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"Hohe Sorglosigkeit" und die Gegentorflut

Wie der BVB sein größtes Problem endlich lösen will

15.09.2021 12:45
Bilden das etatmäßige Innenverteidiger-Pärchen beim BVB: Manuel Akanji und Mats Hummels
© David Inderlied via www.imago-images.de
Bilden das etatmäßige Innenverteidiger-Pärchen beim BVB: Manuel Akanji und Mats Hummels

Vor dem Champions-League-Auftakt bei Besiktas am Mittwoch (18:45 Uhr im Live-Ticker) plagen Borussia Dortmund altbekannte Sorgen: Die Defensive präsentiert sich extrem anfällig, zu viele Gegentore sind das Resultat. Wie will der BVB sein größtes Problem endlich lösen?

Zu erkennen war nicht viel von Mats Hummels' Gemütszustand, als er zusammen mit seinen BVB-Kollegen am Mittwoch vom Dortmunder Flughafen aus gen Istanbul aufbrach.

Die Schutzmaske hatte der Nationalspieler vorschriftsmäßig über Mund und Nase gezogen. Seine Augen versteckte Hummels sogar in der Abflughalle hinter einer dunklen Sonnenbrille.

Ganz schlecht wird Hummels' Laune beim Abflug zum ersten Champions-League-Spiel der Saison aber nicht gewesen sein. Nach langwierigen Patellasehnenproblemen, die ihn während der gesamten Vorbereitung sowie zu Beginn der Spielzeit außer Gefecht setzten, ist der 32-Jährige endlich wieder fit und für das Duell mit dem türkischen Meister Besiktas ein Startelf-Kandidat. 

BVB: Zwölf Gegentore in sechs Pflichtspielen

Diese Aussichten gefallen naturgemäß auch den BVB-Verantwortlichen. Schmerzlich vermisst hatten sie ihren Abwehrchef, der in den ersten sechs Pflichtspielen in dieser Saison lediglich 17 Minuten auf dem Platz stand.

Zwölf Gegentore kassierten die Dortmunder in diesen Partien, neun alleine in der Bundesliga - nur zwei Teams sind defensiv im deutschen Oberhaus noch anfälliger.

"Ganz und gar nicht" zufrieden sei er angesichts dieser Bilanz, bekannte Trainer Marco Rose in der Pressekonferenz vor dem Besiktas-Spiel, "sauer" mache ihn die Anzahl der Gegentore seiner Mannschaft. "Wir kennen das Thema und werden konsequent daran arbeiten", kündigte der BVB-Coach an.

Marco Roses Improvisationstalent beim BVB gefragt

Im Hinblick auf den Defensivverbund war von Rose in seinen ersten Wochen in Dortmund vor allem Kreativität gefragt - und viel Improvisationstalent.

Hummels' Fehlen und weitere Ausfälle wie der von Dan-Axel Zagadou, der nun schon wieder seit Mitte März außer Gefecht ist, und Emre Can wirbelten die personelle Besetzung der Viererkette immer wieder durcheinander.

Mehrfach musste sogar Mittelfeld-Stratege Axel Witsel in der Innenverteidigung aushelfen und bewies, dass seine Stärken eigentlich weiter vorne liegen.

Erst am letzten Tag der Transferperiode reagierten die BVB-Bosse mit der Verpflichtung von Marin Pongracic auf die dünne Personaldecke. Die Leihgabe des VfL Wolfsburg gab in Leverkusen prompt ein vielversprechendes Debüt mit einer makellosen Zweikampfquote von 100 Prozent.

Einzige Konstante im Abwehrzentrum ist derzeit Manuel Akanji. Aber der formstarke Schweizer, der zuletzt sogar beim FC Bayern gehandelt wurde, ist (noch) keiner, der die Nebenleute um sich herum auf ein höheres Niveau hebt.

BVB: Marco Reus kritisiert "die gesamte Mannschaft"

Bei der Ursachenforschung für die fast schon traditionelle Dortmunder Defensivschwäche wäre es allerdings zu kurz gegriffen, nur die vier Spieler in der letzten Linie in den Blick zu nehmen.

In Leverkusen habe der BVB "die Tore zu einfach bekommen", kritisierte Kapitän Marco Reus. "Aber das betrifft die gesamte Mannschaft, weil wir in der Absicherung und in der Staffelung zu große Lücken haben." Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl machte im "kicker" eine "hohe Sorglosigkeit" bei den Profis aus.

Klar ist, dass das von Rose bevorzugte System mit einer Raute im Mittelfeld nicht gerade für defensive Stabilität steht. Ein typisches Problem dieser Formation: Nicht nur in Leverkusen präsentierte sich der BVB extrem konteranfällig.

Comeback von Mats Hummels eine "Herausforderung"

Vorschnell wird der Trainer angesichts seiner Vorliebe für offensiven Fußball diese Philosophie aber sicherlich nicht komplett über Bord werfen.

Stattdessen ruhen nun erst einmal große Hoffnungen auf Hummels, auch wenn Rose dessen Comeback-Plan vor dem Leverkusen-Spiel wegen der fehlenden Grundlagenarbeit vor der Saison als "Herausforderung" bezeichnete.

"Aus einer guten Ordnung heraus" müsse der BVB bei Besiktas agieren, forderte Sportdirektor Michael Zorc via "kicker" vor der Abreise nach Istanbul - ein Motto, das genauso auch für weiteren Aufgaben in den kommenden Wochen und Monaten gilt.

Tobias Knoop

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