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Marko: "Ich hoffe, jetzt ist auch mal Schluss"

Ärger um Tracklimits: FIA kontert Red Bull

03.05.2021 13:12
Wie viel drüber ist zu weit? Das hat FIA-Rennleiter Michael Masi genau festgelegt
© Mark Sutton via www.imago-images.de
Wie viel drüber ist zu weit? Das hat FIA-Rennleiter Michael Masi genau festgelegt

"Jetzt haben wir den Sieg verloren, schnellste Runde, Poleposition. Aller guten Dinge sind drei. Ich hoffe, jetzt ist auch mal Schluss", sagte Red-Bull-Sportchef Helmut Marko nach dem Portugal-Grand-Prix in Portimao bei 'Sky'. Der Vorwurf an die Formel-1-Sportkommissare steht im Raum: Sie hätten durch ihre Entscheidungen bessere Red-Bull-Ergebnisse verhindert.

Das will Formel-1-Rennleiter Michael Masi als verlängerter Arm des Automobil-Weltverbands (FIA) so natürlich nicht stehen lassen. Nach dem Rennen wehrte er sich entschieden dagegen, man schaue nur bei Red Bull besonders genau hin.

Es hab in Sachen Tracklimits nicht nur Max Verstappen erwischt, betont Masi auf Nachfrage: "Im Rennen wurden zahlreiche Rundenzeiten gestrichen. Gleiches gilt für das Qualifying und für die Trainings, wenngleich die große Mehrheit der Fälle dort keine großen Auswirkungen hatte. Das zeigt: Wir überwachen die Tracklimits einheitlich für alle."

So viele Tracklimits-Übertritte gab es in Portimao

Insgesamt wurden in Portimao über das komplette Wochenende hinweg 133 Tracklimits-Übertretungen festgestellt, davon 70 in Kurve 1, 41 in Kurve 4 und - nach einer Änderung am Samstag - weitere zwei in Kurve 14.

Red-Bull-Fahrer Verstappen stolperte im Qualifying über Kurve 4 und verschenkte so die Poleposition und womöglich ein besseres Rennergebnis: Mit den 1:18.209 Minuten, die ihm aberkannt wurden, hätte er den ersten Startplatz eingenommen.

Im Rennen verpasste er den Punkt für die schnellste Runde aufgrund eines Tracklimits-Übertritts in Kurve 14. Auch in diesem Fall wäre seine Zeit besser gewesen als das, was Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas geschafft hat.

Was Masi auf die Verstappen-Kritik antwortet

Letzteres hatte Verstappen im ersten Moment nach dem Rennen übrigens überhaupt nicht nachvollziehen können. Erst als ihm Paul di Resta als Interview-Führender im Parc ferme den Hinweis gab, die schnellste Runde sei ihm gestrichen worden, erfuhr Verstappen davon.

Seine Reaktion, etwas trotzig: "Das ist schon ein bisschen seltsam, weil man in Kurve 14 gar nicht auf Tracklimits geachtet hat, aber was solls."

Der Einwand von Rennleiter Masi folgt sofort: "Wir sind da gemäß der Darstellung in den Event-Notes vorgegangen, besonders mit Blick auf die aktualisierte Version drei, die am Samstagmorgen veröffentlicht wurde. Das geschah als Folge der Fahrerbesprechung, in der wir darüber diskutiert haben, was toleriert wird und was nicht."

Heißt: Verstappen hätte darüber im Bilde sein müssen. Denn einerseits war er bei der Fahrerbesprechung am Freitagabend zugegen gewesen, andererseits galt die Tracklimits-Regel für Kurve 14 schon seit vor dem Qualifying.

Warum wurden die Tracklimits angepasst?

Was natürlich die Frage aufwirft, warum Rennleiter Masi überhaupt nachjustiert hat, denn zunächst waren in den Freitagstrainings nur die Kurven 1 und 4 für Tracklimits überwacht worden.

Masi meint: Ihm sei erst nach Veranstaltungsbeginn aufgegangen, dass Kurve 14 ein Problem darstellen könnte. "2020 war das kein Thema gewesen, aber es wurde eines in diesem Jahr", erklärt der Formel-1-Rennleiter.

