Anzeige
Nächstes Event auf RTL und TVNOW

Exklusives Interview vor dem Allstars-Start

Ninja-Star Holz erklärt ihren "tödlichen Blick"

02.04.2021 13:11
Tatjana Holz ist im Ninja-Parcours in ihrem Element - und stets konzentriert
© Markus Hertrich
Tatjana Holz ist im Ninja-Parcours in ihrem Element - und stets konzentriert

Tatjana Holz gehört zu den stärksten Frauen der Ninja-Szene. Mit viereinhalb Jahren ist sie mit ihrer Familie aus Orenburg (Russland) nach Deutschland gekommen und dieses Jahr zum dritten Mal am Start. Nachdem sie letztes Jahr früh im Halbfinale ausgeschieden ist, will sie nun beweisen, was in ihr steckt. In der Allstars-Edition von Ninja Warrior Germany ist sie direkt in der ersten Show (Sonntag, 20:15 Uhr, auf RTL oder im sport.de-Liveticker) zu sehen.

Im Interview erzählt sie sport.de exklusiv von ihrem "tödlichen Blick", der Vorbereitung trotz Rückenproblemen und ihrem Respekt vor dem Power Tower. Außerdem erfahren wir, was sie mit dem Preisgeld machen würde.

Tatjana, du hast erst vor zwei Jahren mit dem Ninja-Sport begonnen. Wie bist du so schnell so gut geworden und wie kam es zu deinem ersten Start?

Tatjana Holz: Das hat mich selbst sehr überrascht. Hobbymäßig habe ich gerne Basketball gespielt, aber nicht so etwas wie Athletik. Den Ninja-Sport habe ich von klein auf verfolgt. Als das in Japan herauskam, war ich neun Jahre alt und habe es im Fernsehen gesehen. Da habe ich mir schon gesagt, dass ich das irgendwann auch machen möchte. Die erste Staffel in Deutschland habe ich total verpennt und wollte mich dann für die zweite Staffel bewerben, war dann aber verletzt. Bei der vierten Staffel war ich dann zum ersten Mal dabei.

Mittlerweile hast du dir sogar einen eigenen Parcours in die Wohnung gebaut. Wie sieht der aus?

Eigentlich wollte ich nie etwas in die Decke schrauben, habe aber irgendwann gemerkt, dass ich das brauche, um auch zuhause etwas machen zu können. Zuerst hatte ich eine Stange für Klimmzüge und dann kam immer mehr dazu. Ich habe Monkey Bars, Ringe und Bälle zum Hangeln, Pegboards und seit letztem Jahr auch Traversen.

Wie hast du für die Allstars-Staffel trainiert?

Das war eine harte Zeit. Ich hatte absolut keine Motivation, etwas zu machen. Alle Hallen waren zu und alleine zu trainieren finde ich blöd. Das Wetter war auch schlecht. Ich habe also zuhause trainiert. Ich habe sogar weniger mit meinem Parcours, sondern mehr für meinen Rücken und meine Schulter gemacht. Ich musste mir richtig in den Arsch treten, dass ich dranbleibe.

Hast du dich mental auf bestimmte Hindernisse besonders vorbereitet, auf den Power Tower zum Beispiel?

Ich habe mich mental auf jeden Fall vorbereitet und habe sogar Bücher gekauft. In der letzten Staffel bin ich im Halbfinale früh rausgeflogen. Das war eine Kopfsache und deswegen musste ich da was machen, um meine Gedanken besser in den Griff zu bekommen. Aber sonst wusste ich natürlich nicht, was für Hindernisse drankommen.

Beim Power Tower habe ich mich schon gefragt, ob der dabei ist und ob ich überhaupt so weit komme. Als wir den Parcours vorher einmal testen durften, sind wir alle einmal runtergesprungen. Eigentlich habe ich keine Höhenangst, aber das war das Schlimmste am ganzen Tag.

Was hast du dir für die Allstars-Staffel für Ziele gesetzt?

Das Ziel war das Finale, aber letztes Jahr hat man gesehen: Es kann alles passieren. Ich war wirklich fix und fertig danach. Deshalb sollte in der Allstars-Staffel vor allem der Spaß im Vordergrund stehen.

Setzt es dich unter Druck, dass du von vielen als stark eingeschätzt wirst?

Ja, besonders letztes Jahr. Im Hotel haben damals schon viele Ninjas zu mir gesagt, dass ich das schaffe und dass mir der Parcours liegen wird. Ich habe versucht, nicht darauf zu hören, aber das hat nicht funktioniert. Ich war dann im Halbfinale nicht fokussiert genug.

