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Zverev holt 0:2-Satzrückstand auf

Aus der Traum! Zverev verliert packenden Fünfsatz-Krimi

11.06.2021 18:45
Zverev musste sich im Halbfinale der French Open geschlagen geben
© Javier Garcia/BPI/Shutterstock via www.imago-image
Zverev musste sich im Halbfinale der French Open geschlagen geben

Alexander Zverev fluchte laut, kämpfte sich in einem echten Halbfinal-Krimi mit dem Mute der Verzweiflung zurück - doch der Traum des deutschen Tennis-Topspielers vom ersten Grand-Slam-Triumph platzte bei den French Open erneut. Der 24 Jahre alte Hamburger kassierte eine bittere 3:6, 3:6, 6:4, 6:4, 3:6-Niederlage gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas und ließ die Chance auf sein zweites Major-Finale aus.

Statt Zverev, der bei den US Open 2020 den Titelgewinn nur knapp verpasste, trifft nun Tsitsipas in seinem ersten Grand-Slam-Finale am Sonntag (15.00 Uhr/Eurosport und ServusTV) auf Paris-Rekordsieger Rafael Nadal oder den Weltranglistenersten Novak Djokovic.

Der bis dato letzte deutsche Profi im Finale von Roland Garros bleibt Michael Stich, der 1996 das Endspiel gegen den Russen Yevgeny Kafelnikov verlor. Zverev übte sich direkt danach in schonungsloser Selbstkritik. "Ich kann nicht gegen einen Top-Ten-Spieler die ersten beiden Sätze so spielen. Er ist jetzt im Finale, ich nicht", sagte der Weltranglistensechste: "Am Ende des Tages ist es meine Schuld."

Becker: "Tsitsipas war der aktivere und bessere Spieler"

"Zverev hatte noch Chancen im fünften Satz. Aber alles in allem geht der Sieg völlig in Ordnung", sagte Boris Becker bei "Eurosport": "Tsitsipas war über weite Strecken der aktivere und auch bessere Spieler."

Für Zverev, den Weltranglistensechsten, setzte sich mit der schwer zu verdauenden Niederlage ein echter Fluch fort. Es bleibt dabei, dass er bei Grand Slams Top-10-Spieler nicht schlagen kann. Auch im zehnten Versuch klappte es nicht, dabei hatte er sich vorher so selbstbewusst gezeigt.

"Solche Statistiken interessieren mich nicht. Ich weiß, zu was ich fähig bin", hatte Zverev vor dem Match gesagt. Gleichzeitig wusste er um die Schwierigkeit der Aufgabe. Tsitsipas ging mit 38 Siegen als klar erfolgreichster Profi der bisherigen Saison in das Match und mit dem frischen Selbstvertrauen aus dem deutlichen Viertelfinalerfolg gegen den Weltranglistenzweiten Daniil Medvedev (Russland).

Zverev erwischt rabenschwarzen Start

Zverev konnte in seinem zweiten Grand-Slam-Finale nach der bitteren Fünfsatz-Niederlage gegen den Österreicher Dominic Thiem bei den US Open anfangs nicht an seine zuvor starken Leistungen im Stade Roland Garros anknüpfen. Der 24-Jährige machte zu Beginn viele leichte Fehler, steigerte sich dann aber und zeigte großes Kämpferherz.

Zverev erwischte vor 5000 Zuschauern auf dem Court Philippe-Chatrier einen schlechten Start und gab sofort seinen Aufschlag ab. Tsitsipas zog schnell auf 3:0 davon und bestimmte fortan das Geschehen. Nach gerade einmal 38 Minuten holte sich der Grieche, der im Vorfeld der French Open bereits die Sandplatz-Turniere in Monte Carlo und Lyon gewonnen hatte, den ersten Satz - auch weil sich Zverev bis zu diesem Zeitpunkt bereits elf vermeidbare Fehler geleistet hatte.

Zverev nicht druckvoll genug

Die deutsche Nummer eins wirkte insgesamt nicht so druckvoll und dynamisch wie in den Runden zuvor und bewegte sich deutlich schlechter. Es schien so, als hätte Zverev die Pause von zwei Tagen nach seinem Viertelfinale gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina nicht gut getan.

Doch im zweiten Satz steigerte sich Zverev zunächst und ging nun selbst mit einem Break in Führung. 3:0 stand es für den gebürtigen Hamburger, doch dann gelang ihm auf einmal nichts mehr. Tsitsipas machte sechs Spiele in Serie und holte sich auch den zweiten Satz. "Wenn er jetzt so weiter spielt, ist das Spiel in einer halben Stunde vorbei", sagte Tennis-Legende Boris Becker nach dem verlorenen zweiten Satz als TV-Experte bei "Eurosport".

Zverev hadert und diskutiert

Und Zverev haderte mit sich, blickte immer wieder zu seinem Vater und Trainer Alexander Senior hoch auf die Tribüne. Er steckte aber nicht auf. Zu Beginn des dritten Satzes schaffte der Weltranglisten-Sechste wieder ein frühes Break, dass er dieses Mal auch behaupten konnte. Zverev war nun auch deutlich emotionaler als noch in den ersten beiden Sätzen. Als der Schiedsrichter beim Stand von 5:3 eine Entscheidung des Linienrichters überstimmte, diskutierte Zverev minutenlang mit dem Unparteiischen und sogar dem Oberschiedsrichter.

Den Frust wandelte der 24-Jährige jetzt in Weltklasse-Tennis um. Wenig später holte sich Zverev den dritten Satz und leitete damit erst einmal die Wende ein. Auch im vierten Durchgang nahm er dem Griechen sofort das Service ab. Die deutsche Nummer eins bestimmte das Geschehen nun auf erstaunliche Art und Weise. Tsitsipas spielte nicht schlechter als in den ersten beiden Sätzen, aber Zverev hob das Niveau jetzt auf ein anderes Level und schaffte nach 2:50 Stunden den Satzausgleich.

Das Momentum sprach nun für Zverev. Doch dann leistete er sich zu Beginn des fünften Satzes eine kleine Schwächephase, die Tsitsipas zum entscheidenden Break nutzte. Zwar kämpfte Zverev weiter und wehrte beim Stand von 2:5 vier Matchbälle ab, doch am Ende reichte es nicht. Tsitsipas verwandelte nach 3:37 Stunden seinen fünften Matchball.