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Rio-Held Toba will bei Olympia einfach nur turnen

21.07.2021 12:52
Andreas Toba startet zum dritten Mal bei Olympia
© Schreyer via www.imago-images.de
Andreas Toba startet zum dritten Mal bei Olympia

Der "Hero de Janeiro" nimmt fünf Jahre später in Tokio einen neuen olympischen Anlauf. Diesmal aber möchte Andreas Toba in erster Linie als Athlet wahrgenommen werden.

Vom "Hero" zum "Normalo": Wenn Andreas Toba am Samstag in Tokio zum dritten Mal das olympische Turnpodium betritt, hat er nach fünf Jahren wieder zu seinen Wurzeln zurückgefunden. Zwar hat seine Heldenrolle bei den Spielen von Rio de Janeiro 2016 den Hannoveraner ins gleißende Rampenlicht gezerrt, geblendet hat ihn das aber nie.

Rote Teppiche, Galas, Empfänge, gekrönt mit dem Publikums-Bambi - für den mittlerweile 30-Jährigen alles lediglich eine interessante Abwechslung des Alltags, mehr nicht. Toba hatte in Rio im Mannschafts-Wettbewerb am Boden einen Kreuzbandriss erlitten, dennoch holte er für die deutsche Riege am Pauschenpferd noch wichtige Punkte. Das Team qualifizierte sich für das Finale, das dann ohne Toba stattfand.

"Ich wollte einfach nur meinen Kameraden helfen", betont der Niedersachse mit rumänischen Wurzeln bis heute immer wieder. Toba ist alles andere als ein Selbstdarsteller, für das Quartett des Deutschen Bundes war er aber nicht nur in der japanischen Hauptstadt als solider Punktesammler unverzichtbar. Sein langjähriger Cheftrainer Andreas Hirsch brachte es so auf den Punkt: "Andis bestes Gerät ist der Mehrkampf."

Toba verzweifelte zu Beginn der Corona-Pandemie

Umso glücklicher war Toba nach seinem zweiten Platz bei den Europameisterschaften Ende April in Basel am Reck, seine erste internationale Medaille: "Es war der schönste Moment meines Turner-Lebens und auch eine Genugtuung." Denn seine Leidenszeit war nach dem Kreuzbandriss 2016 noch längst nicht beendet. Drei Operationen und eine weitere längere Zwangspause setzten ihn fast drei Jahre lang außer Gefecht.

Und als sich dann 2020 die Corona-Pandemie entwickelte, war Toba kurz vorm Verzweifeln. "Die erste Woche habe ich nur rumgelegen. Als Training wieder möglich war, habe ich mich gefühlt wie der erste Mensch, der jemals geturnt hat", erinnert sich der Athlet, dessen Vater Marius 1988, 1996 und 2000 als Kunstturner bei Olympia startete.

Trainiert hat Toba senior seinen Sohn allerdings nur kurz, schnell wurde klar, dass dieses Konstrukt auf Dauer nicht funktioniert: "Mein Vater hat das Turnen immer mit nach Hause genommen, und da haben wir uns schnell in die Haare gekriegt."

Weit harmonischer ist die häusliche Zweisamkeit mit Daniela Potapova, die als Rhythmische Sportgymnastin ihre Karriere nach Olympia 2016 in Rio mit einem zehnten Platz im Gruppen-Wettbewerb beendete. Sie versteht die Sorgen und Nöte eines Leistungssportlers, was Toba ausdrücklich zu schätzen weiß: "Das ist mein großes Glück. Anders würde es wohl nicht funktionieren."