Ich wollte unbedingt die Chance bekommen, die Niederlage von vor drei Jahren wieder gut zu machen. Jetzt habe ich sie", äußerte sich Smith nach seinem souveränen Halbfinal-Erfolg.

Smith war schnell mit 2:0 in Führung gegangen. Wade hatte einen starken Moment, als er unter Druck ein Highfinish zum Gewinn des dritten Satzes checkte. Wenige Minuten später ließ "The Machine" aber eine ähnliche Chance zum 2:2-Ausgleich liegen. Das war die Vorentscheidung, Smith stürmte auf 5:1 davon. Wade kam dann nochmal ran, am Ende war der Sieg für den Weltranglistenneunten aber nie gefährdet.

"Brennt wie Hölle"

Im Finale am Montagabend (ab 21 Uhr deutscher Zeit) ist Smith aufgrund der furiosen Halbfinal-Leistung von Wright aber leichter Außenseiter. Zumal der "Bully Boy" sämtliche Spiele gegen den Schotten bei großen Turnieren verloren hat, stattliche elf (!) an der Zahl. Gegen James Wade allerdings hatte Smith vor 2022 auch noch nicht gewonnen. Das dürfte Smith Hoffnung auf einen Final-Coup machen.

Hinzu kommt, dass Peter Wright auch nach dem "besten Spiel der Karriere" etwas zu beanstanden hat. Er habe sich "vor ein paar Tagen eine Knieverletzung zugezogen", so der Ex-Weltmeister. "Ich habe eine Bandage und es brennt wie Hölle. Ich muss mich ausruhen." Dass die Verletzung Auswirkungen auf seine Leistung haben wird, erwartet Wright aber nicht: "Für das Finale ist es wieder in Ordnung."

Kevin Schulte

© n-tv