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Exklusives Interview vor der Allstars-Ausgabe

Ninja-Star Djulabic: "Du lässt den Körper einfach mal machen"

03.04.2021 11:03
Sladjan Djulabic startet in der ersten Allstars-Vorrunde
© unknown
Sladjan Djulabic startet in der ersten Allstars-Vorrunde

Sladjan Djulabic ist eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Ninja-Szene. Seit der ersten Staffel Ninja Warrior Germany ist der 32-Jährige immer dabei gewesen - und das oft mit großem Erfolg. "Sladi" bringt nicht nur einige Finalteilnahmen mit in die erste Allstars-Staffel, sondern auch viel Erfahrung aus dem Boulder-Bereich.

Vor seinem Auftritt in der ersten Vorrunde am Ostersonntag (20:15 Uhr auf RTL, TVNOW und im sport.de-Liveticker) hat er exklusiv mit sport.de über das Format, seine Vorbereitung im Lockdown und seine Ziele gesprochen.

Außerdem verrät er, wie er mit dem überraschend frühen Aus in der letzten Staffel umgegangen ist, welche positiven Dinge er daraus mitnehmen konnte und wie er die Geschichte nun umschreiben will.

Sladi, bringen wir es direkt hinter uns: Du warst in den ersten Jahren Dauergast im Finale, in der letzten Staffel bist du am zweiten Hindernis in der Vorrunde ausgeschieden. Was war da an dieser Schaukel eigentlich los? 

Es kam wohl vieles zusammen, eine Mischung aus wenig ausgefeilter Technik und Kopfsache. In den vergangenen Staffeln hatte ich eine ähnliche Schaukel schon zweimal erfolgreich geschafft und daher wenig Anlass, meine Schaukel-Skills zu trainieren. Dann war ich ein, zwei Wochen vor der Show mit Freunden in einer Ninja-Halle zum Trainieren, da gab es so eine ähnliche Schaukel. Ich war da aber mehr mit anderen Hindernissen beschäftigt und hielt es für sehr unwahrscheinlich, dass so ein Oldschool-Hindernis wieder dran kommt - und dann auch noch ausgerechnet in meiner Vorrunde, daher habe ich ihr wenig Beachtung geschenkt.

Als ich die Schaukel dann in der Show-Einweisung gesehen habe, war ich schon extrem überrascht und mir kam direkt der Gedanke, dass ich die Gelegenheit letzte Woche nicht genutzt habe. Damit habe ich mir dieses Hindernis blöderweise in den Kopf gesetzt, weil ansonsten auch alle anderen Hindernisse des Tages total mein Style waren und wenn, dann nur hier etwas schief laufen konnte. Ich fing also plötzlich doch etwas an den wenig trainierten Schaukel-Skills zu zweifeln.

Wie hast du den Moment in deinem Lauf selbst dann erlebt?

Ich stand auf der Schaukel und merkte, dass die ersten Schwünge nicht gut funktionieren. In der Situation kam es mir auch vor, als ob Jahre vergehen. Rückblickend hätte ich noch viel versuchen können, ich war ja nicht ausgelaugt und hätte noch zehn Minuten schaukeln können oder mich draufsetzen - oder, oder… Aber das willst du ja auch nicht, wenn du in den letzten Jahren erfolgreich warst und alle warten, schauen, hoffen.

Blöderweise habe ich beim Schwingen dann ja doch Fortschritte gemacht und kam auch nahe ans Netz. Die Zurufe von außen habe ich etwas als widersprüchlich und irritierend wahrgenommen, aber ich hörte auch von einigen, dass der Schwung ausreicht. Ich dachte mir beim letzten Schwung schon, dass es extrem knapp wird und hatte am Ende, glaube ich, auch zwei Finger am Netz, also knapper ging es kaum. Aber so kam alles zusammen, letztlich war es irgendwie eine self-fulfilling prophecy, dass ich mich schon vorher im Wasser sah. 

Wie hast du das frühe Ausscheiden verdaut?

