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Der Serbe ist neuer Sandplatzkönig von Roland Garros

Nach 0:2-Satzrückstand! Djokovic triumphiert in Paris

13.06.2021 19:31
Novak Djokovic ist der strahlende Sieger von Roland Garros
© Javier Garcia/BPI/Shutterstock via www.imago-image
Novak Djokovic ist der strahlende Sieger von Roland Garros

Novak Djokovic breitete die Arme aus, klopfte sich zweimal aufs Herz, sank kurz auf die Knie und schrie dann seinen Jubel heraus: Der unersättliche Titeljäger hat mit dem Herz eines Champions zum zweiten Mal die French Open gewonnen und stemmte nach einem harten Kampf erschöpft, aber glücklich am Sonntagabend den silbernen Coupe de Mousquetaires in die Höhe.

Der 34 Jahre alte Weltranglistenerste aus Serbien entriss dem Griechen Stefanos Tsitsipas im Finale des Sandplatzklassikers trotz 0:2-Satzrückstandes noch brutal mit 6:7 (6:8), 2:6, 6:3, 6:2, 6:4 den möglichen Sieg und gewann nach 4:11 Stunden seinen insgesamt 19. Grand-Slam-Titel.

"Es ist einmal mehr ein Traum wahr geworden", sagte Djokovic: "Es war richtig schwer heute nach dem Rückstand. Ich habe in 48 Stunden fast neun Stunden Tennis gespielt gegen zwei große Champions. Stefanos wird definitiv Grand Slams in der Zukunft gewinnen." Tsitsipas sagte den Tränen nahe: "Es war ein großer Kampf und ich habe alles versucht."

Djokovic, der im Halbfinale den Turnier-Rekordsieger Rafael Nadal nach dessen vier Triumphen in Serie entthront hatte, verkürzt damit in der ewigen Major-Wertung auf die Rekordchampions. Roger Federer (Schweiz) und Nadal (Spanien) stehen bei jeweils 20 Erfolgen.

Es ist das klare Ziel des "Djokers", erfolgreichster Grand-Slam-Spieler der Geschichte zu werden. Zugleich hat er nun als dritter Profi alle vier Majors mindestens zweimal gewonnen. Zuvor war dies nur den Australiern Roy Emerson and Rod Laver gelungen.

Tsitsipas tauchte nach der Niederlage bitter enttäuscht unter einem Handtuch ab. Der 22 Jahre alte Athener schaffte es trotz des klaren Vorsprungs nicht, sich in seinem ersten Finale direkt auch zum ersten Grand-Slam-Sieger seines Landes zu küren und einen Status als quasi griechischer Tennis-Gott zu erlangen.

Hochklassiges Niveau von Beginn an

Djokovic gegen Tsitsipas - auf dem Court Philippe-Chatrier kam es zum Aufeinandertreffen der Vertreter zweier Tennis-Generationen. Es war ein Duell, bei dem Zverev allzu gerne mit dem Griechen getauscht hätte.

Während sich der Hamburger nach seinem frustrierten Abschied aus Paris schon in Halle/Westfalen auf die Rasensaison vorbereitete, lieferten sich Djokovic und Tsitsipas ein von Beginn an hochklassiges Finale. Sie hatten ganz offensichtlich nach aufreibenden zwei Wochen noch ausreichend Benzin im Tank.

Djokovic hatte bei seinem Viersatzsieg im sensationellen Halbfinalduell mit Nadal, den er mit dem Bezwingen des Mount Everest verglich, viel Kraft gelassen, aber einen unheimlichen mentalen Schub erhalten. Er wusste gleichwohl, dass ihn gegen Tsitsipas, der Zverev im Semifinale in fünf Sätzen besiegt hatte, eine ebenso herausfordernde Aufgabe bevorstand.

Djokovic am Ende unwiderstehlich zum Sieg

Mit 39 Siegen ging der Weltranglistenfünfte als klar erfolgreichster Profi des Jahres in das wichtigste Match seiner Karriere und zeigte seine ganze Klasse direkt im ersten Satz. Nach einem Break des Serben kam er sofort zurück, erzwang den Tiebreak und bewies starke Nerven. "Nicht nur Djokovic ist überrascht, wie stark Tsitsipas ist, ich bin auch überrascht", sagte Boris Becker am Eurosport-Mikrofon: "Ich bin gespannt, wie sich Djokovic da wieder herauszieht."

Zunächst gar nicht. Djokovic schien körperlich angeschlagen und ging immer mehr auf schnelle Punkte, Tsitsipas wirkte dagegen phasenweise wie eine Ballwand für den Favoriten und war in der Lage, sein hohes Niveau komplett zu halten.

Nach dem zweiten Satz nahm Djokovic eine kurze Pause, um sich dann gegen die erneute Finalniederlage in Paris zu stemmen. Im vergangenen Jahr hatte er keine Chance gegen Nadal gehabt, diesmal wirkte Tsitsipas, der neue Held der Griechen, lange zu stark.

Doch Djokovic kämpfte unverdrossen weiter, erzwang einen vierten Durchgang, vor dem sich nun Tsitsipas behandeln lassen musste, und hatte das Momentum nun deutlich auf seiner Seite. Es ging in einen entscheidenden fünften Satz, in dem der Australian-Open-Champion seine Erfahrung ausspielte und den nächsten Titel einheimste.