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Leichtathletik

Fall Tsimanouskaya: IOC zu Konsequenzen aufgefordert

02.08.2021 13:36

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und der Verein Athleten Deutschland haben das Internationale Olympische Komitee dazu aufgerufen, wegen des aufsehenerregenden Falls der Sprinterin Krystsina Tsimanouskaya entschlossen gegen das belarussische Olympische Komitee vorzugehen.

"Das ist ein sehr verstörender Fall. Sie sollte auf unverschämte Weise deportiert werden", sagte Tanja Lokschina, Direktorin des Russland-Programms bei HRW, dem "SID". Lokschina habe "keinen Grund", die Ausführungen der Sportlerin anzuzweifeln, die nach Angaben ihres Ehemannes "wahrscheinlich" in Polen Asyl erhalten wird.

Lokschina lobte: "Die japanischen Behörden und das IOC haben ihren Job gemacht." Besonders der Ringeorden habe "rechtzeitig und konsequent gehandelt." Dennoch sei das IOC aus ihrer Sicht gefordert, "das Geschehene öffentlich zu verdammen".

Maximilian Klein, Beauftragter für Internationale Sportpolitik bei Athleten Deutschland, fordert die Prüfung weitreichender Konsequenzen: "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss das IOC dringend weitere Sanktionen gegen Belarus prüfen." Laut Klein kämen auch "ein Ausschluss des belarussischen Regimes vom internationalen Sportsystem und eine Suspendierung des belarussischen Nationalen Olympischen Komitees infrage".

Belarussische Athletinnen und Athleten sollten dann weiterhin unter neutraler Flagge starten dürfen und entsprechend geschützt werden, schlug die deutsche Athletenvertretung vor.

Tsimanouskaya laut IOC-Sprecher "sicher"

Die 24-jährige Tsimanouskaya hatte die Nacht zum Montag in einem Hotel am Tokioter Flughafen Haneda verbracht, nachdem sie über die Sozialen Medien die Angst geäußert hatte, gegen ihren Willen zurück nach Belarus gebracht zu werden.

IOC-Sprecher Mark Adams bestätigte am Montagvormittag, Tsimanouskaya sei "sicher", der Ringeorden habe erneut Kontakt zu ihr gehabt und das belarussische NOK aufgefordert, schriftlich zu den Vorwürfen Stellung zu beziehen.

Adams verwies weiter auf die Sanktionen, die im vergangenen Jahr gegen das belarussische NOK verhängt worden waren. Staatschef Alexander Lukaschenko musste sein Amt als NOK-Vorsitzender abgeben, seinem Sohn Wiktor verweigerte das IOC die Anerkennung als dessen Nachfolger. Die finanziellen Zuwendungen wurden ausgesetzt, ebenso die Gespräche über IOC-Veranstaltungen in Belarus.

Auslöser der Affäre um Tsimanouskaya, die für Montag in der Startliste des 200-m-Vorlaufs bei den Olympischen Spielen stand, war offenbar ein mittlerweile gelöschtes Video, das Tsimanouskaya bei Instagram gepostet hatte. Darin kritisierte sie den belarussischen Leichtathletikverband.

Tsimanouskaya gab an, sie sei gezwungen worden, am 4x400-Rennen teilzunehmen, weil der Verband nicht die Anzahl ausreichender Dopingkontrollen für die Athletinnen gewährleistet habe, die für die Staffel vorgesehen waren.