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Deshalb ließ Ferrari AMG an der Box alt aussehen

19.06.2021 21:23
Die siegreiche AF-Corse-Crew war in Monza eine Klasse für sich
© MST
Die siegreiche AF-Corse-Crew war in Monza eine Klasse für sich

Der überraschende DTM-Premierensieg von Red-Bull-Ferrari-Rookie Liam Lawson und AF Corse in Monza ließ im Mercedes-AMG-Lager die Alarmglocken schrillen. Und das liegt nicht an der unmittelbar vor dem Rennen verbesserten Balance-of-Performance-Einstufung für den Ferrari 488 GT3 Evo.

"Sie haben im Vergleich zu uns zwei Sekunden beim Boxenstopp geholt", sagt Maximilian Götz, der hinter seinem HRT-Mercedes-Teamkollegen Vincent Abril Dritter wurde. "Das müssen wir analysieren, denn wegen diesem großartigen Stopp haben sie Positionen gutgemacht. Unser Stopp war zwar nicht schlecht, aber wir müssen noch mehr daran arbeiten."

Tatsächlich wurde Lawson in der zehnten Runde von seiner Crew in 7,740 Sekunden abgefertigt. Das war aber noch nicht mal das Limit der italienischen Truppe: Denn beim Ferrari von Lawsons Teamkollege Alex Albon, der am Ende Vierter wurde, benötigten die Italiener gar nur 6,961 Sekunden.

"Werde heute Nacht ein paar Energydrinks beschaffen"

Das erinnert an die Class-1-DTM, in der statt sechs Leuten allerdings neun Teammitglieder an den Stopps beteiligt waren. Wie die Ferrari-Konkurrenz aussah? Die besten Mercedes-AMG-Stopps gelangen ausgerechnet der HRT-Mercedes-Truppe in 8,823 Sekunden bei Götz und 9,121 Sekunden bei Abril.

Alle anderen Mercedes-AMG-Stopps blieben nicht unter zehn Sekunden! Bei Winward-Mercedes-Pilot Lucas Auer ging überhaupt alles schief, als der Mechaniker rechts hinten die Radmutter nicht aufkriegte, der Stopp 30,6 Sekunden dauerte und das Rennen des Österreichers damit zerstört war. Aber auch beim bei den Stopps favorisierten Audi und schon gar nicht beim BMW oder beim Lamborghini kam man an die Zeiten von AF Corse heran.

"Ich werde heute Nacht ein paar Energydrinks für die Jungs beschaffen, damit sie sich ein bisschen steigern", scherzt HRT-Mercedes-Pilot Götz nach dem Rennen. Aber wie ist es tatsächlich möglich, dass die AF-Corse-Truppe beim Reifenwechsel überlegen ist?

Was AF Corse bei den Stopps anders macht

Auffällig ist, dass man bei den Italienern auf eine etwas andere Choreographie setzt: Während bei HRT-Mercedes ein Mann nur die Luftlanze bedient, die dafür verantwortlich ist, dass das Auto durch Druckluft nach oben geht, hilft der Mann an der Luftlanze bei AF Corse auch beim Stopp mit, indem er das rechte hintere Rad ansetzt, bevor es festgeschraubt wird.

Die Truppe von Amato Ferrari, die vor allem in der GTE-Klasse große Erfolge feierte, gilt als hochprofessionell. Und da man fast 100 Mitarbeiter beschäftigt, kann man auch für die Performance-Stopps in der DTM aus dem vollen schöpfen. Im Gegensatz zu manchen GT3-Teams in der DTM, die nicht mal eine Handvoll Festangestellte an Bord haben.

Doch auch die Charakteristik des Radmutter-Systems spielt eine Rolle: Denn der Mercedes-AMG GT3 ist durch einen Sicherungsring im Nachteil, durch den die Mutter am Rad fixiert ist. Das gewährleistet zwar, dass man die Mutter beim Stopp nicht verlieren kann, dafür hat das System mehr Gewindegänge. Dadurch dauert das abschrauben und befestigen der Räder länger, wie 'Motorsport-Total.com' bereits berichtete.

Ist beim Mercedes-AMG das Limit erreicht?

Auch Götz schließt nicht aus, dass sein Team bei den Stopps nicht mehr viel Luft nach oben hat: "Die Stopps von Vincent und mir waren recht ähnlich, was darauf hindeutet, dass das Team am Limit ist. Sie haben in den vergangenen Tagen viel trainiert."

Tatsächlich ist es aber nicht ausgeschlossen, dass seine Truppe bei den Stopps bereits am Limit des Boliden operiert. "Die Stopps von Vincent und mir waren recht ähnlich, was darauf hindeutet, dass das Team am Limit ist. Sie haben in den vergangenen Tagen viel trainiert."

Teamkollege Abril ist währenddessen der Meinung, dass man noch Potenzial haben könnte. "Der Schlüssel war heute, es nicht zu verhauen, anstatt die schnellsten Stopps zu machen", sagt der Monegasse. "Wir werden uns der optimalen Zeit noch annähern." Zumal die HRT-Truppe aus dem Langstreckensport stammt, in dem es eine Mindeststandzeit gibt: "Wir haben nicht so viel Erfahrung in dieser Serie, aber wir haben beim Testen einen Schritt nach vorne gemacht."

Kosteten die langsameren Stopps HRT-Mercedes den Sieg?

War der Stopp dafür verantwortlich, dass Pole-Setter Abril am Ende nicht seinen Premierensieg gefeiert hat? Abril ist nicht sicher. "Das Tempo auf dem zweiten Satz war schnell", verweist er auf Lawson. "Wir wissen also nicht, ob wir das Rennen an der Box verloren haben. Das ist aber sicher ein großer Teil des Rennens."

Götz ist währenddessen eher der Meinung, dass man zu spät an die Box gekommen ist. "Es ist wichtiger, in welcher Runde man stoppt. Und ob man nach den Stopps frei fahren kann. Diese Jungs waren heute einfach ein bisschen schneller als wir."

Wenn man aber bedenkt, wie knapp es zwischen Abril und Lawson war, als der bis zum Stopp führende Monegasse aus der Box kam, dann spielte die Stoppzeit definitiv eine entscheidende Rolle im Kampf um den Sieg.