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Nächste Etappensieg und das Berg-Trikot

Pogacar dominiert erneut: "Ich lebe in einer anderen Welt"

15.07.2021 20:06
Tadej Pogacar holt nächsten Etappensieg bei der Tour de France
© Jan De Meuleneir via www.imago-images.de
Tadej Pogacar holt nächsten Etappensieg bei der Tour de France

Der slowenische Radprofi Tadej Pogacar steht bei der 108. Tour de France kurz vor der erfolgreichen Titelverteidigung.

Auf der von einer Doping-Razzia überschatteten letzten Pyrenäen-Etappe hat Titelverteidiger Tadej Pogacar mit seinem nächsten Meisterstück den Weg zum erneuten Tour-Triumph geebnet.

Das erst 22 Jahre alte Radsport-Wunderkind feierte seinen dritten Tageserfolg und agierte beim letzten Kletter-Showdown über den berüchtigten Col du Tourmalet nach Luz Ardiden genauso explosiv wie am Mittwoch bei seinem Sieg auf der Königsetappe.

"Ich lebe in einer anderen Welt, gerade. Ich habe eine weitere Tour-Etappe in Gelb gewonnen. Ich lebe ein Leben, das ich mir nicht erträumen konnte", sagte Pogacar: "Es ist unglaublich und schon etwas verrückt."

Der Kapitän vom Team UAE Emirates vergrößerte am Donnerstag vor den Augen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron seinen (sowieso schon) riesigen Vorsprung nochmal um sechs Sekunden auf 5:45 Minuten.

Nur ein Wunder im Zeitfahren am Samstag oder ein Sturz könnten Pogacar noch von einer erneuten Triumphfahrt am Sonntag auf den Champs-Elysees abhalten. Der Träger des Gelben Trikots und neuer Träger des Bergtrikots wirkt weiter unantastbar.

Tour de France 2021: Podium bereits komplett vergeben?

In der vergangenen Woche hatte Pogacar seine Konkurrenz bereits bei der Regenschlacht in den Alpen und am Mont Ventoux dominiert und teilweise sogar düpiert. Pogacars Verfolger, der junge Däne Jonas Vingegaard (Jumbo-Visma) und der Ecuadorianer Richard Carapaz (Ineos), die Pogacar am Mittwoch im Schlusssprint am Gipfel des Col du Portet mit Leichtigkeit hatte stehen lassen, dürften zumindest ihren Platz auf dem Podium am Sonntag in Paris sicher haben.

Für ein mittelschweres Erdbeben hatte vor der Etappe eine Polizei-Razzia gesorgt. Die französischen Behörden hatten wegen Doping-Verdachts bereits am Mittwochabend das Hotel des bislang stärksten Tour-Teams Bahrain Victorious in Pau durchsucht. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Marseille am Donnerstag mit.

Es sei bereits am 3. Juli eine Voruntersuchung wegen des möglichen "Erwerbs, des Transports, des Besitzes und der Einfuhr einer verbotenen Substanz oder Methode zur Verwendung durch einen Athleten ohne medizinische Rechtfertigung" eingeleitet worden, hieß es in einem Statement der Staatsanwaltschaft. Das Verfahren werde fortgesetzt, um die Hintergründe zu untersuchen.

Bahrain bestätigte den Sachverhalt, fügte aber hinzu, dass die Gründe für die Durchsuchung unbekannt seien. Das Team habe sich "zu höchster Professionalität und zur Einhaltung aller Vorschriften verpflichtet" und werde immer "auf professionelle Art und Weise kooperieren", hieß es in einer Mitteilung.

Die letzte Polizei-Razzia hatte es erst kurz nach Ende der 107. Großen Schleife im vergangenen Jahr beim Team Arkea-Samsic um den kolumbianischen Radstar Nairo Quintana (Kolumbien) gegeben - mit Bruder Dayer Quintana im Blickpunkt. Außerdem ein Arzt und ein Physiotherapeut. Bislang ohne Ergebnis.

Tadej Pogacar schockt erneut die Konkurrenz

Für das sportliche Highlight sorgte Pogacar dann auf dem 129,7 km "kurzen", aber nochmal extrem fordernden letzten Pyrenäen-Abschnitt. Erst wurde Lokalmatador David Gaudu im Anstieg nach Luz Ardiden geschluckt, dann schockte Pogacar erneut die Konkurrenz.

3,3 km vor dem Gipfel ging der Dominator zum ersten Mal aus dem Sattel und zog das Tempo massiv an. Die Attacke des Spaniers Enric Mas konterte er 500 m vor der Ziellinie und sprintete seinen weiteren Konkurrenten Vingegaard und Carapaz in Manier eines ganz Großen davon.

Nach den harten Pyrenäen-Etappen kommen am Freitag ein letztes Mal vor Paris wieder die Sprinter um Mark Cavendish zum Zug.