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Halbfinal-Aus gegen die Nummer eins der Welt

Kerbers Traum vom Wimbledon-Triumph geplatzt

08.07.2021 16:05
Angelique Kerber musste sich Ashleigh Barty geschlagen geben
© Rob Prange/Shutterstock via www.imago-images.de
Angelique Kerber musste sich Ashleigh Barty geschlagen geben

Angelique Kerber hat ihre dritte Finalteilnahme in Wimbledon verpasst. In einem hochklassigen Halbfinale verlor sie gegen die Weltranglistenerste Ashleigh Barty.

Als Angelique Kerber nach einem weiteren heroischen Fight unter dem warmen Applaus des begeisterten Publikums den Centre Court verließ, huschte ihr dann doch ein breites Lächeln übers Gesicht.

Ihre fabelhafte Reise in Wimbledon ist zwar vorbei, der Traum vom zweiten Titel auf dem heiligen Rasen nach 2018 ist geplatzt - doch schnell überwog der Stolz auf ihre bärenstarke Turnierleistung an ihrem "magischen Ort".

"Ich habe zwar verloren, aber trotzdem nehme ich diese Reise mit", sagte die 33-Jährige nach dem 3:6, 6:7 (3:7) gegen die Weltranglistenerste Ashleigh Barty in einem hochklassigen Halbfinale: "Ich bin unendlich dankbar, dass ich das geschafft habe, weil ich denke, dass die einen oder anderen mich in den letzten Monaten auch abgeschrieben haben. Trotzdem war der Glaube an mich groß, deswegen bin ich sehr stolz auf mich und mein Team."

Ein großes Lob gab es auch von Barty. "Das war eines der besten Matches, das ich je gespielt habe. Angie hat das Beste aus mir herausgeholt", sagte die Australierin: "Das war ein Wahnsinnsmatch vom ersten Ballwechsel an. Ich wusste, dass ich so gut sein muss, um sie zu schlagen." Kerber gestand ein, dass Barty "in den wichtigen Momenten die bessere Spielerin" war, meinte aber: "Es hätte auch anders ausgehen können."

Barty erreichte zum ersten Mal das Finale beim Tennis-Klassiker und trifft am Samstag (15.00 Uhr MESZ/Sky) auf die frühere Weltranglistenerste Karolina Pliskova, die Aryna Sabalenka aus Belarus 5:7, 6:4, 6:4 bezwang. Für die vom Deutschen Sascha Bajin trainierte Tschechin ist es das zweite Grand-Slam-Finale nach den US Open 2016, wo sie gegen Kerber verlor. Durch ihren vierten Halbfinaleinzug in Wimbledon wird Kerber in der kommenden Woche in der Weltrangliste immerhin um sechs Plätze auf Rang 22 klettern.

Barty mit viel Lob für Kerbers Spiel

Schon viermal hatten sich Barty und Kerber zuvor auf der Tour gegenübergestanden, mit ausgeglichener Bilanz gingen sie in ihr erstes Duell auf Rasen. Den letzten Vergleich 2018 in Wuhan hatte die Australierin glatt gewonnen, aber die 25-Jährige ging mit großem Respekt vor der acht Jahre älteren Kerber in die Partie.

"Eine von Angies größten Stärken ist, dass sie rennt, den Ball jagt und in unangenehmen Situation meine aggressiven Schläge und Waffen neutralisieren kann", sagte Barty - doch dass das alleine nicht reichen würde, merkte die Kielerin schnell. Sobald Kerber auch nur ein wenig zu passiv wurde, sah sie gegen Bartys Power und Präzision mit der starken Vorhand kein Land, direkt ihr erstes Aufschlagspiel gab sie ab.

Die deutsche Nummer eins musste selbst die Offensive suchen und sich jeden Punkt hart erkämpfen, weil Barty ihr kaum Geschenke machte. Die Australierin wirkte auch in brenzligen Situationen - gleich vier ihrer fünf Servicegames im ersten Satz gingen über Einstand - einen Tick entschlossener und wehrte alle drei Breakchancen Kerbers ab. Nach 34 Minuten tütete sie den ersten Durchgang mit einem Ass ein.

Görges: "Das ist schöne Werbung fürs Frauentennis"

Wie gefährlich Kerber nach einer ersten Saisonhälfte zum Vergessen auf Rasen immer noch ist, hat sie erst in den vergangenen drei Wochen bewiesen. Mit zehn Siegen in Serie und dem Titel in Bad Homburg ging sie in ihr viertes Halbfinale an der Church Road. Die frühere Nummer eins der Welt fightete und feuerte sich lautstark an, entschärfte Bartys unangenehmen, tiefen Rückhand-Slice gut - und fand mit dem Break zum 2:0 den immens wichtigen Schub für den zweiten Satz.

In einem hochklassigen Match war es nun immer öfter Kerber, die die French-Open-Siegerin von 2019 vor sich hertrieb, mit ihren Emotionen riss sie auch das Publikum auf dem vollbesetzten Centre Court mit. "Beide Spielerinnen haben ein extrem hohes Level", sagte die frühere Halbfinalistin Julia Görges bei "Sky": "Das ist schöne Werbung fürs Frauentennis."

Das Momentum war klar auf Kerbers Seite - bis sie zum Satzgewinn aufschlug und das Spiel zu null abgab. Die Spannung erreichte im Tiebreak den Höhepunkt, doch bei der Kielerin war nach einem weiteren heroischen Kampf die Luft raus.