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Arleen Schüßler und Benedikt Sigmund im Interview

Ninja Couple: "Der Sport wird von Jahr zu Jahr krasser"

15.10.2021 08:29
Arleen Schüßler und Benedikt Sigmund können dieses Jahr nicht gemeinsam antreten
© TVNOW/Markus Hertrich
Arleen Schüßler und Benedikt Sigmund können dieses Jahr nicht gemeinsam antreten

Ninja Warrior Germany startet in die 6. Staffel. Direkt in der ersten Folge startet Arleen Schüßler, die 2019 als Last Woman Standing triumphierte. Erst kurz vor der Aufzeichnung stand fest: Die Mitfavoritin auf den Titel muss ohne ihren verletzten Freund und Trainingspartner Benedikt Sigmund an den Start gehen.

Was Bennis Verletzung für das Ninja Couple bedeutet und was noch schlimmer als die verpasste Teilnahme war, erklären die beiden Ninja-Profis im exklusiven sport.de-Interview. Außerdem sprechen die beiden über die Unterstützung aus der Community, Verletzungsrisiken im Sport und verraten, wo und warum sie gerne Laura Wontorra interviewen würden.

Eine neue Staffel Ninja Warrior Germany liegt vor uns. Seid ihr trotz eurer Routine noch gespannt auf die Ausstrahlung?

Benni: Ich finde die Ausstrahlung schon immer spannend. Ein Drehtag beginnt oft sehr früh und geht manchmal sogar bis spät abends. Wie das dann im Fernsehen dargestellt wird, ist dann auch für uns immer neu. Wir gehen da hin, machen unseren Sport, hoffen, dass es gut läuft und gehen dann zufrieden oder unzufrieden nach Hause.

Arleen: Ich rede in den Interviews dort relativ viel und finde es auch immer spannend, was am Ende zusammengeschnitten wird. Außerdem bekommt man auch erst bei der Ausstrahlung mit, ob man von Buschi und Köppen sein Fett wegbekommt oder ob sie dich loben. Ich freue mich immer darauf, man muss aber auch dazu sagen: Entweder leidet man zweimal oder man freut sich zweimal.

Benni, du musstest deine Teilnahme kurz vor den Aufzeichnungen absagen. Was ist passiert?

Benni: Ich habe mich beim Training an der Mega Wall verletzt. Beim Arzt hieß es zunächst, es sei nur geprellt. Danach wurde beim MRT allerdings festgestellt, dass ich eine Talusfraktur habe, also einen relativ komplizierten Bruch, der operiert werden musste. Dabei bin ich unglaublich gut betreut worden. Ich habe eine Reha mit Druckkammer, Physiotherapie und Mikrostromtherapie gemacht, sodass ich gefühlt noch vor den Aufzeichnungen wieder fit war und dachte, dass ich es schaffe. Letztlich hat mein Operateur aber gesagt, dass die Gefahr zu groß ist und ich es lassen soll.

Wie ging es dir, als du realisiert hast, dass es für Staffel 6 doch nicht reichen wird?

Benni: Ich war ich natürlich noch einmal richtig down. Wir waren noch nie so fit und so gut vorbereitet wie dieses Jahr und ich wollte unbedingt teilnehmen. Nachdem ich den ersten Schock verdaut habe, war mein Ziel, meine ganze Energie in Arleen zu stecken und sie zu pushen. Als ich dann erfahren habe, dass ich coronabedingt nicht in die Halle darf und nicht für sie da sein kann, war das für mich noch schlimmer als die Verletzung selbst. Ich weiß ja, wie sehr wir uns gegenseitig unterstützen und wie sehr es mir hilft, wenn sie mich anfeuert und mir Tipps gibt.

Arleen, wie war es für dich ohne Benni am Set?

Arleen: Die Community hat mir geholfen. Es haben so viele gesagt, dass sie den Part von Benni übernehmen und mich pushen wollen. Aber es ist halt nicht dasselbe. Ich habe mich natürlich total gefreut, dass so viele Ninjas hinter uns stehen. Einige hatten sogar unsere Shirts an und Lukas [Kilian, d. Red.] hat Benni zum Beispiel seinen Run gewidmet.

Benni: Das war für mich auch der größte Sieg, dass mir so viele Leute geschrieben und mich gepusht haben. So viele haben mir nicht nur als Sportler, sondern auch als Mensch viel Wertschätzung gezeigt. Und es war so nett von der Community, wie sie Arleen unterstützt haben.

