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Hat das Versagen des formschwachen Stürmers Konsequenzen?

Ein verspotteter Timo Werner und seine Woche zum Vergessen

02.04.2021 13:08
Timo Werners katastrophaler Fehlschuss leitete die Niederlage gegen Nordmazedonien ein
© Tilo Wiedensohler via www.imago-images.de
Timo Werners katastrophaler Fehlschuss leitete die Niederlage gegen Nordmazedonien ein

Timo Werner hat eine DFB-Woche zum Vergessen hinter sich. Konsequenzen wird das nicht haben, es sorgt nur für schlechte Stimmung. Bundestrainer Löw muss sich allerdings Gedanken machen, welche Rolle sein Schützling einnehmen soll.

Nein, Timo Werner und Joachim Löw machen es sich derzeit wahrlich nicht leicht. Löw lässt Werner in der Nationalmannschaft kaum spielen und spielt Werner doch, tut er das so unglücklich, dass er Löw damit bisweilen in große Schwierigkeiten bringt. Beim alles in Frage stellenden 1:2-Debakel gegen Nordmazedonien trieben die beiden ihr trauriges Spiel auf die Spitze: "Timo ist ein brandgefährlicher Spieler, der eine unglaubliche Schnelligkeit hat. Er hat bei uns auch sehr viele Tore geschossen", moderierte Löw zuletzt Nachfragen zum Status des Stürmers beim DFB ab, der zuvor in zwei Spielen gerade einmal 27 Minuten auf dem Platz stand. "Auch wenn er zweimal nicht von Anfang an gespielt hat, weiß ich, was der Timo kann. Mit Timo bin ich sehr zufrieden."

Gegen Nordmazedonien, den Fußball-Zwerg, gegen den sogar Ersatztorwart Marc-André ter Stegen einen Einsatz geschenkt bekam, ließ Löw seinen brandgefährlichen Stürmer dann doch wieder draußen. Und als der Torjäger a.D. dann doch noch ran durfte, entschied er das Spiel, zumindest in der Wahrnehmung des Bundestrainers: "Wir hatten auch nach dem 1:1 eine riesige Chance, wo wir Zwei gegen Eins waren mit Ilkay Gündogan und Timo Werner. Ich habe das Gefühl gehabt, dass das so ein bisschen einen Knacks gab für die Mannschaft, dass wir diese Chance ausgelassen haben." Es war auch wirklich grotesk, wie Werner die Chance aus bester Position verstolperte und damit die Katastrophe einleitete. Es war das Sinnbild von Werners unglücklicher Länderspielwoche und auch darüber hinaus. Werner verstolperte das Happy End, für sich und für Löw.

Ersatz-Kapitän Ilkay Gündogan: "Es tut mir leid für Timo"

In vollem Tempo war Werner Richtung Tor gerast und vergab aus neun Metern in zentraler Mittelstürmerposition die 100-Prozent-Chance. Er traf den Ball mit dem linken Fuß so unglücklich, dass dieser rechts am Gehäuse vorbei kullerte. Werner sank in die Hocke und stützte die Hände auf den Boden, in den er wohl am liebsten versunken wäre. Ärger gab es dafür nicht, zumindest nicht von Löw und den Kollegen.

"Dass der Timo so eine Großchance vergibt, da macht er sich selbst wahrscheinlich die größten Vorwürfe", sagte der Bundestrainer. Und Ersatzkapitän Ilkay Gündogan, der Werner den Ball in der 80. Minute in einer Zwei-gegen-eins-Überzahlsituation einschussbereit aufgelegt hatte, bemerkte mitfühlend: "Es tut mir leid für Timo. Er will da als allererster das Tor machen."

