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Schneider, Werth und Bredow-Werndl brillieren in Tokio

GOLD! Dressur-Trio eine Klasse für sich

27.07.2021 15:22

Die überragende Dressur-Equipe hat die zweite Goldmedaille für das deutsche Olympia-Team geholt. Aber schon am Mittwoch werden aus den strahlenden Teamkolleginnen die schärfsten Konkurrentinnen.

Nach der nächsten Sternstunde von Dressur-Königin Isabell Werth fiel Bundestrainerin Monica Theodorescu nur noch eine angemessene Würdigung ein - und so verneigte sie sich vor der erfolgreichsten Reiterin der olympischen Geschichte.

"Sieben Goldmedaillen, über die ganze Zeit immer wieder - großer Respekt", sagte Theodorescu nach dem überlegenen Erfolg im Teamwettbewerb. Werth mit ihrer grazilen Traumstute Bella Rose, Dorothee Schneider mit dem mächtigen Showtime und Schlussreiterin Jessica von Bredow-Werndl auf der eleganten Tänzerin Dalera ließen keinen Zweifel an ihrer Favoritenrolle aufkommen. Überlegen siegten sie vor den USA und Großbritannien.

"Ich bin total happy über Bella", lobte Werth ihr Herzenspferd, das nach jahrelanger Verletzungspause erst 2018 in den Sport zurückkehrte und am Dienstag fulminante 83,298 Prozentpunkte einsammelte - auch wenn die erfolgreichste Reiterin der olympischen Geschichte das noch zu niedrig fand: "Sie ging fantastisch. Alleine die drei Piaffen könnten besser nicht sein."

Noch emotionaler war der Abend für Schneider. Im April hatte sie eine wahre Horrorszene erlebt, als ihre Stute Rock'n'Rose in Pforzheim bei der Siegerehrung plötzlich zusammenbrach und starb. Schneider brach sich bei dem Sturz das Schlüsselbein und musste um die Olympia-Teilnahme bangen.

"Es ist unglaublich, dass es auf diesem kurzen Weg noch geklappt hat. Ich bin überwältigt", sagte die sichtlich gerührte 52-Jährige, die sich auf dem kraftvollen Showtime nur zwei kleinere Wackler leistete. Auch Werth verneigte sich vor diesem Comeback: "Chapeau, wie sie das weggesteckt hat."

Psychospiele sind eröffnet

Und während sich Jessica von Bredow-Werndl noch wunderte, dass so eine Goldmedaille "ganz schön schwer sei", eröffnete Werth schon die Psychospielchen vor dem nächsten großen Showdown.

"Jessi hat die Nase ganz weit vorne", sagte Werth und blickte mit einem selbstbewussten Grinsen zu Dorothee Schneider: "Und dann wollen wir beide und sicher auch andere gucken, wie weit wir sie ärgern können."

Denn nach der Machtdemonstration allererster Güte als Mannschaft, einem zauberhaften Formationsflug zum 14. Team-Gold seit 1928, rückte sofort der Kampf ums Einzel-Gold in den Fokus.

Werth scherzt: "Brauche erst einmal noch einen Drink"

Viel Zeit zum Feiern blieb deshalb gar nicht. Nach ihren begnadeten Tänzen im Grand Prix Special werden die drei deutschen Gold-Reiterinnen schon am Mittwoch (ab 10:30 Uhr MESZ/Eurosport und ZDF) in der Kür zu schärfsten Konkurrentinnen - vor allem der Zweikampf zwischen Werth mit ihrer grazilen Traumstute Bella Rose und Olympia-Debütantin von Bredow-Werndl mit der eleganten Tänzerin Dalera verspricht Hochspannung pur.

"Es ist ein Desaster. Ich brauche jetzt erstmal noch einen Drink", scherzte Werth auf die Frage, wie es sich anfühle, ausnahmsweise mal nicht die Nummer eins im deutschen Team zu sein. Denn auch am Dienstag zauberte von Bredow-Werndl den besten Special aufs Viereck - wie schon so oft in den vergangenen Wochen verwies sie die erfolgsverwöhnte Teamkollegin in die Schranken.

An Motivation mangelt es Werth aber freilich nicht. Mit einem Sieg am Mittwoch würde sie in der Liste der erfolgreichsten deutschen Olympia-Teilnehmer zu Spitzenreiterin Birgit Fischer (Kanu) aufschließen. "Wir wollen nicht zu sehr auf die Sahne hauen", mahnte sie jedoch: "Ich warne davor zu denken, dass das immer so weitergeht."

Bredow-Werndl: "Ich mache mir nicht mehr Druck als heute"

Doch es ist niemand in Sicht, der die deutschen Paradereiterinnen stoppen könnte. Auch Werth mit Bella Rose und Schneider mit dem mächtigen Showtime erwischten am Dienstag einen Sahnetag, die deutsche Equipe siegte überlegen vor den USA und Großbritannien.

"Alle haben zelebriert, das war große Klasse", lobte Monica Theodorescu: "Ich habe es wirklich genossen." Eine Prognose für die Kür wollte sie nicht abgeben.

"Neuer Tag, neues Glück", sagte von Bredow-Werndl nur: "Ich mache mir nicht mehr Druck als heute." Und da konnte sie sogar verschmerzen, dass Dalera vor den Einerwechseln aufs Viereck äpfelte. "Shit happens", scherzte die 35-Jährige aus Aubenhausen, die bei der Siegerehrung auch beinahe noch rückwärts vom Podium gestolpert wäre: "Aber der Shit war nicht so schlimm."


Dressur, Team (Grand Prix Special):

Gold: Deutschland (Jessica von Bredow-Werndl/Aubenhausen mit Dalera, Dorothee Schneider/Framersheim mit Showtime, Isabell Werth/Rheinberg mit Bella Rose) 8178,0 Punkte

Silber: USA (Adrienne Lyle mit Salvino, Steffen Peters mit Suppenkasper, Sabine Schut-Kery mit Sanceo) 7747,0

Bronze: Großbritannien (Carl Hester mit En Vogue, Charlotte Fry mit Everdale, Charlotte Dujardin mit Gio) 7723,0,

4. Dänemark (Merrald, Kruth, Dufour) 7540,0, 5. Niederlande (van Baalen, Minderhoud, Gal) 7479,5, 6. Schweden (Ramel, Ramel, Nilshagen) 7210,0, 7. Spanien (Jurado Lopez, Garcia Mena, Ferrer-Salat) 7198,5, 8. Portugal (Caetano, Torrao, Torres) 6965,5

Dressur Mannschaft 2020

1DeutschlandDeutschland8178000
2USAUSA7747000
3GroßbritannienGroßbritannien7723000
4DänemarkDänemark7540000
5NiederlandeNiederlande7479500
6SchwedenSchweden7210000
7SpanienSpanien7198500
8PortugalPortugal6965500