An dem Tag selbst geht das bei mir normalerweise immer relativ flott. Bei mir waren es ja jetzt die letzten zwei Staffeln, wo es nicht so gut lief. Ich bin da eigentlich am nächsten Tag schon wieder entspannt und kann das ganz gut relativieren und kontextuieren. Ich versuche, das Geschehene zu analysieren, herauszufinden, was ich hätte anders machen können, was die Learnings sind, die ich mitnehmen kann. Man darf halt auch nicht vergessen, dass man bei dieser Show nur den einen Versuch hat. Da muss man akzeptieren, dass man dabei auch immer ein bisschen dem Zufall ausgeliefert ist. Egal wie gut du bist, du kannst nichts zu 100% erzwingen. Es bringt nicht viel, sich zu viele negative Gedanken zu machen und die Situation immer und immer wieder durchzuspielen. 

Allerdings stirbt man bei Ninja Warrior bei persönlichen Niederlagen blöderweise immer zwei Tode: einmal an dem Tag selbst - der für mich kleinere Tod -, und dann noch mal, wenn die Aufzeichnung im Fernsehen zu sehen ist. Letzteres ist für mich persönlich die größere Herausforderung, weil ich es schlimmer finde, die möglichen Erwartungen anderer vielleicht zu enttäuschen, als meine eigenen. Der Großteil der Freunde, Verwandtschaft oder Arbeitskollegen kriegt es ja dann erst mit. Das macht eine Niederlage bei Ninja Warrior besonders nervenaufreibend. 

Aber auch am Tag des Ausscheidens ist es auch einfach schade: Man will ja möglichst weit kommen, möglichst viele Läufe und Hindernisse machen. Wenn du dann aber so früh ausscheidest, kriegst du halt erst einmal keine Chance mehr und du musst normalerweise wieder ein Jahr warten. Das ist schon sehr ärgerlich und ein klein bisschen traurig.

Was hast du aus deiner Analyse für die nächsten Staffeln mitgenommen, was sind deine Learnings, die du erwähnt hast?

Die negative Erfahrung hat jetzt vor allem natürlich den positiven Aspekt, dass man die Geschichte nun interessanter umschreiben kann. Dass ich früh ausgeschieden bin, hat mir jetzt sozusagen ein ganz neues dramaturgisches Potenzial geschaffen. Erfolge nimmt man ohnehin meist eher über Kontraste wahr. Und wenn ich jetzt wieder erfolgreich bin, könnte der Kontrast zu diesem frühen Ausscheiden kaum größer sein.

Eine weitere sehr positive Sache, die ich betonen will, ist außerdem die Unterstützung aller und die Anzahl an positiven und lieben Nachrichten, was letzten Endes wirklich total überwältigend war. Ich wurde ausnahmslos supportet, vor allem auch aus der Community. Das ist wirklich ein sehr starkes Zeichen und diese Gewissheit macht einen möglichen Misserfolg dann noch etwas entspannter. 

Blicken wir weiter nach vorne: Bei Allstars tretet ihr in direkten Duellen gegeneinander an. Kommt dir das Format entgegen? Du kennst es ja schon von den Team-Wettbewerben.

Ja, das Format kommt mir und meinen Fähigkeiten sehr entgegen, weil ich eher der schnell-kräftige Typ bin und auch die Geschwindigkeit mag, auf solche Läufe habe ich Lust. Historisch lief es außerdem bei Team-Ninja-Warrior ja auch immer gut.


Alle Infos zum neuen Allstars-Format


Ein weiterer Aspekt ist, dass man bei Ninja häufig auch zu Fehlern oder unsauberen Läufen neigt, weil man zu viel nachdenkt und dadurch einen natürlichen Bewegungsfluss unterbricht. Dieses Konzept gibt dir fürs Nachdenken keine Chance, es zwingt dich sozusagen wegen der Geschwindigkeit in einen Flow, in einen Bewegungsfluss. Wenn man es nicht total übertreibt, führt das oft tatsächlich zu saubereren Läufen. Man hört den Ton, läuft los und alles, was dann passiert, ist eigentlich fast ein Automatismus, alles eingespielte Bewegungen, die fast zum Teil unbewusst passieren. Du lässt deinen Körper einfach mal machen.

Anders als bei der letzten Staffel musstet ihr euch jetzt komplett im Lockdown auf die Show vorbereiten. Wie lief das ab?

Ich glaube, viele hatten direkt nach dem Lockdown eine Phase, wo man ein, zwei Monate zuhause relativ viel gemacht hat. Dann hat man sich eine Pause gegönnt oder ist fast ein bisschen in Lethargie verfallen – und dann kam halt Allstars. Aber Ninja ist ja nicht nur ein kraftgeprägter Sport, es kommt vor allem auf eingespielte Bewegungsmuster und koordinative Elemente an. Sowas verlernt man eigentlich nicht – wenn ich ein Jahr nicht Rad fahre, verlerne ich das ja auch nicht.

