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Mensch schlägt Maschine, Ritterschlag für Verstappen

Computer schuld an Strategie-Pleite von Mercedes

22.06.2021 09:22

Es war eine der Schlüsselszenen bei Max Verstappens Sieg im Strategie-Thriller von Le Castellet. Durch einen früheren Boxenstopp überholte der Red-Bull-Pilot seinen bis dato führenden Mercedes-Rivalen Lewis Hamilton nach dessen Reifenwechsel, konnte den Rennverlauf so von vorne bestimmen. Undercut heißt das in der Formel 1.

Ein harter Schnitt für Mercedes, der das Team völlig unerwartet traf. Bei ihrer ersten Problem-Analyse haben die Silbernen jetzt immerhin einen Schuldigen für die Strategie-Klatsche ausgemacht – den Computer.

Mercedes-Ingenieur: Hamilton war eigentlich "safe"

Die Computer-Berechnungen hätten den Renn-Hirnen an der Mercedes-Boxenmauer vorausgesagt, dass Hamilton gegen einen Verstappen-Undercut "safe" gewesen sei, sagte Silber-Ingenieur Andrew Shovlin.

"Wir dachten, wir wären vor einem Undercut sicher, als wir gerade mehr als drei Sekunden Vorsprung hatten – das war nicht der Fall", zitiert das Portal "GPFans.com" Shovlin.

Verstappen hatte sich beim Frankreich-GP in Runde 19 auf Rang 2 liegend frische Reifen geholt, Mercedes "coverte" sofort, holte den führenden Hamilton eine Runde später in die Garage. Just als der Weltmeister auf die Strecke zurückbog und wieder Gas gab, flog Verstappen heran, bremste sich in Kurve 1 hauchdünn am schwarzen Pfeil vorbei.

"Wir wissen nicht, was da passiert ist", räumte die Mercedes-Box noch im Team-Radio bedröppelt ein.

Modelle unterschätzen Verstappens Fähigkeit

"Selbst jetzt verstehen wir nicht genau, warum uns unsere Modelle gesagt haben, dass wir okay sein würden. Es gibt da ganz klar etwas, dem wir auf den Grund gehen und das wir verstehen müssen", betonte Shovlin.

Auf die Frage, was die Computer-Berechnungen unterschätzt hätten, antwortete der frühere Renningenieur von Michael Schumacher: "Die Fähigkeit von Max, uns von so weit hinten zu undercutten."

Mensch schlägt Maschine. Ein Ritterschlag für den Gasfuß des Holländers. In der Tat hatte Verstappen sowohl in seiner "In Lap" vor dem Stopp als auch in seiner "Out Lap" direkt nach dem Reifenservice fantastische Zeiten hingeknallt, Hamilton mehr als drei Sekunden abgenommen.

"Max hat uns geradeso gekriegt"

Dass Mercedes bei Hamilton anders als Verstappen und Red Bull auf eine 1-Stopp-Strategie setzte, sieht Shovlin nicht notwendigerweise als Fehler.

"Ich glaube Lewis auf zwei Stopps umzumodeln, hätte nicht genauso funktioniert. Max hat uns geradeso noch gekriegt, wir hätten aber (bei einer 2-Stopp-Strategie, d. Red.) an Perez vorbei müssen (zu diesem Zeitpunkt in Führung, d. Red.). Und das wäre für Lewis natürlich schwieriger geworden als für Max."

Viel entscheidender sei für Mercedes zu verstehen, warum Hamilton Platz 1 beim (ersten) Stopp verloren habe, wiederholte Shovlin. "Da müssen wir uns tief in die Details graben, um zu verstehen, wie von so weit hinten ein Undercut gegen uns funktionieren konnte, denn das haben wir nicht erwartet."

Martin Armbruster

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