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Damals: Nils Schumann spurtet zu Olympia-Gold

26.09.2021 10:40
Blondschopf Nils Schumann spurtete in Sydney 2000 sensationell zu Gold
© imago sportfotodienst
Blondschopf Nils Schumann spurtete in Sydney 2000 sensationell zu Gold

"Ein zweiter Platz wäre auch gut gewesen", sagte Nils Schumann einmal rückblickend über den Lauf seines Lebens am 27. September 2000 in Sydney: "Dann hätte ich noch Ziele gehabt für die nächsten Jahre, für die ich alles hätte geben können. Das war mir ein bisschen genommen." Doch so saß er schon ganz früh oben auf dem Olymp.

Beim Triumph in Australien schrie Schumann überwältigt seine Freude heraus, breitete seine Arme aus - und sackte dann zusammen. Konnte das wirklich wahr sein? Schumann, gerade einmal 22 Jahre jung, der Außenseiter, Olympiasieger über 800 m? Ungläubig schlug er sich die Hände vor das Gesicht, ehe er sich von den Fans feiern ließ.

21 Jahre sind diese Bilder nun alt, die Schumanns Leben in ein Davor und ein Danach teilten. Doch sein Glück hielt nicht lange an.

Schumann hatte schon früh alles erreicht, was man erreichen kann. Nach 1:45,08 Minuten und einem taktischen Meisterstück, bei dem er seine Spurtstärke voll ausspielen konnte, ließ der Thüringer den großen Wilson Kipketer, den Dreifach-Weltmeister, den damaligen Weltrekordhalter, knapp hinter sich.

Der Verlust der Leichtigkeit

Der Hype danach um Schumann war riesig, er wurde Sportler des Jahres, tingelte von TV-Show zu TV-Show, war Star-Gast bei Galas und unterschrieb hochdotierte Werbeverträge. Doch Schumann verlor schnell seine Leichtigkeit.

2002 gewann er bei der Heim-EM in München noch einmal Bronze, aber eigentlich bestimmten Verletzungen und Operationen sein Leben. An seine alte Form konnte Schumann nie wieder anknüpfen, fast vier Jahre lang lief er kein Rennen.

Zudem sorgte seine Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Trainer Thomas Springstein, der später wegen Minderjährigen-Dopings verurteilt wurde, für Wirbel. 2009, nachdem er die Qualifikation für die WM in Berlin verpasst hatte, beendete Schumann frustriert seine Karriere. Auch das viele Geld von einst war futsch.

Vom Goldhelden zum Dopingverdacht

"Neun Jahre lang habe ich nach dem Sieg in Sydney mit dem Leistungssport weitergemacht und nicht wirklich einen großen internationalen Erfolg mehr errungen. Statt von Sieg zu Sieg eilte ich von Verletzung zu Verletzung", schrieb Schumann in seinem Buch: "Und am Ende hatte ich alles verloren: Statt reich zu sein, war ich hoch verschuldet, statt frisch verliebt zu sein, war ich frisch verlassen von meiner Frau, und aus dem makellosen weißblonden Helden war ein unter Dopingvorwurf stehender Kahlkopf geworden."

Heute lebt und arbeitet Schumann, der unlängst mit einer höchst umstrittenen Forderung nach einer Dopingfreigabe für Kopfschütteln gesorgt hatte, als Personal Trainer in Erfurt.