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Isabell Sabellek im Exklusivinterview

Ninja-Liga-Mitgründerin: "In der Show ist es nie einfacher"

14.07.2021 08:55
Lukas Dauenheimer startete beim "Best of the Rest"-Event der European Ninja League
© Mirko Künstler
Lukas Dauenheimer startete beim "Best of the Rest"-Event der European Ninja League

Während viele Ninjas in den vergangenen Wochen bei den Aufzeichnungen von Staffel 6 um den Titel bei Ninja Warrior Germany kämpften, haben andere keine Einladung zur Show bekommen. Was machen eigentlich die Athlet:innen, die nicht teilnehmen dürfen? Und was machen die Teilnehmenden in all den Monaten, in denen keine Show produziert wird?

Die Ninja-Athletin und Allstars-Teilnehmerin Isabell Sabellek weiß nicht nur Antworten, sondern schafft sie selbst. Mit ihren Geschäftspartnern Mirko Künstler und Florian Schiffer hat sie 2019 die European Ninja League gegründet und unter anderem parallel zur Ninja-Warrior-Aufzeichnung ein "Best of the Rest"-Event für diejenigen organisiert, die dieses Jahr nicht in der Show antreten.

Im exklusiven sport.de-Interview verrät die 35-Jährige, die selbst auch in Staffel 6 wieder dabei ist, außerdem, wie Absagen in der Community aufgenommen wurden, ob die Events ein Gradmesser für die TV-Shows sind und welche Pläne sie mit der ersten deutschen Ninja-Liga hat.

Isa, du bist in der neuen Staffel dabei, viele andere aber haben eine Absage bekommen. Wie enttäuscht ist man dann?

Man muss immer beachten, dass Ninja Warrior Germany eine TV-Show ist, die zur Prime Time bei RTL läuft. Da geht es viel um Unterhaltung, es ist ja kein reines Sport-Event. Für mich persönlich wäre es natürlich ein bisschen schade gewesen, aber auch nicht schlimm, weil wir ja noch unsere Liga haben.

Für viele, die nicht dabei sind, ist es schon ärgerlich. Manche nehmen das schon richtig persönlich, wenn sie eine Absage kriegen. Ich denke mir in solchen Situationen immer, dass sich schon eine andere Tür öffnet, wenn sich eine Tür schließt. Und genau so ist auch das "Best of the Rest"-Event entstanden, das wir veranstaltet haben.

Wie kam es zum "Best of the Rest"-Event?

Marcel Kaeding, der Inhaber vom "Ninja Spirit", hatte ja auch eine Absage bekommen. Er fand das auch schade, dass er nicht dabei ist, obwohl er sich in der Szene viel einsetzt. Und dann dachten wir, dass es doch cool wäre, wenn es ein Event exklusiv für die Leute gäbe, die eine Absage bekommen haben. Dann haben wir einen Abend lang telefoniert und das Event geplant. Ende Juni war es soweit und da waren auch viele bekannte Gesichter dabei, wie zum Beispiel Marius Bender, "Fire Ninja" Michael Schuster, Lukas Dauenheimer oder Natnael Olbrich, die alle in der 5. Staffel dabei waren. Marius war in diesem Jahr auch bei den Allstars dabei.

Es war also mehr als ein Trostpflaster?

Natürlich war es ein Ersatz-Event, aber es war immerhin ein Event, das nur für diese Athleten geschaffen war. Wir haben viele Nachrichten bekommen und wurden in Insta-Stories verlinkt, wo stand: "Leider hat's nicht für die Show gereicht, aber ich bin bei der European Ninja League dabei!" Sie freuen sich halt auch, dass die ganze Vorbereitung auf die Show nicht umsonst war. Das war tatsächlich sehr schön zu sehen.

Es ist auch einfach cool, dass sich die Leute wiedersehen und eine gute Zeit miteinander haben können. Sie können sich austauschen, sie trainieren nach dem offiziellen Teil noch miteinander und probieren Dinge aus – und das ist super viel wert. Man hilft sich, feuert sich an, gibt Tipps noch während jemand im Hindernis ist. Und das macht den Sport aus, so funktioniert die Community: Wenn ich besser in einem Hindernis bin, zeige ich dir, wie es funktioniert.

Ist euer Parcours rein sportlich ein guter Gradmesser für die Show?

Wir haben versucht, einen Parcours zu gestalten, der für alle machbar ist. Auch Leute, die in der Show wahrscheinlich am zweiten Hindernis gegangen wären, sollten bei uns Spaß haben. Das Finale haben wir aber dann so angelegt, dass es von der Schwierigkeit her ans Show-Niveau herankommt. Das war dann ein krasser Sprung.


Mehr dazu: Ihr wollt loslegen? Ninja Christian Balkheimer erklärt die Hindernisse im Video


Es war zum Beispiel auch jemand dabei, der sich vorher total überschätzt hat. Danach hat er zu mir gesagt: "Eigentlich war es gut, dass ich eine Absage bekommen habe und bei euch war, weil ich jetzt meinen Leistungsstand kenne!" In der Show ist es nie einfacher, weil das ganze Drumherum dort ja noch hinzukommt. Auch die Hindernisse sind da natürlich nicht leichter als bei uns.

Was sind generell die Unterschiede zwischen solchen Wettkämpfen und der TV-Show?

Du hast nicht das ganze Drumherum wie bei einer TV-Show, keine Kameras, musst nicht in die Greenbox und eine Kampfansage aufnehmen. Das ist alles ganz anders getaktet bei der Aufzeichnung. Und natürlich können wir ohne großen Sponsor aktuell auch noch keine krassen Preisgelder zahlen.