Arleen: Das war wirklich total süß. Aber ich bin so darauf konditioniert, dass Benni und ich zusammen trainieren, alles zusammen machen und uns innerhalb und außerhalb der Show immer gegenseitig unterstützen, dass es für mich ein schlechtes Grundsetting war. Natürlich versucht man trotzdem alles zu geben.

Hast du kurz darüber nachgedacht, ob du ohne Benni überhaupt antreten magst?

Arleen: Ja, als klar war, dass Benni nicht teilnehmen kann, war ich schon sehr down, sodass ich kurz gar keinen Bock hatte, selbst mitzumachen. Wir sind vielleicht noch abhängiger voneinander als andere Paare, die dort als Einzelsportler antreten. Das geht für mich irgendwie nicht. Es ist immer eine Teamleistung.

Denkt man beim Training oder im Parcours daran, dass man sich verletzen könnte?

Arleen: Außerhalb der Show bin ich oft sehr vorsichtig. Benni kann gut bezeugen, wie oft ich im Training schon gesagt habe: "Ich mache das nicht, das ist mir zu gefährlich!" Wir haben bei unserer Mega Wall im Garten deswegen extra eine Sicherung mit einem Klettergurt eingebaut, sodass ich in den Gurt falle, wenn ich oben die Kante nicht erwische – leider hat Benni die nicht verwendet, weil es eigentlich ja ein sicherer Move ist, den er etliche Male gemacht hat.


Mehr dazu: Wie trainiert das Ninja Couple? 


In der Show selbst habe ich aber zu keinem Zeitpunkt Bedenken, dass ich mich verletzen könnte, da bin ich fokussiert und mache einfach. Was passiert, passiert. Wir haben in den Shows gesehen, dass sich immer jemand verletzt. Aber ich glaube, es gibt keinen Sport ohne Verletzungsrisiko.

Hat sich durch die Verletzung etwas verändert, Benni? Wie geht es deinem Fuß mittlerweile?

Benni: Natürlich ist mir bewusst, dass du die Kante verpassen und dir wehtun kannst, wenn du eine 5,50-Meter-Wand hochrennst. Man geht immer ein Risiko ein, aber das ist durchaus kalkulierbar. Wenn man diesen Sport professionell betreibt, weiß man, was man sich zutrauen kann und was nicht. Laut Schulmedizin hätte es acht Wochen gedauert, bis der Knochen geheilt ist, aber ich bin nach vier Wochen die Mega Wall wieder hochgerannt. Ich glaube, das hat damit zu tun, wie du deinem Körper vertraust und was für ein Körpergefühl du hast. Und ich wurde mental von meinem Umfeld so krass gepusht, dass ich schnell wieder Vertrauen in meinen Fuß hatte. Die Physios haben auch sehr schnell gesagt, dass ich auftreten und den Fuß langsam belasten soll.

Es hat im Vorfeld der Show einige Verletzungen im Teilnehmerfeld gegeben – waren das mehr als sonst?

Benni: Der Sport wird von Jahr zu Jahr krasser. In der ersten Staffel sind Buschi und Köppen noch ausgerastet, wenn jemand die Himmelsleiter geschafft hat. Mittlerweile ist die ein Standardhindernis in der ersten Runde und man wundert sich eher, wenn da jemand scheitert. Durch diese Entwicklung werden die Trainings natürlich auch extremer: Man springt weiter, man fliegt weiter, man muss sich ein bisschen mehr zutrauen. Ich glaube aber dennoch, dass sich vor dieser Staffel jetzt im Schnitt nicht unbedingt mehr Leute verletzt haben, aber vielleicht sind es mehr Gesichter aus der Show gewesen, die es getroffen hat, und es deswegen ist es auch mehr aufgefallen.

Arleen, du konntest fit in die Staffel gehen. Zur Vorbereitung habt ihr euren Garten-Parcours nicht nur um die Mega Wall ergänzt, sondern auch das Seil für den Mount Midoriyama trainiert. Mit welchem Ziel bist du nach Köln gefahren?

Arleen: Rein objektiv betrachtet hatte ich die beste körperliche Fitness meines Lebens. Ich weiß gar nicht, ob ich noch mal so fit werden kann. Natürlich war mein Ziel, den Titel zurückzugewinnen und Last Woman Standing zu werden.

Das Seil haben in erster Linie die Jungs genutzt. Klar, habe ich dann auch mittrainiert. Das ist ein richtig geiles Cardio-Training. Es ist cool, da auch als Frau so schnell hochgehen zu können, aber am Ende fehlten immer noch fünf Sekunden, um es in der regulären Show überhaupt in der vorgegebenen Zeit zu schaffen – und man muss ja auch erstmal zum Mount kommen. Das war also nicht mein Ziel.