Gibt es Ninja-Sportler*innen, die dich besonders beeindrucken?

Es gibt so viele starke Ninjas, da könnte ich niemanden einzeln herauspicken. Ich kenne manche ja auch aus dem Training. Viele Mädels beißen sich richtig gut durch. Und manche Jungs machen richtig kranke Sachen im Training.

2019 warst du Last Woman Standing bei den Ninletics Games in Münster – und das, obwohl du krank warst. Wie hast du das geschafft?

Ich habe keine Ahnung. Ich muss immer wieder daran denken. Ich war lange nicht mehr so krank, wie an diesem Tag. Mir war kotzübel, ich hatte Fieber und habe gefroren. Am zweiten Tag war das Finale und ich habe im Auto geschlafen. Wirklich warm war das nicht. Wahrscheinlich war es Glück oder einfach mein Tag.

Du hast Schrauben und Platten im Rücken. Kannst du erklären, warum?

Vielleicht bin ich zu schnell gewachsen oder als Kind irgendwo heruntergefallen. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich das erste Mal gespürt, dass irgendwas mit meinem Rücken nicht in Ordnung ist. Ich hatte immer wieder Nerven eingeklemmt und das wurde immer schlimmer. Dann haben die Ärzte herausgefunden, dass meine Wirbel immer wieder herausgleiten. 2008 mit 18 Jahren wurde ich dann das erste Mal operiert und habe Schrauben eingesetzt bekommen.

Das hat aber nicht richtig funktioniert und ich hatte zwei Jahre später die nächste OP. Da wurde alles wieder herausgenommen und neue, größere Schrauben mit Platten eingesetzt. Seitdem habe ich sie im Rücken.

Wie hast du danach wieder mit Sport angefangen und inwiefern beeinflussen dich die Schrauben und Platten beim Ninja-Training?

Eigentlich haben mir die Ärzte schon vor der ersten Operation verboten, Sport zu machen. Gymnastik wäre okay, aber Extrem- oder Gruppensportarten nicht. Das war sehr schlimm für mich. Ich habe zwar nie viel Sport gemacht, aber aktiv war ich immer. Irgendwann habe ich mich entschieden, dass ich das so nicht stehen lassen will und Sport machen möchte.

2017 habe ich mitbekommen, dass bei uns in Rottweil die Kletterhalle neu aufgemacht hat. Dann habe ich da mal reingeschnuppert, habe mich dann aber schnell am Fuß verletzt und musste wieder pausieren. Ende 2018 habe ich das Bouldern für mich entdeckt. Das war ein Wow-Effekt, weil das meinem Rücken richtig gutgetan hat.


Video: Tatjana Holz im Parcours


Als dann 2019 der Ninja-Sport dazukam, war das für meinen Rücken etwas komplett Neues, weil man da ja viel dynamischere Bewegungen macht. Da hatte ich erst etwas Angst, aber ich habe gemerkt: Das geht! Ich darf es natürlich nicht übertreiben, aber es macht mir einfach unglaublich viel Spaß.

Im Parcours hast du allerdings immer einen richtigen Kämpferblick. Was geht da in dir vor?

Ich versuche wirklich, alles auszublenden. Andere können während des Laufs lachen, aber bei mir funktioniert das nicht. Ich bin dann nicht mehr fokussiert. Ich habe immer einen tödlichen Blick, aber ich will da niemanden zerreißen – nur den Parcours.

Du hast mal in einem Interview gesagt, dass du vom Preisgeld einen Teil für Tiere spenden würdest. Hast du selbst Haustiere oder wie kam dieser Gedanke zustande?

Ich hatte schon immer einen Bezug zu Tieren. Als ich älter wurde, wurde das immer intensiver. Seit dreieinhalb Jahren ernähre ich mich vegetarisch und seit einem Jahr vegan. Seit acht Jahren habe ich einen Jack Russel Terrier.

In meiner Heimat gibt es viele Tiere, die auf der Straße leben. Das hat mich immer berührt und als ich ein kleines Mädchen war, habe ich gesagt: Wenn ich mal viel Geld habe, werde ich ein Tierheim eröffnen. Ich informiere mich viel und sehe das Leiden der Tiere in der Massentierhaltung. Ich möchte da gerne helfen.

Das Gespräch führte Lionard Tampier

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige