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Besiegelt der neue Klub-Chef den Flick-Abgang?

Oliver Kahns brisante Rolle im Bayern-Machtkampf

13.04.2021 20:27

Es brodelt weiter beim FC Bayern, vor dem wichtigsten Spiel des Jahres herrscht Unruhe. Das Duell gegen Paris Saint-Germain am Dienstag könnte die letzte Champions-League-Partie unter Hansi Flick werden. Danach soll es zum Flick-Gipfel mit Oliver Kahn kommen. Zu wem hält der designierte Bayern-Boss?

Es war ein einfacher Satz, der aber so viel mehr Bedeutung in sich trug. "Wir sind Opfer", sagte Herbert Hainer am Sonntag, "weil im DFB eine Stelle frei wird". Natürlich beklagte sich der Bayern-Präsident mit seiner Aussage vor allem über die entflammte Trainerdebatte, in der der Cheftrainer seines Klubs, Hansi Flick, im Zentrum steht. Eine Debatte, die beim Rekordmeister alle nervt. Die von den wichtigen sportlichen Aufgaben ablenkt. Hainer deutete damit aber auch an: Wir sind ein Opfer, weil der DFB uns unseren Coach ausspannt. Weil Flick wohl eher in Richtung Nationalmannschaft tendiert.

Zur Unzeit - vor dem Viertelfinal-Rückspiel bei Paris Saint-Germain, der wichtigsten Partie des Jahres - brodelt es weiter in München. Dabei ist Brandherd I (Trainerdebatte) mit Brandherd II (Streit-Debatte) eng verknüpft. Hansi Flick äußerte sich schon mehrmals zu den Spekulationen: Indem er sich nicht äußerte.

Damit vermied er immer wieder ein klares Bekenntnis zu den Bayern. "Ich habe alles dazu gesagt", hieß es noch vor zehn Tagen. Mit "nächste Frage" wiegelt der Coach seitdem jegliche Nachfrage ab. Dass das Fehlen eines Bayern-Treueschwurs aber die Spekulationen um seine Person weiter anheizt, dürfte auch der medienerfahrene Trainer wissen.

Doch mittlerweile scheint es gut möglich, dass Flick kein Bekenntnis zu seinem Verein abgibt, weil er eben erwägt, ihn bald zu verlassen. Weil der Posten beim DFB zu ihm, der dort acht Jahre Co-Trainer und zweieinhalb Jahre Sportdirektor war, eben noch etwas besser passt als das Alltagsgeschäft beim FC Bayern.

Denn in diesem Alltagsgeschäft bei dieser Alpha-Tier-Ansammlung und Ego-Gruppierung von Verein muss man sich, so könnte sein Gedankengang gehen, als Spielleiter unter anderem mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic herumschlagen. Und mit seinen Alpha-Unterstützern, vorneweg Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Stichwort: Brandherd II.

FC Bayern: Großer Flick-Gipfel steht an

Dass Flick nicht mehr ganz so viel an seinen Sextuple-Bayern liegt, hat vor allem mit dem Machtkampf-Zoff mit Salihamidzic zu tun. Da geht es um die Kaderplanung, um den Umgang mit bewährten Führungsspielern (Jérôme Boateng) und allgemeine Macht- und Rollenverteilung.

Wie es um das Innenleben des Brandherd-Trainers wirklich steht, zeigte eine einzelne rhetorische Frage des 56-Jährigen am Samstag nach dem 1:1 gegen Union Berlin: "Meinen Sie", raunzte er den ARD-Reporter an, "mir macht das Ganze Spaß?" Zwar müssten Flick und Salihamidzic laut Hainer ja kein Liebespaar mehr werden, aber beim Rekordmeister verlange man, "dass sie nicht nur professionell zusammenarbeiten, sondern dass sie es auch beide aus Freude und Überzeugung miteinander tun".

Freude zwischen Flick und Salihamidzic? Das scheint mittlerweile unmöglich. Und auch die Fronten scheinen geklärt. Hoeneß steht natürlich zu seinem Zögling Salihamidzic, was ihre ähnlich geringfügige Wertschätzung für Boateng erneut zeigte. Hainer soll auch eher dem Sportvorstand die Stange halten, während der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge als Unterstützer Flicks gilt. Stellt sich die Frage: Wo steht Oliver Kahn bei dem Thema? Als neuer starker Mann beim FC Bayern muss er nun möglicherweise die erste große Entscheidung seiner Funktionärskarriere treffen.

Laut eines Berichts der "Bild"-Zeitung soll es noch diese Woche zu einem Gipfeltreffen kommen. Der frühere Welt-Torhüter soll sich aus erster Hand informieren wollen, in welche Richtung - Klub oder DFB- Flick nun wirklich tendiere. Noch vor zehn Tagen unterließ der designierte Bayern-Chef konkrete Aussagen zur Zukunft seines Cheftrainers.

"Ich habe zuletzt häufiger mit Hansi gesprochen und ich konnte nicht feststellen, dass er irgendwelche Tendenzen in Richtung DFB hat", erklärte Kahn damals auf etwas kryptische und komplizierte Art und Weise. Seine Aussagen klangen nicht so, als hätte er eine wirkliche Ahnung davon, was genau in der nächsten Saison käme.

Davon will Kahn sich auf dem Flick-Gipfel wohl ein differenziertes Bild schaffen, übernimmt er schließlich den Posten des Vorstandsvorsitzenden noch am 31. Dezember dieses Jahres.

FC Bayern: Champions-League-Aus könnte Entscheidung beeinflussen

Brandherd Trainerdebatte und Brandherd Streitdebatte nerven aber Verein und Profis schon länger. Dass ein Klub wie der FC Bayern den Machtkampf-Zoff seit mehr als einem Jahr nicht in den Griff bekommt, dass er die Störfeuer nie wirklich löschen konnte, wirft kein gutes Licht auf den Rekordmeister.

Und genau diese Unruhe könnte am Ende ein Grund sein, der die Münchner aus der Champions League fliegen lässt. Immerhin: Die "Freude auf das Highlight" in Paris lasse sich dadurch niemand nehmen, versicherte Thomas Müller vor dem Spiel.

Sollte der FC Bayern ausscheiden, könnte Oliver Kahn seine Entscheidung beim Gipfeltreffen durchaus einfacher fallen: Schlägt er sich auf die Seite von Hasan Salihamidzic, wäre eine Trennung von Hansi Flick trotz des Mega-Jahres 2019/20 nach dem nächsten (relativ) frühen Aus und dem nächsten verpassten Titel (im Pokal setzte es die bittere Pleite gegen Zweitligist Holstein Kiel) nachvollziehbar.

Und der Trainer könnte endlich sein Bekenntnis aussprechen - zur Nationalmannschaft.

David Bedürftig

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