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Wie Apetz bei Olympia deutsche Box-Geschichte schreibt

22.07.2021 11:37
Nadine Apetz tritt bei Olympia an
© Kevin Domas via www.imago-images.de
Nadine Apetz tritt bei Olympia an

Als erste deutsche Olympia-Boxerin will Nadine Apetz in Tokio vor allem den weiblichen Nachwuchs begeistern. Mit ästhetischem Boxen - und hoffentlich einer Medaille.

Sie wird in Tokio ein kleines Stück deutsche Olympia-Geschichte schreiben, doch so ganz glauben kann es Nadine Apetz noch nicht. "Dass ich die erste deutsche Boxerin bei Olympia bin und dass das irgendwann in irgendwelchen Büchern steht, ist bei mir noch nicht richtig durchgesickert", sagte die Kölnerin dem "SID". Es fühle sich wie ein Traum an, "erst wenn ich in den Ring steige, wird das Ganze für mich real".

Seit 2012 ist das Frauen-Boxen olympisch, doch eine deutsche Faustkämpferin hat es weder nach London noch vier Jahre später nach Rio de Janeiro geschafft. Apetz ist die erste - und das gibt der 35-Jährigen zusätzliche Motivation für die anvisierte Medaille im Weltergewicht (bis 69 kg), das am Samstag beginnt.

"Auch deshalb möchte ich eine gute Leistung abliefern und Deutschland stolz machen", sagt sie. Und das nicht irgendwie. "Ich möchte schönes Boxen zeigen und mit dem Vorurteil aufräumen, der Boxsport sei nur roh und brutal", so die zweimalige WM-Dritte. Damit wolle sie Mädchen und deren Eltern ansprechen, "denn weiblichen Box-Nachwuchs brauchen wir ganz dringend".

Sie selbst ist erst spät und durch Zufall zum Boxen gekommen. Nachdem der Reitsport und die Leichtathletik sie nicht glücklich gemacht hatten, kam sie während des Studiums (Biologie und Neurowissenschaften) durch eine AG mit dem Boxen in Berührung. Apetz bewies großes Talent, doch für den Leistungssport war zunächst keine Zeit.

Für ihre Masterarbeit und anschließende Promotion zog Apetz nach Australien. Drei Jahre blieb sie dort, flog aber für die deutschen Meisterschaften immer heim. "Alle drei Jahre habe ich den Titel gewonnen und bin wieder abgehauen", berichtet Apetz. Das fühlte sich falsch an. Und so beschloss sie, in Australien ihre Zelte abzubrechen und eine späte Karriere als Leistungssportlerin zu starten.

Apetz hält Medaille für möglich

Diese schien ein schnelles Ende zu finden, als Apetz in der Gewichtsklasse bis 75 kg das Olympia-Ticket für Rio verpasste. Doch für Tokio wurde das Weltergewicht bei den Frauen eingeführt - und Apetz war wieder Feuer und Flamme. Anfangs machte sie ihre neue Doktorarbeit mit dem Titel "Die tiefe Hirnstimulation bei Parkinson im Alter" noch nebenher, seit anderthalb Jahren schuftet Apetz nur noch für das eine Ziel: Olympia.

Dort will sie nicht nur als erste deutsche Boxerin dabei sein, sondern auch das Podest stürmen. "Ich habe bei der Qualifikation eine gute Leistung abgeliefert, auch die Sparrings waren gut. Wenn mir mein Kopf keinen Strich durch die Rechnung macht, ist eine Medaille drin", meint Apetz.

Sie freut sich auch auch auf das ganze Drumherum - trotz der strengen Corona-Maßnahmen. "Ich hoffe nicht, dass sich alle in ihren Häusern verbunkern", sagt sie, "sondern dass man auch ins Gespräch kommt." Nadine Apetz hat selbst eine interessante Geschichte zu erzählen. Nach Olympia noch mehr.

Neben Apetz gehen für den Deutschen Boxsportverband in Tokio auch Hamsat Shadalov (bis 57 kg) und Ammar Riad Abduljabbar (bis 91 kg) an den Start.