"Ich gab den Fahrern die Freiheit, in dieser Kurve den rot-weißen Randstein zu verwenden, ähnlich wie in Kurve 5. Allerdings haben die Fahrer auch den Hinweis gekriegt: Wenn sie einen nachhaltigen Vorteil an diesen Stellen gewinnen, dann schauen wir uns das an."

Ein "nachhaltiger Vorteil": Was ist das?

Ein solcher "Vorteil", das kann zum Beispiel ein Überholmanöver sein oder ein schneller Minisektor. Diese Regelung wurde Verstappen im Rennen zum Verhängnis. Masi: "Max war einerseits abseits der Strecke und er war noch dazu in diesem Minisektor schneller als jeder andere, und das auf seiner schnellsten Rennrunde, die einen WM-Punkt wert ist."

Damit war für die Sportkommissare der Beweis für einen "nachhaltigen Vorteil" gegeben. Und Masi betont: Letztendlich sind es gerade die Sportkommissare, die über diese Fälle entscheiden. "Ich sehe mir die Szenen zwar an und gebe eine Empfehlung, aber die Sportkommissare sind für die Strafe und die Streichung der Rundenzeit verantwortlich."

Red Bull: Die Sportkommissare haben etwas übersehen!

Aber haben Masi und die Sportkommissare nicht etwas übersehen? Darauf will Marko mit einer weiteren Aussage bei 'Sky' hinaus. Er verweist auf den Re-Start im Rennen und auf ein Überholmanöver von McLaren-Fahrer Lando Norris gegen Red-Bull-Mann Sergio Pérez.

Er habe darin einen klaren Tracklimits-Verstoß gesehen, sagt Marko. "[Norris] ist mit allen vier Rädern drüber gewesen, und da hat es nichts gegeben. Das ist kein Racing, wenn so mit den Regeln herumjongliert wird."

Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner meint, "Norris hat [Pérez] überholt, als er voll neben der Strecke war". Dass keine Strafe ausgesprochen wurde, sei eine "Tracklimits-Inkonsistenz".

Rennleiter Masi antwortet nicht direkt, sondern ...

Rennleiter Masi geht auf diese Vorwürfe nur indirekt ein und erklärt: "Red Bull hat das während des Rennens gemeldet. Wir haben uns das angesehen. Und nein: Lando hat Sergio nicht in Kurve 4 außerhalb der Strecke überholt. Es war ein Überholvorgang beim Anbremsen von Kurve 5 am Ende einer DRS-Zone."

Mit dieser Formulierung weicht Masi der eigentlichen Frage aus. Denn natürlich hat der eigentliche Überholvorgang nicht in Kurve 4, sondern in Kurve 5 stattgefunden.

Red Bull aber will darauf hinaus, dass Norris mit dem (zu) weiten Ausholen in Kurve 4 das Überholmanöver in Kurve 5 erst möglich gemacht haben könnte. Und tatsächlich: Norris fährt über den rot-weißen Randstein hinaus, und zwar komplett. Das belegt die Onboard-Perspektive des nachfolgenden Ferrari-Fahrers Carlos Sainz.

Norris' Übertritt ist nicht dokumentiert

War das also ein "nachhaltiger Vorteil", wie ihn sich Verstappen in einer anderen Situation verschafft hat? Die Regeln sagen glasklar: Wer die Strecke verlässt, darf keinen solchen nachhaltigen Vorteil haben. Und Norris dürfte bei seinem Übertritt zusätzlichen Schwung geholt haben, der das Überholmanöver begünstigt haben dürfte.

Das entsprechende FIA-Dokument zu den Tracklimits-Übertritten im Rennen in Kurve 4 aber weist für diese Szene keinen Eintrag auf. Norris ist zwar in der Liste vertreten, allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt. Vielleicht haben die Sportkommissare seinen Übertritt also übersehen. In diesem Fall wäre die Red-Bull-Kritik berechtigt.