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"Auto durch die Lappen gegangen"

Kein Speed-Monkeys-Porsche in der DTM

09.04.2021 11:41
Speed-Monkeys-Team: Das nächste Porsche-Projekt in der DTM ist gescheitert
© MST
Speed-Monkeys-Team: Das nächste Porsche-Projekt in der DTM ist gescheitert

"Wirklich optimistisch" hatte sich Speed-Monkeys-Teammanager Christian Bracke Mitte März in Hinblick auf seinen Plan gezeigt, doch noch einen Porsche mit DTM-Trophy-Champion Tim Heinemann in die DTM zu bringen. Doch jetzt gibt es wie beim Rowe-Team diesbezüglich schlechte Nachrichten. "Wir werden das Thema fürs erste begraben", sagt Bracke im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'.

Aber warum ist das Projekt gescheitert? Laut Bracke lag es nicht an der Finanzierung, sondern an der Tatsache, dass der Porsche 911 GT3 R ausverkauft ist - und erst 2023 ein Nachfolgemodell kommt. "Wir haben aktuell zwei Drittel der Finanzierung stehen. Mit der Aussicht der Sponsoren: 'Wenn ihr das Auto besorgt, kriegen wir den Rest auch noch irgendwie hin'", erklärt Bracke.

Doch genau das wurde dem jungen Team aus Essen zum Verhängnis. Denn der geplante Kauf eines gebrauchten 911 GT3 R scheiterte. "Das Auto ist uns durch die Lappen gegangen, denn das hat Molitor gekauft", verweist er auf Karsten Molitors MRS-Team.

Darum scheiterte der Autokauf

"Wir waren davon ausgegangen, das Auto sei für uns reserviert", erklärt Bracke. "Dann hieß es, wer zuerst kommt, malt zuerst. Es hatten bereits drei Leute zugesagt, die es nicht bezahlen konnten. Ich habe dann gesagt, dass wir das Auto nehmen, aber noch ein paar vertragliche Details klären müssen. Das haben wir auf den Weg gebracht, doch dann war das Auto weg."

Daraufhin habe sich das Team um einen Ersatz bemüht - und die Fühler bis auf andere Kontinente ausgestreckt. In den USA wurde man fündig, doch die Preise haben Bracke abgeschreckt. "Es gibt ein neues Auto in den USA, doch die wollen 700.000 US-Dollar haben. Und es gibt ein gebrauchtes für 600.000 US-Dollar", offenbart er.

"Aber wenn das Auto neu 450.000 Euro kostet, wie soll ich dann Partner, die teilweise Leute in Kurzarbeit haben, davon überzeugen, noch einmal 300.000 extra locker zu machen?", hinterfragt Bracke die Angelegenheit. "Denn man muss auch noch die Logistikkosten tragen, denn das Auto muss ja aus den USA zu uns kommen."

"Hätten es gerne gemacht, aber nicht um jeden Preis"

Außerdem fürchte er einen Wertverlust, weil das Auto 2023 vom GT3-Nachfolgemodell ersetzt wird: "Man investiert also vielleicht 700.000 - und nächstes Jahr kriegst du dafür nur noch 250.000, weil es keiner mehr haben will."

Die endgültige Entscheidung, beim DTM-Projekt den Stecker zu ziehen, fiel diese Woche. "Ich bin nicht bereit, das Geld in Zeiten wie diesen so unnötig auszugeben. Und zwar für ein Projekt, das wir sicher sehr gerne gemacht hätten, aber nicht um jeden Preis. Das Problem ist, dass die Besitzer dieser Autos jetzt pokern, da sie wissen, dass es keine Autos gibt. Es sind mehrere Teams auf der Suche. Und solange das so ist, wird der Preis so bleiben."

Durch die Aufgabe des DTM-Projekts wackelt jetzt auch das geplante Speed-Monkeys-Engagement in der DTM-Trophy. "Für uns war das als Kombigeschäft vorgesehen gewesen", erklärt Bracke. "Wenn wir DTM gemacht hätten, dann wäre wir mit einem Auto in der Trophy an den Start gegangen. Dann hätte man das andere Auto mitlaufen lassen können, weil da braucht man nicht einmal einen zusätzlichen LKW. Jetzt wäre aber dringend ein zweites Auto nötig, damit es sich rechnet."

Einstieg im Jahr 2022? Partner beharren auf Porsche

Der erste Porsche 718 Cayman GT4 Clubsport MR wäre für Dennis Richter vorgesehen gewesen. Der Sohn der 2001 tödlich verunglückten VLN-Legende Ulrich Richter leitet bei Speed Monkeys seit diesem Jahr den Bereich für die Serienfahrzeuge. Für das zweite Auto verhandle man gerade mit Piloten. "Es kann sein, dass wir es machen, aber auch, dass wir das Auto zurückziehen", erklärt Bracke.

Aber ist das Thema DTM für das Speed-Monkeys-Team generell erledigt oder liebäugelt man mit einem Einstieg in der Saison 2022? "Das Thema DTM bleibt für uns nach wie vor interessant, weil wir Partner dafür gefunden haben", so Bracke. "Wir haben auch vorgefühlt, was sie von einem Herstellerwechsel halten, aber da kam klar das Signal: 'Wenn, dann nur mit Porsche!'"

Die Herausforderung werde aber auch nächstes Jahr nicht kleiner, fürchtet er. "Nächstes Jahr wird sich sicher auch das eine oder andere Porsche-Team in Richtung DTM orientieren - und dann hätten wir kein Alleinstellungsmerkmal mehr", prophezeit er. "Die Frage ist, ob man dann die Finanzierung noch so leicht auf die Beine gestellt kriegt. Außerdem müsste ein Auto dann schon echt günstig sein, wenn 2023 der neue Porsche kommt."