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Mitschwätzen trotz null Ahnung!

Der große EM-Ratgeber für alle Fußball-Nieten

10.06.2021 22:45
Die meisten Fans werden bei der EM nicht im Stadion sitzen (können)
© Uwe Kraft via www.imago-images.de
Die meisten Fans werden bei der EM nicht im Stadion sitzen (können)

Gewiss: Bei der Fußball-EM 2021, die am Freitag losgeht, wird das Public Viewing anders sein als bei den großen Turnieren der letzten Jahre.

Aber zumindest im Biergarten und in der 3G-Community (Getestet, Geimpft, Genesen) dürften schwarz-rot-goldene Rudel die Auftritte der deutschen Nationalmannschaft munter verfolgen. Auch Sie schminken Ihre Bäckchen und wollen selbstverständlich mitreden - obwohl Sie von Fußball keinen Schimmer haben?

Kein Problem! Doch Vorsicht: Mit Floskeln wie "Flach spielen, hoch gewinnen" gewinnen Sie in Zeiten, in denen Fußball-Profis von Mediendirektoren gecoacht werden, keinen Blumentopf mehr. Wir haben daher die Wiese moderner, verschwurbelter Fußballer-Phrasen abgegrast und geben Ihnen einen EM-Ratgeber an die Lippen. Frei nach dem Motto: Unwissenheit hält nicht vom Mitschwätzen ab!

11 Rede-Tipps für die Europameisterschaft:

  • Nehmen wir an, die deutsche Mannschaft findet mal so überhaupt nicht zu ihrem Spiel. Mit dem einstmals handelsüblichen "wir kommen aber überhaupt nicht in die Partie", ernten Sie heutzutage höchstens Augenrollen. Sagen Sie stattdessen: "Unsere Mannschaft hat heute keinen Zugriff".
  • Die Kombinationen der Nationalelf flutschen nicht. Früher mäkelte man, die Truppe sei nicht eingespielt. Pff, sowas von altbacken! Heute sagt man: "In unserem Team greifen die Automatismen nicht."
  • Permanent langweiliges Ballgeschiebe im Mittelfeld? Überzeugen Sie Ihre Fußball-Sippschaft einfach mit "wir müssen eindeutig vertikaler spielen".

Immer schön "griffig" sein

  • Die deutsche Mannschaft spielt zwar gefällig, vor dem Strafraum aber – Stopp, halt, verwenden Sie lieber "Box" statt Strafraum! Vor der Box also, fällt den DFB-Kickern nicht viel ein, um die gegnerische Abwehr zu knacken. Klarer Fall: Fordern Sie "Pässe in die Schnittstellen".
  • Bayern-Star Leon Goretzka und 50-Millionen-Transfer Leroy Sané werden von Bundestrainer Löw erst spät eingewechselt. Weisen Sie Ihre Mit-Zuschauer sofort darauf hin, was für eine "unglaubliche Qualität wir auf der Bank haben".
  • Sie haben das Gefühl, dass Jogis Jungs eher über den Platz traben und auch sonst irgendwie immer einen Schritt zu spät sind. Dann empfiehlt sich neuerdings, warum auch immer, das Adjektiv "griffig". Also: "Unsere Spieler sind heute nicht griffig."​

Wenn nix mehr geht, runter auf Kreisliga-Niveau

  • Torchancen: Spielt man sich nicht mehr raus. Man "kreiert" sie natürlich.
  • Die deutsche Mannschaft erobert den Ball, kann aber daraus nichts machen. Zeit für den Satz: "Das Umschaltspiel funktioniert nicht."
  • Sollten deutsche Tore Mangelware sein, weisen Sie darauf hin, dass mit Kevin Volland nur ein einziger "nomineller" Stürmer auf der Bank sitzt. Dann schieben Sie stirnrunzelnd folgenden Frage hinterher: "Ob das System mit der falschen Neun das richtige ist?"
  • Die deutsche Elf tut sich gegen die vermeintlich schlagbaren Ungarn schwer? Spötteln Sie nicht, seien Sie milde. Denn: "Kleine Nationen gibt es nicht mehr" und "der Gegner ist schwer zu bespielen".
  • Alle Stricke reißen und Sie verlieren nach der x-ten Kaltschale langsam, aber sicher den "Zugriff" auf Ihre Zunge. Warten Sie, bis der Schiri ein Foul des Gegners pfeift und brüllen Sie einfach den zeitlosen Kreisliga-Klassiker "der hat schon Gelb!"

Martin Armbruster

© RTL
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