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Günther Steiner im RTL/ntv-Interview

Exklusiv: Das passierte bei Haas nach dem Baku-Zoff

10.06.2021 22:10

Das Manöver von Nikita Mazepin gegen Mick Schumacher in Aserbaidschan beschäftigt weiter die Formel 1. Im exklusiven RTL/ntv-Interview schildert Haas-Teamchef Günther Steiner, wie er die brenzlige Situation einschätzt, was er seinen Schützlingen anschließend gesagt hat und wie Schumacher im Gespräch mit Mazepin reagiert hat. Mit einer Strafe für den Russen rechnet er nicht.

Es war der große Aufreger beim ohnehin wilden Baku-Rennen. Das kurze Zucken von Nikita Mazepin bei über 300 km/h gegen den überholenden Mick Schumacher ganz kurz vor Rennende löste teils heftige Empörung aus. Viele Experte wie Ralf Schumacher schimpften und forderten eine Sperre für Mazepin. Auch die FIA teilte mit, dass sie sich den Vorgang noch einmal genauer anschauen wolle.

Jetzt meldet sich Haas-Teamchef Günther Steiner mit seiner Analyse zum Baku-Vorfall der beiden Fahrer zu Wort. "Ich denke, es war im Endeffekt nicht zu gefährlich, sondern einfach die Emotion, die dabei ist wegen der hohen Geschwindigkeit", sagte er im Gespräch mit RTL/ntv-Reporter Felix Görner.

Nach dem Rennen habe er seine Piloten zum Gespräch gebeten. "Ich habe mit beiden gesprochen, denn solche Sachen muss man vermeiden. Wenn es schiefgeht, geht es ordentlich schief", so die Ansage des 56-Jährigen. "Wir haben alles geklärt. Sie müssen beide davon lernen, wie man darauf reagiert." Er habe ihnen "die Konsequenzen" erklärt, wenn es "nicht gutgeht. Dass sie es nicht machen dürfen."


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Als "lebensgefährlich" wollte der Südtiroler die Aktion nicht bezeichnen. "Ich sage einfach: Das ist die falsche Einstellung", so Steiner, der Mazepin zu Gute hält, dass dieser sich sofort entschuldigt hat.

"Bevor er die Videoaufnahmen gesehen hat, hat er es anders wahrgenommen. Das war eine Fehleinschätzung. Und das war's dann. Wenn Verständnis da ist bei solchen Sachen, muss man sie gehen lassen, man kann nicht darauf rumhacken. Sonst wird es nicht verarbeitet. Man muss irgendwann sagen: Wir haben darüber gesprochen, die Luft ist geklärt, let's move on."

Mick erst emotional, dann professionell

Schumacher hatte direkt nach dem Manöver ungewohnt emotional am Funk reagiert. "Will er uns umbringen?!", schimpfte er in Richtung seiner Box. Die emotionalen Worte kann Steiner gut nachvollziehen. "Ich kann auch einschätzen, wenn so etwas passiert auf der Geraden mit über 300 km/h, dass da die Emotionen mitgehen."

Kurz darauf sei Schumi jr. aber wieder abgekühlt und "pragmatisch" gewesen, verriet Steiner. "Er hat sich angehört, was Nikita zu sagen hatte und hat das respektiert. Ich glaube, er kann das abhaken. Auch Mick ist nicht ohne Emotionen. In solchen Momenten ist es auch richtig, dass die rauskommen."

Hinterher sei Schumacher dann "wie immer sehr professionell, sehr ordentlich, sehr erwachsen für einen 22-Jährigen" gewesen. Die Luft sei wieder rein, betonte der Teamchef.

Auch eine Strafe erwartet Steiner nicht. Mit Rennleiter Michael Masi sei er nicht in Kontakt gewesen. "Ich weiß nicht, was er zu sagen hat", so Steiner. "Aber er wird das gleiche sagen wie ich. Mit beiden sprechen und sie werden klären, wie es dazu kommen kann. Ich glaube, das war es dann. Eine Strafe kann keine kommen im Nachhinein. Er wird beiden die Konsequenzen erklären und sich anhören, was die Jungs zu sagen haben."

"Der Zweite ist der erste Verlierer der beiden"

Generell sei das unterlegene Haas-Auto Fluch und Segen für sein Team. Der Segen: "Man muss sich nicht rechtfertigen, weil man hinten ist." Der Fluch: "Der Gegner ist dann der Teamkollege. Keiner will Zweiter werden, das muss man respektieren", erklärte Steiner. "Der Zweite ist der erste Verlierer der beiden. Man muss ein bisschen Verständnis haben, dass sie beweisen wollen, wer der bessere ist. Ganz kann ich das auch nicht rausnehmen, sonst töte ich jede Leidenschaft und Wettbewerb."

Vor jedem Grand Prix wolle er nun aber keine Extra-Ansage an die beiden machen. "Es ist ein Balanceakt. Wenn man immer dasselbe sagt, findet man kein Gehör mehr", sagte der Teamchef. "Vor jedem Rennen immer dasselbe sagen, mache ich nicht. Wenn es etwas zu diskutieren gibt, mache ich es." Sein Credo: "Ich zähle darauf, dass sie selbst so schlau sind, und nichts anstellen. Sie wissen auch, dass ich manchmal sehr konkret werden kann, und entscheide, was sie zu tun haben."

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