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Mazepin-Eklats, spannender WM-Kampf, Vettels Wiedergeburt

Darum ist die Formel 1 2021 plötzlich so spektakulär

09.06.2021 13:15
Die Formel 1 ist dieser Tage extrem faszinierend
© HOCH ZWEI via www.imago-images.de
Die Formel 1 ist dieser Tage extrem faszinierend

Schluss mit der immer gleichen Besetzung des Podiums, vorbei die Zeit der gähnenden Langeweile am Rennwochenende: Die Formel 1 ist 2021 hochspannend! Fünf Gründe, warum die Königsklasse des Motorsports wieder so spektakulär ist:

  • Grund Nr. 1: Mazepin dreht mächtig am Rad

Nikita Mazepin liefert zuverlässig, zwar nicht in sportlicher Hinsicht, jedoch immer mit Unterhaltungswert. Elf Mal hat sich der Milliardärssohn mit seinem Haas-Boliden schon von der Strecke gedreht und sich damit in Fankreisen den Spitznamen "Mazespin" erarbeitet. Schon jetzt gibt es mehrere Webseiten, die jeden Dreher des 21-Jährigen minutiös aufzeichnen und den jungen Russen damit verhöhnen. 

Mazepins andere Aktionen auf der Strecke kommen hingegen weniger gut an, denn der Pilot, dessen Skandal-Akte umfangreicher ist als Lewis Hamiltons Trophäenschrank, sorgt immer wieder für Aufregung unter seinen Kollegen. Egal, ob er Max Verstappen im Qualifying auf einer schnellen Runde behindert, blaue Flaggen während der Grands Prix ignoriert und damit Toto Wolff auf die Palme bringt oder Team-Kollege Mick Schumacher mit Zick-Zack-Manövern bei Tempo 300 beinahe in die Streckenbegrenzung zwingt.

Wenn Haas schon sonst kaum etwas zur Spannung beiträgt, hat das US-Team mit Mazepin immerhin doch jenen Rüpel-Charakter in den eigenen Reihen, den jedes gute Schauspiel braucht.

  • Grund Nr. 2: Der WM-Kampf ist spannender denn je

Beinahe hätte es diesen Punkt hier gar nicht gegeben. Denn in Aserbaidschan schien Lewis Hamilton nach dem unerwarteten Ausscheiden von Max Verstappen wie der sichere Nutznießer. Doch es passt zu dieser verrückten Saison, dass ausgerechnet der sonst so solide Brite beim Restart patzte und ein sicheres Podium wegwarf.

Und so führt Verstappen (105 Punkte) weiter mit vier Punkten Vorsprung vor Hamilton. Dahinter lauert Sergio Pérez (69), der mit seinem Sieg in Baku zweierlei Dinge bewiesen hat: Einerseits, dass er sich im RB16B immer besser zurechtfindet und ein Wörtchen mitreden könnte im Titelkampf.

Andererseits, dass Verstappen endlich einen vernünftigen Wingman an seiner Seite hat, während Hamilton sich immer weniger auf Bottas verlassen kann, der selbst im Mittelfeld noch zu kämpfen hat.

  • Grund Nr. 3: Überraschende Wiedergeburten

Es hat schon eine gewisse Komik, dass ausgerechnet Sebastian Vettel und die Scuderia Ferrari - und zwar gänzlich ohne direkten Zusammenhang - in den letzten Rennen deutlich zugelegt haben und wieder aufzublühen scheinen. 

Zwei Pole Positions für Charles Leclerc samt dem vierten Rang in Baku, der zweite Platz von Carlos Sainz in Monaco: die Roten sind wieder in der Spitzengruppe angekommen. Zwar sind noch lange nicht alle Fehler abgestellt, doch mit Ferrari ist wieder zu rechnen.

Aus deutscher Sicht ebenso erfreulich: Sebastian Vettel, der sich mit seinem AMR21 lange Zeit nicht grün war, hat Aston Martin zuletzt mit herausragenden Manövern aufs Podium geführt.

