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"Von der Ekstase bis zum Schock": Modrics Kroaten am Boden

29.06.2021 11:25
Luka Modric ist mit Kroatien ausgeschieden
© Kiko Huesca es-ES via www.imago-images.de
Luka Modric ist mit Kroatien ausgeschieden

Luka Modrics wohl letzte Hoffnung auf den EM-Titel ist jäh geplatzt. Ganz Kroatien befindet sich nach der dramatischen Niederlage gegen Spanien im Schockzustand.

Luka Modric suchte nach der verhinderten "Auferstehung" Kroatiens erst einmal Trost bei seiner Familie. Ganz eng drückte er seine Kinder Ivano, Ema und Sofia auf der Tribüne des Parken in Kopenhagen an sich - der zwischenzeitliche Rausch der Glückseligkeit war da längst tiefer Trauer gewichen. Denn trotz eines zunächst so wundersamen Comebacks zerplatzte der EM-Traum des Nationalhelden auch bei seinem wohl letzten Anlauf jäh.

"Von der Ekstase bis zum Schock: Vatreni von den Toten auferstanden und dann untergegangen", titelte die Boulevardzeitung "24Sata". Zunächst kämpfte sich der Vize-Weltmeister im Achtelfinale gegen Spanien nach einem 1:3-Rückstand zurück, erzwang in letzter Minute die Verlängerung - ehe ihm dort das soeben Gewonnene schnell wieder aus den Händen glitt. Das bittere 3:5 (3:3, 1:1) n.V. hinterließ bei allen Beteiligten tiefe Spuren.

"So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Flügelstürmer Nikola Vlasic: "Als wir die zwei Tore schossen zum Ausgleich, war mein Herz so groß wie ein Haus. Aber als die Spanier dann die Tore machten, brach mir dies buchstäblich das Herz."

Die Treffer von Mislav Orsic (85.), Mario Pasalic (90.+2) und ein Eigentor von Pedri (20.) reichten nicht zur Überraschung, weil Pablo Sarabia (38.), Cesar Azpilicueta (57.), Ferran Torres (77.), Alvaro Morata (100.) und Mikel Oyarzabal (103.) die teils kapitalen Fehler in der Defensive eiskalt bestraften.

Modric: Kroatien hat die Kraft gefehlt

Kapitän Modric zeigte sich nach seinem persönlichen Glücksmoment mit der Familie schon wieder als nüchterner Analytiker. In der Verlängerung habe schlicht "die Kraft gefehlt", um noch einmal zurückzukommen. Auch Modrics Tank lief in seinem 63. Pflichtspiel der Saison spürbar leer. Der Mittelfeldstratege wird im September 36 Jahre.

Unweigerlich kam da die Frage auf: Wie lange kann und will er die Vatreni noch tragen? "Ich muss mich zuerst gut ausruhen und dann über alles nachdenken", antwortete Modric auf die Frage, ob er bis zur Winter-WM 2022 in Katar weitermacht. Eine Teilnahme an der nächsten EM 2024 in Deutschland scheint nahezu ausgeschlossen.

Die goldene Generation der Kroaten ist ohnehin ein Auslaufmodell. Ivan Rakitic und Mario Mandzukic haben bereits aufgehört, neben Modric sind auch Ivan Perisic, Dejan Lovren oder Domagoj Vida längst über 30. Sie werden das Team nicht mehr ewig tragen können. Und dann drohen den Vatreni Probleme, der Nachwuchs bereitet Sorgen.

"Einige Dinge müssen repariert und geändert werden", schrieb der gegen Spanien wegen einer Gelbsperre schmerzlich vermisste Abwehrchef Dejan Lovren bei Instagram, fügte aber kämpferisch an: "Es gibt keine Kapitulation, wir werden noch stärker zurückkehren."