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Rekordmeister Hördler soll Käpt'n Eisbär bleiben

09.05.2021 11:14
Frank Hördler ist das Gesicht der Eisbären
© O.Behrendt via www.imago-images.de
Frank Hördler ist das Gesicht der Eisbären

Die Stimme heiser, die Augen müde: Die Spuren der langen, ungewöhnlichen Partynacht konnte Frank Hördler nicht verbergen, als er bei der digitalen Meisterfeier der Eisbären Berlin vor leeren Rängen in der riesigen Arena Eishockey-Geschichte in Worte fasste. "Acht Titel, das ist verrückt", sagte der Kapitän des Jubiläumschampions, "das ist Wahnsinn. Es war eine verrückte Reise."

Zum achten Mal hatte Käpt'n Eisbär am Abend zuvor den Silberpokal der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in die Höhe gereckt - ausgerechnet nach dem finalen Finale um die 100. deutsche Meisterschaft. Ausgerechnet am Ende einer besonderen Saison, die wegen der Corona-Pandemie lange unsicher war und dann mit Geisterspielen in einem Wahnsinnstempo durchgepeitscht wurde - mit zuletzt 23 Spielen in 47 Tagen.

"Wir haben alle Widrigkeiten, Corona, keine Fans, alles was gegen diese Saison sprach, abgeschüttelt", betonte der 36-Jährige. Dazu gehörte auch der Rahmen der Feierlichkeiten: Statt feuchtfröhlich durchs Berliner Nachtleben zu ziehen und jubelnden Fans zu begegnen, feierten die DEL-Rekordmeister allein in der Mannschaftskabine - mit Zigarren, Bier und Schampus bis in die frühen Morgenstunden.

"Er kann bei uns so lange spielen, wie er will"

Am Samstag folgte statt Autokorso durch die Stadt und Bad in der Menge eine virtuelle Feier über den Youtube-Kanal. Mit müden, aber glücklichen Gesichtern und vielen Botschaften der Anhänger, die auf Distanz mitfeierten.

Mittendrin Hördler, der als einziger Spieler acht DEL-Titel gewonnen hat und eigentlich - so sinnierte die Klublegende Sven Felski bei "MagentaSport" - den Pokal in sein Wohnzimmer stellen müsste. "Vielleicht kann man sowas anfertigen lassen", meinte der ewige Eisbär, "und es am Ende der Karriere da reinstellen."

Dieser Zeitpunkt ist aber noch nicht in Sicht. Nach 18 Profijahren will niemand im Klub auf den zuverlässigen, abgeklärten Verteidiger, den Führungsspieler ohne große Worte, den Silbermedaillengewinner von Olympia 2018 verzichten. "Er kann bei uns so lange spielen, wie er will", sagte Geschäftsführer Peter John Lee, "er ist ja Teil der Familie."

Hördler steht wie kaum ein anderer für den früheren DDR-Serienmeister, der nach der Wiedervereinigung unter neuem Namen erst zum Kultklub und dann zur sportlichen Nummer eins der DEL wurde. "Vom Scheißhaus ins Penthouse", nannte der damalige Manager Lorenz Funk die Entwicklung Ende der 90er Jahre, als der ehemalige SC Dynamo erstmals ins Finale vorstieß.

Hördler ist vom goldenen Jahrgang 1985, der die Eisbären zur besten Adresse im deutschen Eishockey machte, der letzte Verbliebene. Mittlerweile ist der einstige Stasi-Verein zum deutschen Ableger des US-Unterhaltungskonzerns AEG des Milliardärs Philip Anschutz geworden, der aus Los Angeles kontrolliert und mit Millionen alimentiert wird - auch wenn viele Fans noch immer "Dynamo" rufen.

Hördler, der zwischen 2005 und 2013 die ersten sieben Titelgewinne miterlebte, sieht nach acht Jahren Wartezeit die eine oder andere Parallele zum Beginn der erfolgreichsten Phase. Trainer Serge Aubin habe "von seiner Art her viel Ähnlichkeit mit Don Jackson". Mit dem Coach also, der als Macher der Berliner Erfolgsgeschichte gilt, weil er als Cheftrainer für fünf Titel in sechs Jahren verantwortlich war.

Als Jackson 2013 die Eisbären verließ, endete die Meisterära. Seitdem wird sein Erbe gesucht. Mit dem Frankokanadier Aubin, der 2019 kam, scheint er endlich gefunden, glaubt zumindest Hördler. "Dafür", meinte Aubin, als er von dem Vergleich hörte, "muss ich noch einen langen Weg gehen. Aber irgendwo muss man ja anfangen."

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