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Lea Boy holt EM-Titel im Freiwasser

16.05.2021 14:48
Lea Boy ist Europameisterin
© Heiko Becker via www.imago-images.de
Lea Boy ist Europameisterin

Gold, Silber, Bronze: Die deutschen Freiwasserschwimmer haben bei der EM in Budapest den kompletten Medaillensatz abgeräumt. Das Highlight liefert Lea Boy am Schlusstag.

Noch vor der ersehnten Goldmedaille wollte Lea Boy das wärmende Frottee-Handtuch in die fast tauben Hände bekommen. Nach knapp fünf Stunden im 17,5 Grad kalten Lupa-See war die Freiwasserschwimmerin trotz Neoprenanzug durchgefroren - aber überglücklich. Die Staffel-Weltmeisterin hatte mit einer famosen Leistung über 25 km für einen goldenen Abschluss der EM-Freiwasserrennen gesorgt und sich selbst den ersten internationalen Einzel-Titel beschert.

"Ich freue mich natürlich riesig", sagte die 21-jährige Boy: "Es war zwischendurch ein bisschen kalt, aber dann kam zum Glück etwas die Sonne raus." Sie freue sich aber schon aufs Hotel, "da gibt es eine heiße Dusche".

Ihr Herz erwärmt hatte auch die Siegerehrung. Als zu ihren Ehren die Nationalhymne gespielt wurde, kämpfte Boy mit den Tränen. Die Goldmedaille hatte sie sich aus Hygienegründen selbst um den Hals hängen müssen, doch das trübte die Freude nicht. Das breite Grinsen war auch hinter der Corona-Schutzmaske deutlich zu erkennen.

Deutscher Schwimmer schon im Team auf dem Podest

Die Elmshornerin hatte etwa vier Kilometer vor dem Ziel eine beeindruckende Attacke gefahren und Lara Grangeon (Frankreich) und Barbara Pozzobon (Italien) am Ende um mehr als eine Minute auf die Plätze distanziert.

Elea Linka belegte einen guten sechsten Platz, Jeannette Spiwoks stieg knapp zehn Kilometer vor dem Ziel aus. Beim Rennen der Männer wurde Niklas Frach 13., Gold ging an Axel Raymond aus Frankreich.

Für Boy war es bereits die zweite Medaille der diesjährigen Titelkämpfe, am Samstag war sie als Startschwimmerin im Team mit Florian Wellbrock, Rob Muffels und Leonie Beck zu Bronze geschwommen. Doppel-Weltmeister Wellbrock hatte im Finish um den zweiten Platz beim Anschlag das schnellste Händchen bewiesen.

"Im Endeffekt können wir super zufrieden sein mit der Medaille", sagte Wellbrock: "Gegen Italien zu verlieren ist keine Schande. Deswegen sind wir happy mit dem Ergebnis."

Vorfreude auf die Olympischen Spielen steigt

Für Wellbrock war es nach Bronze im 10-km-Rennen die zweite Medaille bei den diesjährigen Titelkämpfen in Budapest. Sein größer Olympia-Rivale Paltrinieri reist jedoch mit drei Titeln (5, 10 und Team) und noch mehr Selbstvertrauen ab. "Drei von drei - ein Traum wird wahr", sagte der 1500-m-Olympiasieger: "Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich bin nur hergekommen, um ein paar gute Rennen abzuliefern."

Rückschlüsse auf das olympische 10-km-Freiwasserrennen lasse die EM aber nicht zu, betonten Wellbrock und sein Heimtrainer Bernd Berkhahn. Der Grund: In Tokio werden nahezu doppelt so hohe Wassertemperaturen erwartet.

"Wir freuen uns glaube ich alle auf Sonne und warmes Wasser in Tokio. Da wird nicht im Neopren geschwommen, sondern in ganz normalen Anzügen", sagte Wellbrock. Lea Boy könnte sich dagegen wohl an die Kälte gewöhnen.