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Ex-SGE-Torjäger enttäuscht bei RB Leipzig

Warum es nach Andre Silvás Wechsel nur Verlierer gibt

22.09.2021 07:18
André Silva wechselte von Eintracht Frankfurt zu RB Leipzig
© Roger Petzsche via www.imago-images.de
André Silva wechselte von Eintracht Frankfurt zu RB Leipzig

Als RB Leipzig im Sommer bekannt gab, dass André Silva von Eintracht Frankfurt losgeeist wurde, feierten die Verantwortlichen den Wechsel noch als echten Coup. Nur wenige Monate später ist Ernüchterung eingekehrt. Bislang hat der Transfer nur Verlierer hervorgebracht.

Immer wieder riss André Silva am vergangenen Samstagabend die Arme verärgert hoch und schimpfte wie ein Rohrspatz. Dem Portugiesen passte so gar nicht, wie die Partie im Kölner RheinEnergieStadion verlief.

Nach nur 57 Spielminuten hatte der Mittelstürmer schließlich Feierabend, RB-Urgestein Yussuf Poulsen durfte stattdessen beim Stand von 0:1 aus Leipziger Sicht sein Glück versuchen.

Zuvor war Silva den Nachweis seiner Knipser-Qualitäten einmal mehr schuldig geblieben. Nach fünf Bundesliga-Einsätzen hat der 28-fache Torschütze der Vorsaison erst einen Treffer auf dem Konto - ein Elfmeter beim 4:0-Erfolg gegen den VfB Stuttgart.

Von Woche zu Woche wirkt der Neuzugang des Vizemeisters verkrampfter, sein Killerinstinkt aus Frankfurter Tagen scheint ihm abhandengekommen zu sein. Die Hoffnungen der sportlichen Führung, die Baustelle im Sturmzentrum durch die Verpflichtung des 25-Jährigen endlich geschlossen zu haben, haben sich bisher nicht erfüllt.

Schlimmer noch: Nach jetzigem Stand hat der Silva-Deal nur Verlierer zurückgelassen.

Verlierer Nummer eins: RB Leipzig

Im zweiten Jahr nach dem Abschied von Timo Werner suchen die Sachsen weiter nach einem neuen Torgaranten. Das Experiment mit Alexander Sörloth und Hee-chan Hwang war in der Vorsaison komplett gescheitert, beide wurden mittlerweile verliehen.

Mit André Silva in vorderster Front sollte auch die letzte Schwachstelle im Kader behoben werden, eilte dem Nationalspieler doch der Ruf eines eiskalten Knipsers voraus.

Bislang passt es zwischen dem Angreifer und seinem neuen Arbeitgeber, der für den Wechsel immerhin 23 Millionen Euro in die Hand genommen hat, allerdings überhaupt nicht.

Silva wird langsam aber sicher zum Sinnbild des verkorksten Starts unter Trainer Jesse Marsch, der den zum FC Bayern abgewanderten Julian Nagelsmann ersetzt hat.

Im gesamten Team läuft wenig zusammen, doch sogar in dieser sich selbst suchenden Leipziger Mannschaft fiel Silva zuletzt noch spürbar ab. Einfachste Bälle versprangen dem sonst so abgebrühten Zielspieler, der noch immer wie ein Fremdkörper wirkt.

Selbstredend ist Silva nur einer von vielen RB-Profis, die aktuell auf Formsuche sind. Allzu viel Geduld dürften seine Vorgesetzten angesichts des kapitalen Fehlstarts (Platz zwölf mit vier Punkten nach fünf Spielen) jedoch nicht mehr haben.

Denn: Der Status als neue deutsche Nummer zwei hinter dem FC Bayern wackelt bedenklich.

Verlierer Nummer zwei: André Silva

Nach dem Abschied von seinem Ausbildungsverein FC Porto im Sommer 2017 wurde der hoch gehandelte Silva weder in Mailand noch in Sevilla glücklich. Erst im Trikot der Frankfurter Eintracht blühte der Offensivmann wieder auf.

Einem vielversprechenden Debütjahr mit wettbewerbsübergreifend 16 Treffern folgte eine wahre Tor-Explosion: 29 Mal stach Silva 2020/2021 für die SGE in Liga und Pokal zu.

Plötzlich standen die Interessenten Schlange, darunter absolute Top-Klubs wie Manchester City und Atlético Madrid. Silva sah die beste Möglichkeit, den nächsten Karriereschritt zu machen, aber in Leipzig. Dort wollte er sich durch regelmäßige Champions-League-Einsätze auch für mehr Spielzeit in der Nationalmannschaft empfehlen.

In der "Seleção das Quinas" ist allerdings weiter kein Vorbeikommen an Altmeister Cristiano Ronaldo, der mittlerweile vorwiegend auf Silvas Paradeposition im Angriffszentrum aufläuft.

Und die jüngsten Darbietungen im Verein dürften die Aktien des Herausforderers, der in Leipzig bis 2026 unterschrieben hat, kaum verbessert haben.

Noch hält RB-Coach Marsch seinem Schützling den Rücken frei. "André ist ein wichtiger Spieler für uns. Wir versuchen, ihn in einen Rhythmus zu bringen", erläuterte der US-Amerikaner nach dem jüngsten 1:1-Unentschieden in Köln.

Gleichwohl weiß auch der Übungsleiter, dass Silva zuletzt nur noch ein Schatten seiner selbst war. "Wenn Dinge nicht so klappen, hat das eine Auswirkung auf den Spieler und sein Selbstvertrauen", fasste er die Situation treffend zusammen.

Verlierer Nummer drei: Eintracht Frankfurt

Nach der Verkündung des Wechsels wirkten die Hessen zunächst wie der einzige Verlierer. Für einen derart gefährlichen Goalgetter im besten Fußballer-Alter nur 23 Millionen Euro erhalten zu haben, fühlte sich für viele Eintracht-Fans wie eine Niederlage an.

Eine Klausel im Vertrag des Portugiesen erlaubte es Leipzig, den Stürmer weit unter Marktwert zu verpflichten. Aus heutiger Sicht wiegt der sportliche Verlust indes noch viel schwerer.

Genau wie RB Leipzig hat auch Frankfurt den Start in die Spielzeit in den Sand gesetzt. In der Liga noch sieglos, im Pokal sang- und klanglos ausgeschieden - das hatten sich der neue Trainer Oliver Glasner und Co. fraglos ganz anders vorgestellt.

Besonders drückt der Schuh in der Offensive, wo die Silva-Nachfolger Rafael Borré (null Tore) und Sam Lammers (ein Liga-Treffer) noch mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen haben. Bei Letztgenanntem zeigte die Kurve jüngst immerhin nach oben.

Unter dem Strich wird André Silva in Frankfurt dennoch schmerzlich vermisst. Beim Europa-League-Teilnehmer hat der Angreifer eine kaum zu stopfende Lücke hinterlassen. So ist auch die Eintracht letztlich ein Verlierer des Transfers.

Heiko Lütkehus

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