Man ist definitiv weniger aufgeregt auf solchen Events. Klar, man will auch da keinen blöden Patzer machen, aber natürlich ist es besser, wenn man da patzt, als wenn es in der Show passiert. Persönlich sehe ich es aber eh nicht so verbissen: Wettkämpfe sind cool, vor allem weil man da die Leute trifft, aber nicht, weil ich sie unbedingt gewinnen muss. Für mich ist eher das Training die Challenge, neue Hindernisse zu lernen und mehrere Hindernisse hintereinander zu machen.

Nichtsdestotrotz veranstaltest du nicht nur einzelne Events mit, sondern hast auch die European Ninja League mitgegründet. Wie funktioniert die Liga?

In Deutschland sind wir die einzige Liga, wir veranstalten Events europaweit. Man kann bei jedem Wettkampf Punkte sammeln und am Ende nehmen die 50 punktbesten Männer und Frauen jeweils am großen Finale teil. Man muss also nicht bei jedem Event starten. Wenn man ein paar Mal gut abgeschnitten hat, ist man eigentlich schon ziemlich sicher im Finale.

Unser Ziel ist es, ein punkterelevantes Event pro Monat zu haben. Die Events sind bewusst an unterschiedlichen Locations, weil wir möglichst viele Athleten erreichen wollen. Natürlich kann uns nicht jeder hinterherreisen, aber wir haben so ein paar Verrückte, die immer aus Russland anreisen.

Welche Leute nehmen generell teil? Kennt man viele von ihnen aus den TV-Shows?

Das ist wirklich komplett gemischt. Wir haben Rookies dabei, die noch nie etwas mit Ninja am Hut hatten. Es sind aber auch Leute wie Lukas Kilian, Christian Balkheimer, Sladjan Djulabic und Max Sprenger. Aber auch Arleen Schüßler und Benni Sigmund oder Christian Kirstges machen gern mit. Sie haben einfach Bock, sich damit auf die Show vorzubereiten und das Ganze auch als Showersatz zu machen, wenn gerade nicht aufgezeichnet wird.

Da müssen wir natürlich das Niveau im Parcours auch entsprechend anpassen, wo dann der einzelne Rookie auch vielleicht mal Pech hat. Aber unser Ziel ist es, irgendwann Amateur- und Profiliga zu splitten, sodass die Leute, die gerade in den Sport reinkommen, in einer eigenen Liga starten können. Und vielleicht kommen wir irgendwann dahin, dass die Profis Sponsoren haben, keine Startgelder bezahlen müssen und einfach dafür bezahlt werden, diesen Sport auszuüben. Davon sind wir noch weit weg, aber ich finde es nicht abwegig, dass es sich dahin entwickelt.

Die Liga gibt es seit 2019. Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf den Betrieb?

Nach unserer ersten Saison wollten wir am Ende ein Großevent in München machen, das musste schon ausfallen. Im September 2020 hatten wir das Opening Event in Köln für die nächste Saison und mussten im Oktober das nächste Event wieder absagen – dann kam der Lockdown, bis es Mitte Juni weiterging. Wir haben dann gesagt, dass es keinen Sinn ergibt, diese zweite Saison aufrechtzuerhalten und starten jetzt schon in die dritte Saison.

Wir planen auf jeden Fall schon weitere Events und Kinder-Feriencamps, aber es ist natürlich alles unter Vorbehalt, wir müssen immer gucken, wie es mit Corona weitergeht. Wir denken, dass es 2022 erst wieder kalkulierbarer wird.

Das Training war im Shutdown ja für die meisten auch nicht ganz einfach. Wie ist es, wenn man nach so langer Zeit wieder an die Hindernisse geht? Macht man sich Sorgen um Verletzungen?

Klar, die Hallen waren ja neun Monate zu. Man hat ja leider auch schon bei Allstars ein paar Unfälle gesehen, natürlich ist das Verletzungsrisiko nach so einer Pause deutlich höher. Es gibt auch einige Ninjas, die sich in der Vorbereitung auf Staffel 6 ordentlich verletzt haben.

Wenn du nur gewisse Sachen trainieren kannst und dann wieder Vollgas in die Hindernisse reinbretterst, ist der Impact ein komplett anderer und dann bleiben halt Verletzungen nicht aus. Auch weil man vielleicht übermütig ist, weil man weiß, dass man es vorm Lockdown ja konnte. Und dann macht man leichtsinnige Fehler und verletzt sich.

Blicken wir abschließend zurück: Heute bist du Geschäftsführerin einer Ninja-Liga und veranstaltest mit deinen Geschäftspartnern regelmäßig Events. Wie bist du selbst zu dem Sport gekommen?

Mein Ex ist Schuld! Ich habe ihn vor ein paar Jahren in Miami besucht. Da hat ein Kumpel bei American Ninja Warrior mitgemacht – zufälligerweise genau zu der Zeit in Miami. Wir wollten da bei der Aufzeichnung nur ein bisschen zugucken, wurden aber gefragt, ob wir die Hindernisse testen wollen. Das haben wir natürlich gemacht und als ich auf diesen Wackelpilzen stand, dachte ich erst, ich müsste sterben. Aber der zweite Gedanke war, dass das schon cool ist.

Ich habe aber erstmal nicht weiter darüber nachgedacht und bin irgendwann heimgeflogen. Über eine Calisthenics-Gruppe habe ich dann mitbekommen, dass das TV-Format als Ninja Warrior Germany nach Deutschland kommt und ich habe mich natürlich beworben. Ich bin dann etwas leichtfüßig in Staffel 1 gegangen und dachte mir, es reicht schon, Sport zu machen und fit zu sein. Pustekuchen! Aber es war cool, ich wollte es dann können und war angefixt. Es hat mich direkt gepackt!

Das Gespräch führte Maike Falkenberg