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Nach der Vertragsverlängerung

Schumacher lobt Vettel und kritisiert Team

21.09.2021 17:32

Lange war unklar, ob Sebastian Vettel seine Formel-1-Karriere fortsetzt oder beendet. Ralf Schumacher begrüßt zwar, dass der vierfache Weltmeister bei Aston Martin bleibt. Er glaubt aber nicht, dass die Anstrengungen Vettels noch belohnt werden.

Ralf Schumacher ist längst nicht mehr nur der ehemalige Formel-1-Fahrer, der für BMW-Williams insgesamt sechs Rennen gewinnen konnte, sondern mittlerweile auch ein gefragter, weil meinungsstarker und kenntnisreicher Experte. Als solcher begrüßt der 46-Jährige die Entscheidung von Sebastian Vettel, auch in der Saison 2022 für Aston Martin an den Start zu gehen - fürchtet aber auch, dass der vierfache Weltmeister beim britischen Rennstall anders als erhofft nicht mehr an die Erfolge früherer Tage anknüpfen kann.

"An diesem Punkt in seiner Karriere gibt es nur zwei Möglichkeiten", sagt Schumacher bei "Eurosport": "Entweder bleibe ich bei der Familie oder ich fahre weiter." Zuletzt hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, der dreifache Vater Vettel denke darüber nach, die Formel 1 nach 15 Jahren zu verlassen. Das sieht auch "ntv"-Reporter Felix Görner so: "Der späte Zeitpunkt [der Verlängerung des Vertrages] zeigt, dass er es sich nicht leicht gemacht hat."

 

Der Bolide von Aston Martin ist längst nicht so konkurrenzfähig wie das Vorgängerauto von Racing Point, mit dem das vor dieser Saison umbenannte Team zeitweise drittstärkste Kraft hinter Mercedes und Red Bull war. Nach 14 von 22 geplanten Rennen in dieser Saison steht Aston Martin als Siebter deutlich schlechter da, Alpine und AlphaTauri auf den Plätzen fünf und sechs punkten deutlich konstanter und häufiger. Schumacher sagt deshalb: "Bis Aston Martin um den Titel fahren kann, glaube ich nicht, dass Vettel noch in der Formel 1 ist. Da sehe ich gerade schwarz."

Ein bisschen wie Michael Schumacher

Dennoch, so Schumacher, sei es "gut, dass er diese Entscheidung getroffen hat". Sicher auch, weil Teambesitzer Lawrence Stroll kräftig in die Infrastruktur investiert, jüngst wurden die Pläne für die neue Fabrik in England präsentiert. Aston Martin soll ein Titelanwärter werden, große Hoffnungen liegen dabei auf dem neuen Reglement für 2022. Dessen tiefgreifende Änderungen, so die Erwartung, könnten die Mercedes-Dominanz brechen und die Formel 1 spannender, weil weniger vorhersehbar machen.

Darauf setzt auch Vettel ("Das ist eine große Chance für uns"), der sich nach seinem unschönen Ferrari-Abschied mehr versprochen hatte als enttäuschende vier Punkteplatzierungen in 14 Rennen. "Als Fahrer fährt man nie gerne hinten rum", so Schumacher, der den zumeist vergeblichen Kampf um Zählbares aus seinen letzten Formel-1-Jahren bei Toyota selbst noch kennt: "Da wird er natürlich ungeduldig." Wohl auch deshalb ist die Vereinbarung zwischen Aston Martin und Vettel wieder eine, die laut Görner "von Jahr zu Jahr verlängert oder beendet werden kann" - und zwar von beiden Seiten.

Allerdings, und auch das ist nicht zu vernachlässigen, ist der inzwischen 34 Jahre alte Vettel in der Königsklasse des Motorsports längst mehr als "nur" ein Fahrer. Mit seinem gesellschaftlichen Engagement für Vielfalt und Akzeptanz, für Klimaschutz und gegen Diskriminierung ist er ein unbequemer Antreiber beim notwendigen Wandel der Formel 1. Und zugleich auch ein Mentor für Mick Schumacher, wie dessen Vater Michael es einst für den jungen Vettel war. "Er ist eine große Hilfe für mich, auf und abseits der Strecke", sagte der 21-jährige Neuling jüngst: "Ich bin froh, dass ich mich auf jemanden verlassen kann, der so viel Erfahrung hat."

Und wenn es schon für Vettel selbst bei Aston Martin nicht mit der Rückkehr an die Spitze klappt, dann vielleicht wenigstens mit einer ähnlichen Spätphase der Karriere wie bei seinem Idol Michael Schumacher. Der bei Mercedes selbst keinen Sieg mehr feiern konnte, aber maßgeblich dazu beitrug, dass die Silberpfeile mit dem neuen Reglement 2014 in der Position waren, die Formel 1 über Jahre zu beherrschen. Wobei es für Aston Martin schon reichen würde, überhaupt ein siegfähiges Auto zu bauen.

Torben Siemer

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