Wenn man sich also bewusst macht, dass man es koordinativ noch draufhat und vielleicht keine zehn Kilo Zusatzgewicht auf die Hüften packt, ist es nicht ausschlaggebend, wenn man zum Beispiel zehn Prozent unter seinem Kraftpeak liegt. Beim 100-Meter-Lauf mögen ein paar Kraftprozent immer über den Sieg entscheiden. Bei einem Parcours mit sechs, sieben komplexen Hindernissen ist es aber wichtiger, dass der Lauf insgesamt sauber und effizient ist - und weniger, ob man da an einer Stelle ein bisschen weniger Kraft hat.

Du hast also keine Panik bekommen, dass du so schnell wieder ran musstest?

Nein, überhaupt nicht, ich habe mich gefreut. Im Lockdown hatte ich in den ersten Wochen mit Philipp van der Grinten relativ intensiv an einem Fingerboard trainiert, Klimmzüge gemacht und ähnliches. Viel mehr als solche Sachen und Widerstandsbänder und Co. haben wir privat ja auch nicht zur Verfügung, aber wir waren da bis Ende Dezember auch ziemlich fit. In den letzten Wochen vor der Show habe ich dann trainingsmäßig nicht mehr wirklich viel gemacht.

Ich war noch einmal mit Benni und Arleen [das Ninja Couple, die Red.] in einer Ninja-Halle, in der man unter Corona-Auflagen mit wenigen Personen so einen Personal-Training-Slot buchen konnte. Davor hatte ich ein paar Monate nichts Ninjaspezifisches gemacht. In der Halle habe ich wieder gemerkt, dass das Bewegungsgedächtnis direkt funktioniert. Das war dort dann weniger ein Training neuer Skills, sondern eher für die Selbstsicherheit, sich zu vergewissern, dass ich die wesentlichen Sachen noch gut kann.

Ich lege in so einer Einheit den Fokus dann eher auf die Vielfalt. Mit Benni habe ich dann auch ein bisschen auf Geschwindigkeit trainiert, was gut funktioniert hat. Das hat auf jeden Fall Selbstsicherheit gegeben. Und ich habe da auch wieder gemerkt, dass man schnell dazu neigt, kritische Fehler zu machen, wenn man viel zu schnell in ein Duell wie in diesem Show-Konzept herangeht. Für die Show habe ich mir dann also insbesondere vorgenommen, mir einen Plan zu machen, auch was die Pace angeht, und den durchzuziehen - egal was der Gegner macht, auch wenn er vorne liegt. 

Hast du dir ansonsten konkrete Ziele für die erste Allstars-Staffel gesetzt?

Ich bin da nicht wirklich ergebnisorientiert herangegangen, sodass ich unbedingt ein konkretes Ergebnis erzwingen oder Platz X erreichen wollen würde. Mein Erfolg war eher daran geknüpft, Erfahrung zu sammeln, den Fokus auf saubere, konzentrierte Läufe zu legen und dann aus einer wenig erfolgreichen letzten Staffel heraus wieder mehr Sicherheit zu schaffen.

Ich wollte mir in jeder Runde einen vernünftigen Plan für den Parcours machen und den dann vor allem auch umsetzen - ohne Spielereien oder irgendetwas überhebliches. Das ist alles also fast ein bisschen Mindest-Training. Ironischerweise ist für mich bei Allstars nun das Gute an dem Fail in Staffel 5, dass auf der Grundlage fast jedes Weiterkommen schon einen Erfolg bedeutet. Wie gesagt: Es ist immer der Kontrast, der entscheidet. Wenn man immer Dritter wird, freut man sich irgendwann ja auch nicht mehr so richtig über einen weiteren dritten Platz. Bei Allstars habe ich von vornherein nicht wirklich etwas zu verlieren, selbst wenn ich in der ersten Runde ausscheide. Das macht es entspannt und mein Bestes gebe ich so oder so!

Wie hat Sladjan Djulabic die Vorrunde erlebt? Die Antwort und einen Blick hinter die Kulissen gibt's im zweiten Teil des Interviews!

Das Gespräch führte Maike Falkenberg

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