powered by powered by N-TV
Heute Live
sport.de - powered by powered by N-TV

"Eine unglaubliche Reise, die hier nicht aufhört"

Djokovic triumphiert erneut in Wimbledon - und will mehr

11.07.2021 20:57
© Shutterstock via www.imago-images.de

Novak Djokovic hat in Wimbledon seinen 20. Grand-Slam-Titel gefeiert und mit den Rekordhaltern Roger Federer und Rafael Nadal gleichgezogen. Damit setzt er aber erst zum Griff nach den Sternen an.

Wie vom Blitz getroffen sank Novak Djokovic in diesem Moment für die Tennis-Geschichtsbücher auf den heiligen Rasen und streckte erleichtert alle Viere von sich.

Auf seiner furiosen Rekordjagd hat der Serbe in Wimbledon einen historischen Meilenstein erreicht, mit seinem 20. Grand-Slam-Titel stürmte er auf die oberste Stufe der ewigen Bestenliste und zog mit seinen großen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal gleich.

Und als er dem edlen Challenge Cup ein inniges Küsschen gab, nahm er auch den Golden Slam endgültig ins Visier.

Novak Djokovic über seine "unglaubliche Reise"

"Die vergangenen zehn Jahre waren eine unglaubliche Reise, die hier nicht aufhört", sagte Djokovic nach dem 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 gegen den Finaldebütanten Matteo Berrettini, der als erster Italiener überhaupt im Wimbledon-Endspiel stand: "Ein siebenjähriger Junge in Serbien hat einst mit improvisierten Materialien eine Wimbledon-Trophäe gebaut. Und jetzt steht er hier mit seinem sechsten Titel."

Der Weltranglistenerste würdigte nach seinem dritten Sieg in Folge beim Rasen-Klassiker aber auch Federer und Nadal, die ihn auf seiner Rekordjagd antreiben. "Sie sind Legenden unseres Sports", sagte der 34-Jährige: "Sie sind der Grund, warum ich überhaupt an diesem Punkt bin."

Und nach dem besten Saisonstart seit 52 Jahren ist für ihn auf einmal sogar scheinbar Unerreichbares greifbar nah.

Winkt Novak Djokovic jetzt sogar der Golden Slam?

Seit der australischen Ikone Rod Laver 1969 war es keinem Spieler mehr gelungen, die ersten drei Major-Turniere eines Jahres für sich zu entscheiden.

Mit einem Sieg bei den US Open kann Djokovic wie damals Laver den legendären Grand Slam perfekt machen. "Ich werde es versuchen. Ich bin in großartiger Form", sagte er.

Und mit Olympia-Gold ist sogar der Golden Slam wie einst 1988 bei Steffi Graf drin - ob er aufgrund der Restriktionen und des Zuschauer-Ausschlusses nach Tokio reisen werde, habe er aber noch nicht endgültig entschieden.

Die Erfahrung sprach in seinem 30. Major-Endspiel ganz klar für Djokovic - und doch schien die Aussicht auf den historischen Titelgewinn selbst Mental-Monster Djokovic anfangs zu beeinflussen. Mit einem Doppelfehler startete der Topfavorit in sein siebtes Wimbledon-Endspiel, zwei weitere sollten schnell folgen.

Publikum in Wimbledon wittert die Sensation

Aber sein Gegenüber war nicht weniger wackelig, Berrettini war der Druck deutlich anzumerken. Schließlich waren die Augen seines ganzen Heimatlandes nach London gerichtet - Berrettini sollte die passende Ouvertüre für das EM-Finale der Fußballer am Abend im Wembley-Stadion gegen England liefern.

Nur langsam schraubten beide Spieler vor 15.000 Zuschauern ihre Fehlerquote nach unten. Mit seinem krachenden Aufschlag und der starken Vorhand kam Berrettini immer besser ins Match - und drehte den ersten Satz damit noch nach 2:5-Rückstand. Und das Publikum witterte die Sensation.

An diesem geschichtsträchtigen Tag sorgten auch die Organisatoren in Wimbledon für ein (längst überfälliges) Novum. Als erste Frau überhaupt leitete die kroatische Schiedsrichterin Marija Cicak das Herrenfinale im All England Club.

Und wie Herzogin Kate in der Royal Box sah sie, dass sich Djokovic vom Rückstand nicht beeindrucken ließ. Er legte zwei schnelle Breaks vor und wehrte diesmal auch das erneute Aufbäumen Berrettinis souverän ab.

Novak Djokovic beeindruckend nervenstark

Und der Serbe bewies eindrucksvoll, warum er als bester Returnspieler der Welt gilt, Berrettini gab auch im dritten Satz früh den Aufschlag ab.

Mit entschlossenem Blick tippte sich der "Djoker" an die Schläfe - vor allem dank seiner beeindruckenden mentalen Stärke jagt er von Rekord zu Rekord und holte sich die vorentscheidende 2:1-Satzführung.

Angefeuert von den Fans kämpfte Berrettini weiter unermüdlich, mit tollen Ballwechseln rissen die Kontrahenten das Publikum von den Sitzen. Doch das Momentum konnte er Djokovic nicht mehr entreißen.