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MotoGP-Fahrer uneins:

Hätte Quartararo die schwarze Flagge sehen sollen?

07.06.2021 16:53
Ärger um Fabio Quartararo
© via www.imago-images.de
Ärger um Fabio Quartararo

Nachdem Fabio Quartararo das MotoGP-Rennen in Barcelona mit offener Lederkombi zu Ende fuhr, ist eine Diskussion darüber entbrannt, ob der Yamaha-Pilot von den Offiziellen zu seiner eigenen Sicherheit hätte gestoppt werden sollen - etwa mit der schwarzen Flagge, wie einige Fahrer am Sonntag meinten.

"Ich denke, es wird in der Sicherheitskommission zur Sprache kommen", sagt Marc Márquez, "aber aus meiner Sicht ist es unfair, wenn man ihm die schwarze Flagge zeigt." Gleichzeitig heißt es der Honda-Pilot nicht gut, einfach weiterzufahren.

"Es ist eine gefährliche Sache, ähnlich wie wenn etwas vom Motorrad hängt. Du musst anhalten, du musst es sicher machen und wenn du das nicht kannst, musst du aufgeben. Das ist es, was meiner Meinung hätte passieren sollen. Entweder du hältst an, verlierst drei oder vier Sekunden und schließt die Kombi oder du musst aufhören."

Pole Espargaro: Ich wäre weitergefahren

Márquez' Teamkollege Pol Espargaro weiß: "Mitten im Rennen ist es natürlich schwierig, die Kombi wieder zu schließen. Aber es ist nicht mein Job zu beurteilen, ob er die schwarze Flagge hätten sehen sollen. Wir werden das sicher in der Sicherheitskommission besprechen." Gleichzeitig ergreift er Partei für Quartararo.

"Ich hätte gemacht, was er gemacht hat. Ich wäre weitergefahren und hätte versucht, so weit vorne wie möglich ins Ziel zu kommen. Er hat sich das Problem mit der Kombi ja nicht ausgesucht." Trotzdem weiß auch er um die Gefahr der Situation.

"Natürlich sollten wir uns von unserer besten Seite zeigen. Aber wir leben in keiner perfekten Welt. Menschen machen nun einmal Fehler. Daraus lernt man. Wir werden besser und schneller. Wenn ich stürze, setze ich mich wieder auf mein Motorrad und ich weiß, warum ich gestürzt bin, also versuche ich, es nicht zu wiederholen."

Quartararo ärgert sich auf Instagram

"In seinem Fall wird sich der Hersteller das Problem genau ansehen und daraus lernen, sodass es nicht wieder passiert. Schließlich liegt ihr erstes Interesse darin, den Fahrer zu schützen", sagt Espargaro. Alpinestars, der Ausrüster von Quartararo, hat nach dem Vorfall bereits eine offizielle Untersuchung angekündigt.

Zusätzlich zu einer Zeitstrafe wegen Abkürzens in der Kurvenkombination 1-2 erhielt der Yamaha-Pilot einige Stunden nach dem Rennen eine weitere Zeitstrafe, "weil er ohne korrekt befestigte Lederkombi und ohne den vorgeschriebenen Brustschutz gefahren ist", wie die FIM in der Bekanntmachung zur Strafe erklärte.

Zuvor hatte Quartararo seinem Ärger über die Kommentare mancher Kollegen auf Instagram Luft gemacht: "Glückwunsch an all die Leute, die sich für eine weitere Strafe beschweren. Ich habe niemanden in Gefahr gebracht, wie ein Fahrer sagt."

MotoGP-Weltmeister übt scharfe Kritik

Gemeint war Joan Mir, der sagte, dass Quartararo mit seinem Verhalten nicht nur sich, sondern auch andere Fahrer in Gefahr gebracht hätte: "Er warf seinen Brustschutz in Kurve 3 einfach weg. Es kamen Fahrer und der Brustschutz ist aus Plastik. Das kann eine super gefährliche Situation sein, wenn man in Kurve 3 ans Gas geht."

Quartararos indirekte Antwort auf Instagram: "Toll, die echten Gesichter einiger Leute zu sehen. Ich möchte mich einfach bei all den Leuten bedanken, die mich unterstützen und mir in schwierigen Momenten helfen. Wir sehen uns beim nächsten Mal."

Mir fügte seinerseits hinzu, dass er, wenn es ihm passiert wäre, "versuchen würde, die Lederkombi zu schließen". Auch wenn er dafür vermutlich anhalten müsse. "Der Reißverschluss bei Dainese ist der normale, wie bei einer Hose. Aber bei Alpinestars ist es einfacher, ihn zu schließen, denke ich. Ich würde es versuchen!"

Binder: Wie ein Fallschirm auf der Geraden

Weniger streng bewertet Aprilia-Pilot Aleix Espargaro die Situation. "Das kann passieren. Es ist gefährlich, so zu starten, aber wenn es während des Rennens passiert, was willst du dann tun? Ihn aufhalten?", nimmt er Quartararo in Schutz.

"Ja, es ist gefährlich, sicher ist es gefährlich, aber er kämpft um einen Titel. Denkst du, es ist fair, einen Fahrer zu stoppen, weil vielleicht der Reißverschluss kaputt ist? Ich verstehe, dass es gefährlich ist, aber ... es ist schwierig." Vor allem für Quartararo, der trotz Handicap versuchte, weiter um das Podest zu kämpfen.

"Ich bin sicher, dass es ihm keinen Spaß gemacht hat, so zu fahren. Es muss wie ein Fallschirm auf der Hauptgeraden gewesen sein", sagt Brad Binder und zeigt Verständnis: "Letztendlich ist es doch so: Wenn man Rennen fährt, will man das Ziel sehen, egal was passiert, besonders wenn man um die Spitzenplätze kämpft."