Hohn und Spott in der Presse

Die englische Presse war da nicht so gnädig. Auf der Insel erinnern sie sich natürlich an die immense Ablösesumme, die der FC Chelsea vor der Saison nach Leipzig überwiesen haben. Und sie erleben auch im Wochentakt, dass der Stürmer derzeit die vielleicht schwerste Phase seiner Karriere durchlebt. Gnade kennen die britischen Zeitung deshalb noch lange nicht. Während die "Daily Mail" noch vergleichsweise zurückhaltend konstatierte, "Timo Werner produziert bei der schockierenden WM-Qualifikationsniederlage gegen Nordmazedonien einen katastrophalen Aussetzer", "The Sun" wurde da deutlich klarer: "Timo Werner wirkte mehr wie ein Flop als ein Topverdiener, als er bei der überraschenden 1:2-Heimniederlage Deutschlands gegen Nordmazedonien einen Hochkaräter vergab."


Mehr dazu: Stürmer-Friedhof Chelsea: Diese Angreifer floppten in London


Die nordmazedonische Zeitung "vecer.mk" machte den glücklosen Angreifer, der erst das Siegtor zum "Wunder von Duisburg" ermöglicht hatte, zum Nordmazedonier ehrenhalber machen - und postete einen Ausweis des Landes mit Werners Konterfei. Für RTL-Experte Uli Hoeneß war die Chance auch mehr als eine vergebene Gelegenheit: "Eine Wahnsinns-Chance, die das Spiel womöglich entschieden hätte." Und weiter: "Wenn du so einen nicht reinmachst, das kann der Mannschaft einen Knacks geben."

Johi Löw wird weiter auf Werner setzen - ein Fehler?

Warum Löw ihn trotzdem mitnahm, bleibt etwas nebulös: Sportlich gab es keine Gründe, taktisch auch nicht. Gegen tiefstehende Gegner tut sich Werner traditionell schwer. Und es war wahrlich nicht damit zu rechnen, dass Nationen wie Island und Rumänien gegen das favorisierte DFB-Ensemble das Spiel machen würden. Folgerichtig setzte Löw da auf das Offensivtrio aus Serge Gnabry, Leroy Sané und Kai Havertz. Aber auch gegen offensivere Nordmazedonier verzichtete er lange auf seinen Bankdrücker.

Als 34-facher Nationalspieler musste Werner auch nicht reinschnuppern und fürs Selbstvertrauen war die Dreifach-Degradierung zum Bankspieler auch nicht zuträglich. Bei allem Pech, bei allem Spott, bei aller Formschwäche: Löw wird Werner natürlich nicht verstoßen. Lädt der Bundestrainer seinen Kader zum Trainingslager nach Seefeld, wird Werner dabei sein. Löw neigte noch nie dazu, der aktuelle Form besonderen Stellenwert in seinen Kaderüberlegungen beizumessen. Dann müssten Mats Hummels und Thomas Müller schon längst wieder Teil der Nationalmannschaft sein, Timo Werner - das ist eine traurige Wahrheit - eben in diesen Wochen nicht mehr.

Niko Kovac macht sich für Kevin Volland stark: "Bei ihm bekommt man Qualität"

Das liegt auch an den mangelnden Alternativen, zumindest aus Löws Sicht. Denn natürlich gibt es neben Werner auch noch mindestens einen deutschen Stürmer, der für den EM-Kader in Frage käme: Kevin Volland. Der erlebt in der Ligue 1 unter Niko Kovac eine großartige Saison, für die AS Monaco traf der ehemalige Leverkusener schon 13-Mal, neun Tore bereitete er vor. In der Scorerliste liegen nur Barca-Kandidat Memphis Depay und Superstar Kylian Mbappé vor Volland. "Bei ihm weiß man, was man bekommt: Qualität. Er steht in jedem Jahr für mehr als 15 Tore und viele Assists. Das ist genau das, was wir in Monaco gebraucht haben. Kevin ist mit seiner Art und Weise sehr wichtig, weil er nicht nur Tore schießt, sondern im Training und bei Spielen arbeitet und vorangeht", schwärmte Kovac im Februar im Interview mit "Sport1". "Er befindet sich mit 28 Jahren im besten Alter, um in diesem Jahr die Europameisterschaft für Deutschland spielen zu können."

