Anzeige

Fury vs. Joshua und ein Verlierer aus Deutschland

17.03.2021 13:23
Agit Kabayel hätte gerne gegen Fury geboxt
© opokupix via www.imago-images.de
Agit Kabayel hätte gerne gegen Fury geboxt

Agit Kabayel ist nicht so gut auf Tyson Fury zu sprechen. Deutschlands bester Schwergewichtler sollte eigentlich gegen den Weltmeister aus Manchester boxen, im Dezember war der Kampf seines Lebens schon in trockenen Tüchern, "ehe dann doch alles anders kam", wie sein Promoter Ulf Steinforth dem "SID" erzählt.

Fury schwenkte um, entschied sich für den Megafight mit Landsmann Anthony Joshua, der als Vereinigungskampf der vier wichtigen Weltverbände in die Boxgeschichte eingehen wird. "Das ist etwas ganz Großes, das man nur alle zehn oder 20 Jahre erlebt", sagt auch Steinforth mit glänzenden Augen, obwohl es ihm für seinen Schützling Kabayel auch leidtut.

Die Zahlen sind verrückt. Fury und Joshua erhalten je eine Börse von 100 Millionen Pfund (116 Millionen Euro). Geplant sind zwei Kämpfe innerhalb eines Jahres, der erste Fight könnte schon im Sommer steigen. Über Zeitpunkt und Austragungsort wird noch verhandelt, Saudi-Arabien werden die besten Chancen auf die Gastgeberschaft eingeräumt.

Kabayel schaut indes in die Röhre. Der 28 Jahre alte Europameister hätte gegen Fury gerne den Kampf seines Lebens bestritten und sein Konto deutlich aufgebessert, doch nun muss sich der frühere Kickboxer aus dem Ruhrgebiet gedulden und in den Weltranglisten weiter fleißig Punkte sammeln. Das gilt auch für Peter Kadiru, eine weitere Schwergewichtshoffnung im Magdeburger SES-Stall von Steinforth, die vom früheren Klitschko-Manager Bernd Bönte gemanagt wird.

"Natürlich hat der Megakampf nicht nur positive Seiten", meint Steinforth, der seine Talente auch darüber hinwegtrösten muss, dass es nun auch in der Zukunft so schnell mit einem WM-Kampf nichts werden wird. Für die nächsten eineinhalb Jahre sind Fury und Joshua mit ihrem Duell beschäftigt, und im Anschluss wird es nur noch einen Weltmeister geben, der alle vier Titel hält. "Umso schwieriger wird es sein, einen WM-Kampf zu bekommen", sagt Steinforth.

Bönte nimmt es gelassen. Für den jahrelangen Wegbegleiter der Klitschko-Brüder steht zunächst die sportliche Brisanz des Megafights im Vordergrund. "Das ist über Jahre hinweg mit Abstand der größte und spektakulärste Kampf. Das Schwergewicht ist die Klasse, auf die immer alle schauen", sagt der "DAZN"-Experte.

Wo findet Joshua vs. Fury statt?

Nach Meinung von Bönte müsste der Kampf eigentlich in London, im Wembley-Stadion oder im Stadion von Tottenham Hotspur, ausgetragen werden. Doch wegen der Coronakrise fällt England als Gastgeber womöglich aus. "Da ist der Nahe Osten schon eine denkbare Alternative, auch wenn die Stimmung dort leider deutlich abgekühlter sein dürfte", meint Bönte zu Saudi-Arabien als mögliches Ausrichterland.

Dass Deutschland auch schon vor Corona als Austragungsort großer Box-Events nicht mehr infrage kam, liege daran, dass die Top-Kämpfe keinen deutschen Bezug mehr hätten, glaubt Bönte. Wladimir Klitschko konnte als Wahl-Hamburger die deutschen Arenen noch füllen, doch seit dem Karriereende von "Dr. Steelhammer" nach der Niederlage gegen Joshua 2017 ist es ruhig ums deutsche Schwergewichtsboxen geworden. Doch vielleicht ändert sich das irgendwann wieder - auch dank Kabayel und Kadiru.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige