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Interview mit Vize-Weltmeister Jan Spieß

Absurde WM: So wird man zum Luftballon-Star

19.10.2021 13:22

Es war die wohl irrste und absurdeste WM des Jahres. Initiiert von Barcelona-Legende Gerard Piqué und dem spanischen Social-Media-Star Ibai Llanos kämpften am Wochenende Sportler aus 32 Nationen um die WM-Krone beim ersten "Balloon World Cup", also der Luftballon-Weltmeisterschaft.

Die Regeln sind einfach: Die Spieler hauen abwechseln auf die Luftkugel, der Boden ist "Lava", berührt der Ballon den Boden, bekommt der Gegner einen Punkt. Der Deutsch-Spanier Jan Spieß vertrat bei dem Spaß-Event in Tarragona Deutschland – und schaffte den Finaleinzug.

Im "RTL"-Interview erklärt der 22-jährige Student aus Barcelona, wie er sich auf das Event vorbereitet hat, warum er mit Piqué direkt über Twitter kommuniziert hat und wieso das Ganze auch Potenzial für eine ernste Sportart hat.

RTL: Herr Spieß, wie kommt man dazu, bei dieser irren WM mitzumachen?

Jan Spieß: Tja … (lacht). Also Gerard Piqué und Ibai Llanos haben dieses Viralvideo bei TikTok gesehen und gedacht, es sei eine gute Idee, eine WM zu veranstalten. Ibai hat zu Beginn seiner Karriere so ähnliche verrückte Sachen kommentiert. Wir haben doch alle solche Luftballon-Spiele gemocht, als wir klein waren und ich war von der Idee dann auch schnell begeistert.

Und wie ging es dann weiter?

Die WM war zunächst für 24 Länder ausgelegt, Deutschland war nicht dabei. Es gab dann die Idee, die WM auf 32 Nationen auszubauen. Ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft und habe mich dann einfach angemeldet. Piqué hat mir dann direkt bei Twitter geschrieben und gefragt, ob ich für Deutschland mitmachen wolle.

Moment, Sie haben also direkt mit Piqué bei Twitter kommuniziert?

Ja, so ungefähr. Zuerst musste man sich anmelden und ein Video mitschicken. Ich weiß aber nicht, ob sie es gesehen haben. Sie hatten nicht viel Zeit.

Piqué war bei der WM den ganzen Tag vor Ort. Hattet Sie dort auch Kontakt mit ihm?

Ich habe ihn auch getroffen und kurz mit ihm geredet. Er hat das ganze Event kommentiert und war gut drauf. Ich denke, dass die beiden damit nicht aufhören.

Wissen Sie noch, was Sie gedacht haben, als sie zum ersten Mal solch ein Ballon-Video gesehen haben?

Ich habe gedacht, dass ich auch immer so viel springe und Sport mache - das sagen mir immer meine Freunde. Für mich war schnell klar: Das würde ich auch machen. Ich mag es zum Beispiel auch, mich hinzuwerfen.

Sehen Sie das Ganze eigentlich als ernstzunehmenden Sportart mit Potential oder als reinen Spaß?

Im Prinzip ist es als eine Spaßveranstaltung gedacht. Aber ich denke es könnte auch ein "normaler" Sport werden. Ich sehe bei den Olympischen Spielen zum Beispiel manche Sportarten, die weniger sportlich sind als die "Balloon WM".

Das langfristige Ziel lautet also olympisch werden?

Ich glaube, dafür ist es zu früh. Aber es könnte sich wirklich zu einer ernsthaften Sportart entwickeln.

Wie haben Sie sich für die WM vorbereitet – gab es ein spezielles Programm?

Wir hatten wenig Zeit zum Trainieren oder Vorbereiten. Ich habe erst eine Woche davor Bescheid bekommen, dass ich mitmachen darf. Da konnte ich mich nicht so richtig vorbereiten. Zum Glück habe ich mein ganzes Leben schon Sport gemacht. Fit war ich schon.

Und was haben Sie dann in der Woche davor gemacht?

Das war mehr ein Cardio-Programm: laufen und sich fit halten. Springen und Werfen konnte ich schon, ich habe ein paar Jahre Parkour mit meinen Freunden gemacht. Das hat geholfen.

Welche Voraussetzungen braucht man, um ein guter Ballon-Athlet zu sein?

Man muss schnell reagieren, explosive Bewegungen machen und gut beschleunigen können. Und es ist wichtig, dass man agil ist. Man wird sonst innerhalb von zwei Minuten schnell müde. Auf die reine Muskelkraft kommt es eher weniger an.

Was haben Ihre Freunde und Familie gesagt? Gab es volle Unterstützung oder auch viele Sprüche?

Dumme Sprüche gab es allerdings. Besonders am Anfang, als ich es meinen Eltern gesagt habe. Aber am Ende waren meine Eltern zufrieden, dass ich mit Piqué und Ibai einen guten Tag verbracht habe. Meine ganze Familie und Freunde haben das Turnier im Livestream angeguckt.

Wie geht es nach dem 2. Platz bei der WM jetzt weiter?

Nächstes Jahr soll es eine weitere WM geben. Da würde ich gerne mitmachen. Wenn es irgendwie geht, bleibe ich dabei und trainiere dann richtig.

Das heißt, sie spielen zuhause auch mit Luftballons weiter?

Zuhause spiele ich jetzt erst mal nicht mehr. Wenn es dann wieder ernster werden sollte, dann vielleicht schon.

Haben Sie als Kind eigentlich viel mit Luftballons gespielt?

Klar, ich habe es öfter mit meiner Schwester gespielt. Wie bei der WM: Der Ballon darf nicht auf den Boden fallen. Aber meine Mutter hat es leider genervt. Deswegen konnte ich es nicht so oft und viel machen.

Das Gespräch führte Emmanuel Schneider

© RTL