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N'Golo Kanté: Ein Star, der keiner sein will

10.06.2021 12:32
N'golo Kanté greift mit der französischen Nationalmannschaft bei der EM an
© Philippe LECOEUR via www.imago-images.de
N'golo Kanté greift mit der französischen Nationalmannschaft bei der EM an

N'Golo Kanté ist einer der besten Fußballer des Planeten. So gut, dass der Ballon d'Or für Frankreichs schüchternen Abfangjäger gefordert wird. Er selbst würde dies aber niemals tun.

Für einen Fußball-Star ist N'Golo Kanté eigentlich viel zu schüchtern. Seit Jahren fährt er den gleichen Mini Cooper, und 2018 musste dem 1,68 m kurzen Weltmeister gar der WM-Pokal in die Hand gedrückt werden, weil er sich nicht vordrängeln wollte. Nur auf dem Rasen, da mutiert Kante zu Frankreichs unübersehbarem Abfangjäger, der nicht selten allen anderen die Show stiehlt.

"Er ist eine große Persönlichkeit. Ein super Mensch, ein großartiger Fußballspieler", sagt Kai Havertz, der jüngst zusammen mit Kanté für den FC Chelsea die Champions League gewann: "Man wünscht es sich, ihn in seiner Mannschaft zu haben. Man kann als Offensivspieler so viele Fehler machen wie man will, er holt gefühlt jeden Ball zurück."

Havertz weiß also, dass Kanté auch am Dienstag (21:00 Uhr) zum EM-Auftakt gegen ihn und die deutsche Nationalmannschaft eine Schlüsselfigur sein wird. "Blöd, dass man gegen ihn spielen muss. Aber vielleicht kenne ich auch ein paar Schwächen von ihm", sagt Havertz. Doch die zu finden, wird schwer. Kanté hat die Rolle des Abräumers, des sogenannten "Sechsers", perfektioniert.

Ein "Seiltänzer" als Abräumer

Und dies, ohne Lautsprecher oder "Aggressive Leader" zu sein. Für den früheren Bayern-Profi Bixente Lizarazu ist Kanté "kein verrückter Tackler und kein Pitbull", wie er der Sport-Tageszeitung "L'Equipe" sagte: "Sein Stil ist viel geschmeidiger, aber genauso effektiv." Wenn der 30-Jährige einen Konter des Gegners unterbindet und Weltstars den Ball wie Schuljungen abluchst, wohnt dem eine eigene Schönheit inne.

"Kanté ist ein Seiltänzer, ein Ästhet", schwärmte Lizarazu: "Er macht sehr wenige schwere Fehler. Und wenn man ihn auf den besten Spieler des Gegners ansetzt, lässt er ihm keine Luft zum Atmen." Bestens zu bestaunen war dies im Champions-League-Finale gegen Manchester City (1:0): Havertz entschied das Spiel mit seinem Tor. Doch der stille Held war Kanté.

Wegen Abenden wie diesem forderte Mitspieler Paul Pogba kürzlich den Ballon d'Or für ihn. Kanté ist derartige Aufmerksamkeit nicht wirklich genehm. Es sei "noch ein bisschen früh, darüber zu sprechen", sagte er in der vergangenen Woche. Auch sei es "nicht notwendig, heute zu sagen, dass ich es verdiene".

Werdegang mit Umwegen

So bescheiden ging Kanté stets durch sein Leben. Das Schicksal hat ihn dazu erzogen. Sein Vater, der mit Kantés Mutter aus Mali nach Frankreich kam, starb früh. Da war der kleine N'Golo noch nicht einmal ein Teenager und lebte im Pariser Vorort Rueil-Malmaison in prekären Verhältnissen.

Fußball spielte er zwar schon immer, bis Kanté ein Weltname wurde, dauerte es jedoch lange. Von der Akademie des französischen Fußball-Verbandes wurde er abgewiesen und musste sich über die Jahre bis zum Zweitligisten SM Caen hocharbeiten, der ihn 2013 verpflichtete.

Doch Kanté war einfach zu gut, um durch das Raster zu fallen. Bereits 2015 holte ihn Leicester City nach England, wo er in einem Team voller Außenseiter überragte und sensationell sofort Meister wurde. Der Kanté von heute war geboren, für knapp 36 Millionen Euro wechselte er 2016 zu Chelsea.

Seitdem wird N'Golo Kanté quasi mit jedem Spiel besser - und bildet sich so gar nichts darauf ein.

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