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Andere Welten beim BVB und Belgien

Axel Witsel, der (nicht mehr) unersetzliche Leitwolf

17.06.2021 14:51
Die Belgier hoffen auf die Rückkehr von BVB-Profi Axel Witsel
© Matthias Koch via www.imago-images.de
Die Belgier hoffen auf die Rückkehr von BVB-Profi Axel Witsel

2018 holte Borussia Dortmund Axel Witsel aus dem vermeintlichen fußballerischen Vorruhestand in China und landete einen Coup. Der Belgier füllte das Machtvakuum beim BVB auf Anhieb aus, avancierte zum schwarz-gelben Leitwolf und stand eigentlich immer auf dem Platz - dann kam der 09. Januar 2021.

Im Topspiel gegen RB Leipzig riss sich Witsel ohne gegnerisches Einwirken die linke Achillessehne, die Saison 2020/21 war für den Routinier beendet. Den Ausfall zu kompensieren, fiel dem BVB anfangs auffallend schwer - letztlich schlüpften jedoch andere Spieler, allen voran das 17-jährige Juwel Jude Bellingham und der deutsche Nationalspieler Mahmoud Dahoud, in die Lenker-Rolle. Für die Dortmunder eine sehr erfreuliche Entwicklung, für Witsel womöglich eine folgenschwere.

Nach dem bärenstarken Saisonendspurt der Borussen spricht am Borsigplatz zumindest kaum noch jemand von Witsel, Bellingham gilt als der Star der Zukunft. Die Geschichte von Dahoud, der endlich aus seinem scheinbar endlosen Dornröschenschlaf im Trikot des BVB erwacht ist, kommt bei den Fans der Borussen ebenfalls gut an.

Dass Witsel bereits 32 Lenze zählt, sein Vertrag im Sommer 2022 endet, verstärkt den Eindruck, der Rechtsfuß könnte im Dortmund zum Auslaufmodell werden. Ganz anders gestaltet sich die Situation hingegen im belgischen Nationalteam.

Einsatz des BVB-Profis nicht ohne Risiko

Die Gesundheit von Charakterkopf Axel Witsel wurde in Belgien die vergangenen Tagen beinahe zu einem Thema nationaler Bedeutung hochstilisiert. Die Teamkameraden lobten den Dortmund-Profi überschwänglich, Medien schrieben seine Rückkehr regelrecht herbei und der Verband setzte zwei Ärzte aufs Pressepodium, die 25 Minuten ausschließlich über die im Januar gerissene Achillessehne und die folgende Genesung Witsels dozierten.

Die präsentierten Aussichten geben dem EM-Mitfavoriten Grund zur Zuversicht: Witsel soll am Donnerstag (18:00 Uhr/ZDF und MagentaTV) gegen Dänemark erstmals wieder zum Einsatz kommen.

"Es ist schwer, die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls zu beziffern. Das Risiko ist nicht bei null, aber es ist ein kalkulierbares. Nach der Diskussion mit Trainer und Spieler denken wir, dass Axel spielen kann", sagte Teamarzt Geert Declerq. 

Für das EM-Auftaktspiel gegen Russland (3:0) hatten sich Coach Roberto Martínez, der schon im Mai bei der Nominierung auf eine schnelle Genesung Witsels gezockt hatte, und der Profi mit der markanten Afro-Frisur darauf geeinigt, dass die Begegnung ein wenig zu früh komme.

Belgier schwärmen von BVB-Profi Witsel

Während Witsel beim BVB offenbar nicht mehr der Unersetzliche ist, ist der 32-Jährige im komplizierten belgischen Personalpuzzle ein ganz wichtiges Teil.

Das Comeback nach fünf Monaten könnte sehr schnell (zu schnell?) kommen, doch wer sich im belgischen Quartier in den vergangenen Tagen umhörte, konnte sich vor Schwärmereien kaum retten. "Er sieht so aus, als wäre er nie weg gewesen. Das ist wirklich unglaublich. Wir hätten das nicht gedacht. Dass er dazu im Stande ist, ist einfach fantastisch", schilderte Mittelfeldspieler Youri Tielemans, der in direkter Konkurrenz zu Witsel steht. Teamkollege Dennis Praet nannte die extrem schnellen Fortschritte des Kollegen "beeindruckend". Martínez sprach ob der Genesung sogar von einem "Wunder".


Mehr dazu: Die Top-Elf der EM-Oldies


Witsel ist nicht nur wegen der ohnehin angespannten personellen Situation der Belgier wichtig - sondern auch für die Statik des Spiels beim extrem ambitionierten WM-Dritten. Mit den beiden Hazard-Brüdern Eden und Thorgan, Dries Mertens, Yannick Carrasco sowie Kevin de Bruyne gibt es im belgischen Kader jede Menge feine Füße. Doch wenn Witsel im stets praktizierten 3-4-2-1-System einen der beiden Posten als Sechser einnimmt, gewinnt das Team massiv an Stabilität. 

Gegen Dänemark dürfte es aber nach fünf Monaten Fußball-Pause zunächst einmal auf einen Jokereinsatz rauslaufen. "Er wird gegen Dänemark Minuten bekommen", bestätigte Martínez.

Ob Witsel noch einmal Minuten im BVB-Trikot bekommt, dürfte auch davon abhängen, ob er seinen Kontrakt noch einmal verlängert. Ansonsten hätten die Schwarz-Gelben nur noch in diesem Sommer die Chance, eine Ablöse für Witsel einzustreichen.

Der Blick auf die Zukunft Witsels fügt dem Duell der Belgier gegen Dänemark noch eine weitere brisante Facette hinzu: Im dänischen Kader steht mit Thomas Delaney ein Akteur, der ebenfalls sein Geld beim BVB verdient und dessen Situation der von Witsel sehr ähnlich ist. Auch der Kontrakt des 29-Jährigen endet 2022, Verletzungen bremsten Delaney ebenfalls stark aus. Dass beide Mittelfeld-Fighter beim BVB bleiben, scheint derzeit eher unwahrscheinlich zu sein.

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