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DFB-Machtkampf sorgt für Ärger

18.04.2021 14:46
Beim DFB geht es drunter und drüber
© osnapix via www.imago-images.de
Beim DFB geht es drunter und drüber

Zahlreiche Landes- und Regionalverbände haben genug vom Streit an der DFB-Spitze und bereiten einen Protestbrief vor. Die Unruhe kommt dem DFB vor den wichtigen Personalwahlen beim UEFA-Kongress am Dienstag überhaupt nicht gelegen.

Indiskretionen, Intrigen und Streitereien - das sind nicht nur die Hauptzutaten einer erfolgreichen TV-Soap, sondern auch die seit Monaten gepflegten Umgangsformen in der Führungsspitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Immer wieder erschüttern neue Schlagzeilen rund um den Machtkampf den Verband, auch die Amateurbasis hat diese unrühmliche Posse lange mitverfolgt - und hat nun endgültig genug. Denn die Landesfürsten fürchten nicht nur bei den bevorstehenden UEFA-Wahlen erheblichen Schaden für den gesamten deutschen Fußball.

Deshalb bereiten mehrere Regional- und Landesverbände ein Protestschreiben an den DFB vor, die "Süddeutsche Zeitung" veröffentlichte Auszüge aus dem Entwurf. Darin wird etwa der "desolate" Zustand des größten Einzelsportverbandes der Welt kritisiert. Und jeder weitere Tag, an dem der Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius als Hauptprotagonisten schwelt, werde "nicht nur den Personen selbst, sondern vor allem dem gesamten Fußball in Deutschland massiv schaden".

"Aktuelle Konstellation undenkbar"

Die Außendarstellung der DFB-Führung ist in den vergangenen Monaten wahrlich katastrophal. Immer wieder tauchen pikante Details wie Kündigungen, Abmahnungen, oder hochdotierte Beraterverträge rund um den Zoff der Bosse in den Medien auf. Auch der Mitte Januar verkündete Burgfrieden, laut Keller und Curtius ein "unverzüglich letztmaliger" Versuch des Zusammenraufens, brachte keineswegs die erwünschte Ruhe. Dazu sorgten im vergangenen Oktober Steuer-Razzien für Aufregung.

Deshalb schlagen die Landesfürsten nun Alarm. "Hausdurchsuchungen und Ermittlungsverfahren gegen DFB-Funktionäre und persönliche Differenzen an der DFB-Spitze schaden nicht nur dem DFB selbst, sondern auch allen Regionalverbänden und Landesverbänden bis hin zu Kreisfußballverbänden und Vereinen", heißt es in dem Entwurf weiter. Eine Zusammenarbeit zwischen Keller, Curtius sowie Vizepräsident Rainer Koch und Schatzmeister Stephan Osnabrügge als Curtius-Vertraute sei "in der aktuellen Konstellation undenkbar".

Der Unmut unter den Amateurvertretern ist immens. "Ich hoffe wirklich auf ein Ende, denn dieses Theater ist unerträglich", sagte Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW), am Sonntag dem SID. Dessen Amtskollege Walter Desch vom rheinländischen Fußballverband meinte: "Ohne Druck ist es unrealistisch, dass die sich zusammenraufen. Da warten wir ja jetzt seit Monaten darauf."

"Es muss aus unserer Sicht jetzt mal alles auf den Tisch"

Am Donnerstag ist eine Konferenz der Landes- und Regionalverbandspräsidenten in Frankfurt/Main geplant, die Teilnehmer hoffen endlich auf genauen Einblick in die Hintergründe der Streitereien. "Es muss aus unserer Sicht jetzt mal alles auf den Tisch", sagte Uwe Döring, Präsident des schleswig-holsteinischen Verbandes und Initiator des Schreibens.

Der bayerische Verbandschef Koch hat zu der Konferenz geladen, DFB-Präsident Fritz Keller steht nicht auf der Gästeliste. Doch auch auf der DFB-Präsidiumssitzung am Freitag wird das Thema besprochen, die Landesverbände sollen dann am kommenden Montag in einer weiteren Sitzung über neue Entscheidungen des Präsidiums unterrichtet werden.

Möglicherweise haben die monatelangen Querelen aber schon viel früher Konsequenzen. Am Dienstag tagt der Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA), und es stehen auch für Deutschland wichtige Entscheidungen an. Dass der Keller-Vertraute Peter Peters einen der vier zu vergebenden europäischen Sitze im Council des Weltverbandes FIFA bekommt, ist bei nur vier Kandidaten gesichert. Ob Koch jedoch im Exekutivkomitee der UEFA bestätigt wird, ist offen - dort gibt es neun Bewerber für acht Plätze.

Auch die europäischen Kollegen bekommen die Zustände in der DFB-Führung natürlich mit. Und es ist schwer vorstellbar, wie Peters und Koch auf dem internationalen Parkett eine gemeinsame Linie vertreten wollen. "Es wäre aus Sicht des deutschen Fußballs sehr misslich, wenn der Machtkampf Auswirkungen hätte", sagte FLVW-Präsident Walaschewski. Auszuschließen ist es aber nicht.

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