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Münchner sorgen für historischen Barca-Tiefstwert

Fünf Erkenntnisse aus Bayerns Machtdemonstration

15.09.2021 14:22

Mit einer wahren Machtdemonstration beim FC Barcelona (3:0) ist der FC Bayern in die neue Saison der Champions League gestartet. Barca-Schreck Thomas Müller und Doppelpacker Robert Lewandowski sorgten in Spanien für klare Verhältnisse.

Was lief bei der Mannschaft von Trainer Julian Nagelsmann besonders gut? Welche Schlüsse ziehen die Münchner? Fünf Erkenntnisse aus dem klaren Sieg in der Königsklasse:

  • Defensivarbeit des FC Bayern: Barca mit historischem Tiefstwert

Offensichtlich ist, dass einmal mehr Verlass auf die Offensive des deutschen Rekordmeisters war. Drei Tore erzielten die Bayern auswärts vor immerhin 40.000 Zuschauern in Barcelona - und bestätigten damit zugleich ihre ausgesprochen gute Bilanz von acht Siegen aus zwölf Pflichtspielen gegen die Katalanen.

Doch auch die Defensiv-Arbeit des FC Bayern funktionierte am diesem Dienstagabend in allen Bereichen. Die Münchner störten ihren Gegner früh als Kollektiv, das von Julian Nagelsmann vorgegebene Pressing fruchtete. Letztlich feuerte die Mannschaft von Ronald Koeman nur fünf Schüsse ab - kein einziger (!) ging aufs Tor. 

Wie selten ein solcher Statistikwert ist? Zuletzt blieb Barca laut Datendienst "Opta" in der Saison 2003/04 ohne Torschuss. Übrigens: Die Münchner schossen 17 Mal, acht Versuche gingen direkt auf das Tor von Marc-André ter Stegen. Sieben Torchancen verbuchten die Statistiker am Ende der Partie.

  • FC Bayern beherrscht das Mittelfeld

Joshua Kimmich und Leon Goretzka im Münchner 4-2-3-1-System auf der einen Seite, Sergio Busquets, Frenkie de Jong und Pedri im 3-5-2 auf der anderen: Das zentrale Mittelfeld war ein umkämpftes Terrain. Beherrscht wurde die Schaltzentrale überwiegend von den beiden deutschen Nationalspielern.

Kimmich kam auf 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, der noch etwas stärker aufspielende Goretzka (sport.de-Note 2,0) gar auf 64 Prozent. Beide spielten ähnlich viele Pässe (Kimmich mit 67 Pässen bei einer Genauigkeit von 97 %, Goretzka mit 61 Pässen bei einer Genauigkeit von 85 %) und waren in ihrer Mannschaft Dreh- und Angelpunkt.

Barcelonas Kreativspieler Frenkie de Jong (46 % gew. Zweikämpfe, 48 gespielte Pässe bei einer Genauigkeit von 94 %) und Pedri (30 % gew. Zweikämpfe, 51 gespielte Pässe bei einer Genauigkeit von 94 %) liegen hier weit zurück. Der defensiv ausgerichtete Kapitän Busquets kommt bei ähnlichen Passwerten immerhin auf 57 Prozent gewonnene Duelle.

  • Der beste Lewandowski aller Zeiten

Er ist bereits Weltfußballer, Triple-Sieger und unter anderem achtfacher deutscher Meister. Seine Bestleistungen liegen allerdings nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt. Denn: Robert Lewandowski trifft seit Februar (!) in jedem Pflichtspiel des FC Bayern.


Mehr dazu: FC Bayern dominiert den FC Barcelona: So reagierte das Netz


Anders ausgedrückt: Als der Bayern-Torjäger das letzte Mal nicht ins Netz traf, spielten die Münchner das Finale der Klub-WM gegen UANL Tigres. Angemerkt sei, dass Lewandowski damals die Vorlage für Benjamin Pavards Siegtreffer lieferte, im Halbfinale hatte er seine Farben per Doppelpack im Alleingang zum Erfolg geführt ...

  • Leroy Sané ist weiter auf dem Vormarsch

Es ist noch nicht lange her, da ertönten Pfiffe in der Münchner Allianz Arena. Jene Misstöne waren gegen Flügelspieler Leroy Sané gerichtet, der nach einer mäßigen Debütsaison eine schlechte Europameisterschaft und einen enttäuschenden Saisonstart hinlegte.

Der 25-Jährige hat sich aus diesem Loch jedoch vorerst eindrucksvoll herausgezogen. Vor der Länderspielpause konnte er bei den Kantersiegen gegen Hertha BSC (5:0) und den Bremer SV im Pokal (12:0) Selbstvertrauen tranken. Im Kreise der Nationalmannschaft blühte er in den drei Spielen (zwei Tore, eine Vorlage) weiter auf. Gegen RB Leipzig traf er jüngst auch für die Bayern, gegen Barca lieferte er (unfreiwillig) einen nächsten Assist.

Nachdem Sané zu Saisonbeginn über die rechte Seite agieren musste, darf er mittlerweile über den bevorzugten linken Flügel Fahrt aufnehmen. Auffällig dennoch, wie häufig er seine Position verlässt und dadurch Räume für die Mitspieler schafft. Ebenso auffällig, wie sehr der oft Kritisierte an seinem Defensivverhalten arbeitet.

  • Nagelsmann stehen unangenehme Entscheidungen bevor

Das Lazarett des FC Bayern ist nach einem durchaus kritischen Zustand zu Saisonbeginn nur noch spärlich belegt. Einzig Corentin Tolisso fällt mit Wadenproblemen aus und ist keine Option für Julian Nagelsmann.

Der Bayern-Trainer hat daher nun die Qual der Wahl: Nachdem Lucas Hernández zurückgekehrt ist, entfachte ein neuer Konkurrenzkampf mit Niklas Süle, der seine Arbeit in der Innenverteidigung bislang sehr solide verrichtet hatte. Nachdem Kingsley Coman wieder eine Option ist, wird Leroy Sané wohl Spielzeit abgeben müssen. Und nachdem Marcel Sabitzer von RB Leipzig verpflichtet wurde, ist auch der Kampf um die Plätze im zentralen Mittelfeld weiter angeheizt worden. Für Sabitzer dürfte es angesichts der Formstärke von Goretzka und Kimmich jedoch eher schwer werden, Fuß zu fassen.

Schließlich wäre da noch das interne Duell zwischen Serge Gnabry und Jamal Musiala. Der Jung-Nationalspieler überzeugte auch in Barcelona mit temporeichem Angriffsspiel (sport.de-Note 2,5) und verdiente sich einmal mehr die Berufung in die Startelf. Gnabry (Note 2,0) machte nach Einwechslung nicht weniger auf sich aufmerksam.

Klar ist: Zufrieden stellen wird Nagelsmann nicht alle seine Stars beim FC Bayern. Gegen Aufsteiger VfL Bochum (Samstag, 15:30 Uhr) besteht für den 34-Jährigen nun die erste Möglichkeit zur Rotation.

Gerrit Kleiböhmer

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