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Scheurichs schwieriger Kampf um Tokio

29.03.2021 10:26
Sarah Scheurich will sich ihren Olympia-Traum erfüllen
© Norbert SCHMIDT via www.imago-images.de
Sarah Scheurich will sich ihren Olympia-Traum erfüllen

Eine schwierige Zeit liegt hinter Sarah Scheurich. Diesmal kämpfte die Amateurboxerin aus Schwerin nicht im Ring, sondern gegen gesundheitliche Probleme. Die 28-Jährige erkrankte im vergangenen Jahr an COVID-19 - und an einer Depression.

Die Coronavirus-Infektion hat sie mittlerweile gut überstanden, die Depression verlangte ihr mehr ab. "Das Thema war mir nicht fremd, mein Papa hat Depressionen und ich wusste, ich bin dafür veranlagt", erzählt Scheurich. Sie geht mit dem Thema offen um.

Eine US-Studie aus dem Jahr 2020 zeigt: Rund 22,5 Prozent der Athletinnen und Athleten leiden mehrmals pro Woche unter depressiven Gedanken. Vor der Pandemie waren das noch deutlich weniger. Auch Scheurich machten die Restriktionen, die Ungewissheit und der Druck zu schaffen. Ende 2020 ging sie schließlich in eine Klinik, um ihre Depression behandeln zu lassen und auch, um das ADHS besser zu verstehen, mit dem sie ihr Leben lang zu kämpfen hat.

Zustand war "wirklich kritisch"

"Als ich in der Klinik war, war mein Zustand wirklich kritisch. Ich bin froh, dort Hilfe bekommen zu haben und habe viel über mich gelernt", sagt Scheurich. Gemeinsam mit dem Verband und Nationaltrainer Michael Timm will sie nun den Sport und seine Komponenten besser abstimmen, um nicht wieder in ein solches Loch zu fallen.

"Mir geht es psychisch wieder gut, und ich weiß jetzt, auf welche Anzeichen ich achten muss", sagt Scheurich. "Ich freue mich, dass ich wieder an meinen sportlichen Zielen arbeiten kann und bin richtig gut drauf."

Wie gut, das hat sie am Ende eines Trainingslagers in Köln unter Beweis gestellt. In einem Testkampf verlor sie zwar gegen die Profiboxerin Christina Hammer nach Punkten, lieferte ihr jedoch einen harten Kampf. "Ich war noch nie so lange raus aus dem Training. Mein Körper braucht noch Zeit, um wieder fit zu werden", sagt Scheurich, die immerhin keine Corona-Spätfolgen merkt.

Christina Hammer könnte auch auf Scheurichs Weg nach Tokio noch eine Rolle spielen. Denn die Profiboxerin wechselte in diesem Jahr in den Amateurbereich in Scheurichs Gewichtsklasse und will ebenfalls zu Olympia. Bei einem europäischen Turnier werden die letzten Tickets vergeben. Wer von beiden dort kämpfen darf, soll in einem Ausscheidungskampf entschieden werden. Wann und wo ist noch offen.

"Schämen brauche ich mich nicht"

Nach den schwierigen vergangenen Monaten freut sich Scheurich auf die kommenden Aufgaben. "Und egal, wie es am Ende ausgeht, schämen brauche ich mich nicht." Zeit für ihr intensives Training hat sie als Sportsoldatin und muss sich durch die Bundeswehr auch zu Corona-Zeiten keine Sorgen um ihre Existenz machen.

Zweifeln lässt sie vielmehr, ob es angesichts der Coronakrise überhaupt richtig ist, zu den Olympischen Spielen zu fliegen. "Moralisch finde ich das sehr schwierig und befinde mich da in einem großen Konflikt. Als Sportlerin bin ich schließlich ein Vorbild."

Ob sie im Falle der Qualifikation tatsächlich nach Tokio reist, hängt für sie vor allem von der weltweiten Impfsituation ab. "Durch die schwierigen vergangenen Monate habe ich erkannt, dass die Gesundheit immer vorgeht und zwar nicht nur meine eigene."

Sie sagt das, obwohl Olympia seit jeher ihr Traum ist. Als Scheurich mit fünf Jahren mit Kampfsport begann, war Frauen-Boxen noch nicht olympisch. In der siebten Klasse wechselte sie aufs Sportgymnasium in Schwerin und boxt seither auf Leistungsniveau. Und für ihren Traum von Olympia. Dass ihr Weg dorthin zuletzt von Hindernissen geprägt war, trübt in keinem Fall ihre Motivation. Sie kämpft. Im Ring und außerhalb.

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