Was denkt ihr: Wie weit liegen Männer und Frauen im Parcours noch auseinander?

Benni: Ich glaube, dass Ninja ein Sport ist, in dem es kein krasses Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen gibt. Klar, dominieren ganz am Ende auf Wettkämpfen oder in den Shows die Männer. Aber im Training können die Frauen mit den Männern wirklich gut konkurrieren. In der Show sieht man ja auch, dass die Frauen-Regel in der Vorrunde oft gar nicht mehr genutzt wird, weil die Athletinnen so stark sind, dass sie ohne diese Regel ins Halbfinale kommen. Wenn man sich mal die Mädels bei Ninja Warrior Kids anschaut, braucht man in spätestens fünf Jahren keine Frauen-Regel mehr. Und was Astrid, Steffi oder Arleen leisten, ist schon unmenschlich.

Arleen: Zu großen Teilen wird der Sport ja auch mental entschieden. Es ist egal wir fit du bist, wenn du vom Kopf her nicht frei bist, wirst du niemals so performen, wie du es gerne hättest. Und in der TV-Show ist der mentale Faktor noch einmal größer. Ich glaube, deswegen können wir Frauen da auch gut mitmischen. Klar, am Ende sind’s dann die mental starken und körperlich fitten Männer, die ganz vorne sind. Aber wir können da schon nah drankommen.

Ihr seid auch abseits des Parcours in der Ninja-Szene sehr aktiv. Plant ihr auch für diese Staffel wieder euren Ninja Couple Talk bei Instagram?

Arleen: Wir machen den Talk auf jeden Fall wieder, es kamen auch schon viele Anfragen. Es gibt so viele Athleten in der Show, dass du dem einzelnen dort gar nicht gerecht werden kannst. Wir wollen zumindest einigen mehr Aufmerksamkeit schenken – gerade denen, die es aus Community-Sicht verdient haben.

Benni: Das sind alles Profi-Sportler, die vorne mitrennen; Leute, die sechs- bis achtmal pro Woche trainieren und ihr ganzes Leben darauf abstimmen. Aber sie verdienen nicht wie ein Fußballer Millionen damit und können sich entsprechend auch nicht komplett auf den Sport konzentrieren. Wir versuchen, dafür zu sensibilisieren, dass Ninja inzwischen ein etablierter Sport ist. Die Show ist der Aufhänger, quasi unser "Olympia", aber da steckt halt viel mehr dahinter. Wir wollen die Athleten, die viel für den Sport tun, ein bisschen vorstellen. Es gibt ja auch immer verschiedene Sichtweisen, jeder sieht den Sport oder auch die Show ein bisschen anders. Und es gibt wenige Sportarten, bei denen so unterschiedliche Typen aufeinanderprallen, wobei alle dasselbe Ziel haben. Das macht es auch spannend.

Gibt es eine Person, die ihr gerne mal interviewen würdet?

Arleen: Ich glaube, die einzige Person, die sich bisher noch nicht zurückgemeldet hat, aber die wir gerne mal im Talk hätten, ist Laura Wontorra.

Benni: Stimmt! Laura, wenn du das liest, melde dich! Das wäre cool. Sie ist echt lustig und kann bestimmt auch viele interessante Dinge berichten, was hinter den Kulissen passiert. Vielleicht schreiben wir sie noch einmal an, sie macht ja so viel, dass unsere Nachricht wahrscheinlich untergegangen ist.

Arleen: Ich glaube, dass Laura oft auch noch näher an den Athleten dran ist, auch weil sie natürlich unten die Field-Reporterin ist, die einen ja auch mal in den Arm nimmt und tröstet oder auch mal im Athletenbereich vorbeischaut. Buschi und Köppen sind für uns Athleten auf ihrem Moderationspult nicht so nah dran wie Laura. Und sie fiebert auch immer so krass mit.

Das Gespräch führte Maike Falkenberg.

Einzel 2021

1DeutschlandRené Casselly1:53.93m
2DeutschlandMilan Schirowski2:21.84m
3DeutschlandJun Kim2:48.46m
4DeutschlandAlexander Wurm3:03.16m
5DeutschlandMax Prinz3:44.69m
6DeutschlandJonas Marqua4:11.78m
7DeutschlandChristian Kirstges4:13.17m
8DeutschlandStefan Herold3:44.95m
9DeutschlandDavid Dongus2:33.34m
10DeutschlandArleen Schüßler3:20.06m