Der 33-Jährige hat mittlerweile auch das Rennglück wieder auf seiner Seite und weiß es geschickt zu nutzen. Der 2020er Vettel wäre in Baku wohl wie sein Teamkollege mit Reifenschaden und Dreher ausgeschieden. Doch in dieser Saison ist offenbar alles anders. Der Lohn für konsequente Arbeit beim britischen Rennstall.

  • Grund Nr. 4: Neuzugänge mit ganz eigenen Geschichten

Das Fahrerkarussell drehte sich intensiv vor Beginn der Saison und so gibt es derzeit gleich mehrere spannende Geschichten mit Blick auf die Teams: Bei McLaren hat Neuling Daniel Ricciardo bis zu diesem Zeitpunkt klar das Nachsehen gegenüber Lando Norris. Ganze 40 WM-Punkte trennen die beiden Kollegen. Dabei hatte man erwartet, dass sich eher Norris noch etwas vom australischen Routinier abschauen kann. Ob sich das Blatt noch dreht, ist offen.

Ähnlich überraschend ist das bislang nahezu ausgeglichene Duell zwischen Formel-1-Rückkehrer Fernando Alonso und Esteban Ocon. Der Spanier konnte sich im Alpine trotz all seiner Erfahrung noch nicht absetzen. Überhaupt dürfte der frühere Renault-Rennstall mit Platz sieben in der Teamwertung (25 Punkte) keinesfalls zufrieden sein.

Auch Carlos Sainz muss sich nach seinem Wechsel zu Ferrari bislang mit der Verfolgerrolle hinter Leclerc begnügen, genauso wie Yuki Tsunoda, der klar von Pierre Gasly beherrscht wird. Dafür bringt Tsunoda andere Qualitäten in die Königsklasse ...

  • Grund Nr. 5: Norris und Tsunoda begeistern die Fans

Es sind die kleinen Geschichten, die oft am meisten begeistern. So wie Formel-1-Rookie Yuki Tsunoda, der die Fans Woche für Woche mit immer neuen Flüchen über Funk versorgt. Sobald der nur 1,59 Meter kleine Japaner ins Cockpit steigt, legt er los wie ein Rohrspatz, sobald ihm etwas auf der Strecke nicht gefällt.  

"Ich nehme mir immer vor, nicht zu fluchen. Aber sobald ich den Helm aufsetze und aus der Box rausfahre, vergesse ich alles", sagte er zuletzt mit einem Schmunzeln gegenüber "WTF1.com" "Ich weiß auch gar nicht, warum ich immer den Funkknopf dabei drücke, das müsste ich eigentlich nicht", lachte er. Das sei einer seiner "Schwachpunkte", der jedoch unter den Zuschauern für beste Unterhaltung sorgt.

Mindestens ebenso unterhaltsam sind die Leistungen von Lando Norris. Der WM-Neunte der letzten Saison schickt sich 2021 an, ein deutliches Wörtchen um Platz drei mitzureden. 66 WM-Zähler hat der 21-Jährige bereits gesammelt und dabei nicht nur sportlich gepunktet.

Im Internet hat der Engländer insbesondere unter jungen Fans schon Kult-Status erreicht. Norris ist ein echter Posterboy, sein verschmitztes Lächeln und seine lockere Art kommen gut an, seine Interaktion mit den Zuschauern in den sozialen Medien trägt ihren Teil dazu bei. 

Aber auch auf dem Asphalt ist Norris erfrischend anders: Legendär sein schamloses Winken, sobald er einen anderen Fahrer überrundet hat. Dabei machte er vor Kurzem in Monaco nicht einmal vor seinem eigenen Teamkollegen Daniel Ricciardo Halt, der ebenfalls Norris' Grußhand zu spüren bekam. Es dürfte nicht die letzte aufsehenerregende Aktion des frechen Briten gewesen sein.

Chris Rohdenburg