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"Ein bis zwei Herzschläge" entschieden den Start

Darum verlor Hamilton den Start des Sprintrennens

27.07.2021 10:34
Lewis Hamilton fiel im Sprint Race auf Platz zwei zurück
© Phil Duncan via www.imago-images.de
Lewis Hamilton fiel im Sprint Race auf Platz zwei zurück

Er hatte die Bestzeit im Qualifying erobert und damit Startplatz eins für das Sprintqualifying in Silverstone. Den Start aber verlor Lewis Hamilton gegen Max Verstappen - die entscheidende Szene im ersten Sprintrennen der Formel 1.

Warum aber ist es Hamilton nicht gelungen, P1 gegen Verstappen zu verteidigen? Das erklärt nun Mercedes-Technikchef James Allison.

In einem Videobeitrag des Formel-1-Teams schildert der Brite den komplizierten Startvorgang und verweist auf die Reifentemperatur, die im Fall von Hamilton nicht ganz dem Wunschszenario entsprochen habe.

"Generell versucht man, vor dem Start eine etwas höhere Temperatur in seine Reifen zu kriegen als man sie beim eigentlichen Start benötigt", sagt Allison. "Denn du stehst ja noch einige Sekunden in der Startaufstellung, bis das Feld komplett formiert ist. Und während du stehst, kühlen deine Reifen ab."

"Damit man es optimal erwischt, absolviert man eine Reihe von Burnouts. So erhalten die Reifen diese leicht überhöhte Temperatur. Dann hältst du auf deiner Startposition an und die Reifen kühlen ab. Ihre Idealtemperatur erreichen die Reifen dann genau zum Ampelsignal."

Theorie und Praxis klafften bei Hamilton auseinander

So weit die Theorie. In der Praxis aber habe das für Hamilton nicht ideal funktioniert: "Lewis hat zwar viele Burnouts gemacht und die Temperatur damit nach oben gebracht, aber höher, als wir das empfohlen hatten."

Das sei aber kein Problem gewesen, weil die Reifen dann "ausreichend abgekühlt" waren, bis das letzte Fahrzeug seinen Platz in der Startaufstellung eingenommen habe, meint Allison. Aber: "Die Temperatur lag dann sogar leicht unter der Zieltemperatur, die wir angepeilt hatten. Die Reifen waren deshalb etwas zu kühl."

Letzteres sei der Grund, weshalb Hamilton im Vergleich zu Verstappen weniger gut losgekommen sei. Aufgrund der zu kühlen Reifen habe Hamilton "keinen perfekten Grip", sondern durchdrehende Räder gehabt, obwohl er den Schleifpunkt der Kupplung "perfekt erwischt" hatte, so Allison.

"Winzig kleiner Fehler" kostete Hamilton die Führung

Wheelspin auf den ersten Metern irritiere einen Rennfahrer, erklärt er weiter. "Denn wenn die Räder durchdrehen, beschleunigt das Auto nicht. Lewis hat dann die Kupplung etwas länger als üblich am Schleifpunkt gehalten, um ein bis zwei Herzschläge zu lang."

"Er glaubte nämlich: Würde er die gesamte Motorleistung drauf loslassen, würden die Räder nur weiter durchdrehen. Indem er aber weiter die Kupplung im Spiel hielt, kam zu wenig Leistung durch den Antrieb und er wurde überholt."

Mercedes' Technischer Direktor bezeichnet das als einen "winzig kleinen Fehler", der dadurch entstanden sei, "dass wir die Temperatur für den Start falsch antizipiert hatten". Denn das habe unterm Strich die durchdrehenden Räder verursacht.

Mercedes will Startvorgang optimieren

Das zeige einmal mehr, wie schwierig es sei, die Fahrzeugleistung beim Start auf den Punkt zu bringen. Er nehme daher für sich als Hausaufgabe mit, mehr Toleranzen in die Abläufe einzubauen, sagt Allison.

"Wahrscheinlich müssen wir jeden einzelnen Schritt noch einmal robuster gestalten, dass man ein bisschen daneben liegen kann, es aber keinen großen Unterschied macht. Dass man nicht direkt vor einem Abhang steht und runterstürzt, wenn man es nicht perfekt erwischt."

Doch neu ist diese Aufgabe nicht, betont Allison: "Wir versuchen das schon seit Jahren umzusetzen. Unser System ist aber noch nicht perfekt. Das wird es auch nie sein. Wir versuchen nur immer, es ein Stückchen besser zu machen."