Von Löw wird Volland aber seit Jahren ignoriert. Bei Turnieren, in Testspielen, offenbar in all seinen Überlegungen. Sein letztes von zehn Länderspielen bestritt Volland im November 2016, ein Kurzeinsatz beim 0:0 gegen Italien. Der mit der Nordmazedonien-Pleite so krachend destruktiv zu Ende gegangene Dreierblock wäre eine Gelegenheit gewesen, Volland zurück ans DFB-Team zu führen, wenigstens testweise. Löw ließ sie demonstrativ ungenutzt, nun hat er zwei demoralisierte Stürmer: Den glücklosen Werner und den formstarken, treffsicheren aber desillusionierten Volland.

Aber es sind ja auch noch gut zwei Monate bis zur Europameisterschaft. Und zumindest für Werner wartet da in der Vorrunde eine gute Nachricht: Mit Frankreich und Portugal warten früh zwei offensivfreudige, spielstarke Gegner aus dem obersten sportlichen Regalfach. Es könnten sich Räume auftun, in die der Topsprinter unter Deutschlands Offensivkräften so gerne und für den Gegner schmerzhaft hineinstarten kann. Aber am Ende eines langen Laufs muss er dann halt auch mal wieder treffen. Und das ist für Timo Werner so schwierig dieser Zeit. Und das macht es für alle so schwer.

David Bedürftig

© n-tv
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Spielplan
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    Gruppe A
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1PortugalPortugalPortugal32106:337
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    Gruppe B
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    1SpanienSpanienSpanien32106:337
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    3GriechenlandGriechenlandGriechenl.20202:202
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    3NordirlandNordirlandNordirland20110:2-21
    4BulgarienBulgarienBulgarien30121:5-41
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    Gruppe D
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    1FrankreichFrankreichFrankreich32104:137
    2UkraineUkraineUkraine30303:303
    3FinnlandFinnlandFinnland20203:302
    4Bosnien-HerzegowinaBosnien-HerzegowinaBosnien-H.20112:3-11
    5KasachstanKasachstanKasachstan20111:3-21
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    Gruppe E
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1BelgienBelgienBelgien321012:2107
    2TschechienTschechienTschechien31117:434
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    Gruppe F
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1DänemarkDänemarkDänemark330014:0149
    2SchottlandSchottlandSchottland31207:345
    3IsraelIsraelIsrael31115:414
    4ÖsterreichÖsterreichÖsterreich31115:7-24
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    6MoldauMoldauMoldau30122:13-111
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    Gruppe G
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1TürkeiTürkeiTürkei321010:557
    2NiederlandeNiederlandeNiederlande320111:476
    3MontenegroMontenegroMontenegro32016:336
    4NorwegenNorwegenNorwegen32014:316
    5LettlandLettlandLettland30124:7-31
    6GibraltarGibraltarGibraltar30031:14-130
    • Qualifikation
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    Gruppe H
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1KroatienKroatienKroatien32014:136
    2RusslandRusslandRussland32016:426
    3SlowakeiSlowakeiSlowakei31204:315
    4ZypernZypernZypern31111:104
    5SlowenienSlowenienSlowenien31022:3-13
    6MaltaMaltaMalta30123:8-51
    • Qualifikation
    • Playoffs
    Gruppe I
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1EnglandEnglandEngland33009:189
    2UngarnUngarnUngarn321010:467
    3AlbanienAlbanienAlbanien32013:216
    4PolenPolenPolen31117:524
    5AndorraAndorraAndorra30031:8-70
    6San MarinoSan MarinoSan Marino30030:10-100
    • Qualifikation
    • Playoffs
    Gruppe J
    #MannschaftMannschaftSp.SUNToreDiff.Pkt.
    1ArmenienArmenienArmenien33006:249
    2NordmazedonienNordmazedonienNordmazedonien32019:456
    3DeutschlandDeutschlandDeutschland32015:236
    4RumänienRumänienRumänien31025:6-13
    5IslandIslandIsland31024:6-23
    6LiechtensteinLiechtensteinLiechtens.30031:10-90
    • Qualifikation
    • Playoffs

    Torjäger 2021/2022