powered by powered by N-TV
Heute Live
sport.de - powered by powered by N-TV

Team New Zealand holt America's Cup: "Absolut unwirklich"

17.03.2021 12:49

In den Lärm Hunderter Nebelhörner mischte sich der Jubel Tausender Neuseeländer, Maori-Krieger zollten eindrucksvoll ihren Respekt, und auch Premierministerin Jacinda Ardern würdigte die neuen, alten Nationalhelden. Der Sieg des Team New Zealand beim America's Cup versetzte das segelverrückte Land am anderen Ende Welt in einen Freudentaumel.

Mit dem Triumph beim wichtigsten Segel-Wettbewerb, der gleichbedeutend mit der erfolgreichen Titelverteidigung war, habe das Team NZ "uns alle erneut so stolz gemacht", sagte Ardern. Auf dem offiziellen Account des America's Cup erschien die Würdigung: "Ein Land, ein Team, fünf Millionen glückliche Fans."

In Neuseeland, das das Coronavirus weitgehend unter Kontrolle hat, war die Stimmung in Kneipen und Fan-Zonen ausgelassen. Erst vor elf Tagen war in Auckland ein Lockdown beendet worden, nun wurde das Spektakel im Hafen Schulter an Schulter auf großen TV-Leinwänden verfolgt. Fans schwenkten bei der Siegesfeier zahlreiche Landesfahnen.

"Es ist absolut unwirklich"

Auch Peter Burling feierte ausgelassen. Er war mit Champagner durchtränkt, im nassen Haar klebte ein Konfettistreifen, als der Steuermann noch mehr des edlen Tropfens in die "Silberkanne" goss und mit kräftigen Schlucken den Triumph auskostete. Zum vierten Mal hatten die "Kiwis" die älteste internationale Sporttrophäe der Welt gewonnen. "Es ist absolut unwirklich, es bedeutet für uns als Team die Welt", sagte Burling, der damit den Nerv seiner Landsleute traf.

Die segelnden "All Blacks" genießen Kultstatus in Neuseeland - und sind beim America's Cup die dominante Kraft der jüngeren Vergangenheit. Erstmals hatte das Team New Zealand 1995 triumphiert, es folgten Siege in den Jahren 2000, bei der vergangenen Auflage 2017 und nun bei der 36. Austragung des erstmals 1851 veranstalteten Wettbewerbs.

Die Neuseeländer hatten sich nach anfänglich hartem Kampf und einem 2:3-Rückstand gegen die Luna Rossa aus Italien und deren Steuermann Jimmy Spithill am Ende doch deutlich mit 7:3 durchgesetzt. Der Australier Spithill verpasste damit eine ähnliche Sensation wie 2013, als er das US-Team Oracle bei der legendären Aufholjagd vor San Francisco nach einem 1:8-Rückstand noch zum 9:8-Sieg über die "Kiwis" geführt hatte.

"Das war ein schöner Kampf"

Tief saß der Frust bei Spithill nicht. Das Team New Zealand habe ein "fantastisches Paket entwickelt" und sei ein "verdienter" Sieger: "Ich denke, wir müssen mit den Kiwis ein Bier trinken gehen und ihnen unseren Respekt zollen."

Jochen Schümann, der als Sportdirektor selbst zwei Mal den "Auld Mug" in den Händen hielt, lobte die Sieger. "Das war ein schöner Kampf, und teilweise waren es sehr enge Rennen. Letztlich hat das schnellere Boot gewonnen, wie schon häufig in der Vergangenheit", sagte Schümann dem "SID". Die "Kiwis" seien eine Klasse für sich: "Nicht nur auf dem Wasser, sondern auch vorher im Design und der Entwicklung des Bootes."

Bei allem Respekt für den Sieger hätte der 66-Jährige nichts gegen einen anderes Resultat gehabt. "Ich hätte es ehrlich gesagt den Italienern gewünscht und dass der Cup wieder einmal nach Europa kommt", sagte Schümann, "dann hätten viele weitere Nationen die Chance auf eine Teilnahme gehabt." Der Cup, so Schümann "ist aber offensichtlich bei den Kiwis auch in guten Händen".