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Hagler vs. Hearns: Als "The Fight" zu "The War" wurde

15.03.2021 15:26
Marvin Hagler und Thomas Hearns lieferten sich einen harten Kampf
© imago stockpeople
Marvin Hagler und Thomas Hearns lieferten sich einen harten Kampf

Er war einer der Größten des Boxsports: Der Mittelgewichtler und frühere Weltmeister Marvin Hagler ist im Alter von 66 Jahren gestorben, das bestätigte seine Frau Kay am Wochenende.

Hagler war von 1980 bis 1987 unumstrittener Mittelgewichts-Weltmeister. Legendär war der Kampf gegen seinen Landsmann Thomas "Hitman" Hearns. Wir erinnern an den spektakulären Fight vor 35 Jahren.

Über das grimmige Gesicht von Marvin Hagler floss Blut. "Kannst du alles richtig sehen?", fragte der Ringarzt und beäugte Haglers Cut auf der Stirn. "Ich verfehl' ihn ja nicht oder?", knurrte der Champ zurück. Nein, tat er nicht. Augenblicke nach der Inspektion des Doktors lag Haglers Herausforderer um die Mittelgewichts-Krone am Boden – und sah nur noch Sternchen. 15. April 1985, Las Vegas. Hagler vs. Hearns. Ein Kampf, für den der Ausdruck "die Fäuste fliegen" erfunden wurde.

Treffen UND getroffen werden

Manchmal muss es wohl einfach sein. Zwei der größten Faustkämpfe des 20. Jahrhunderts wurden im Vorfeld ganz simpel als "The Fight" verkauft. Joe Fraziers 15-Runden-Schlacht gegen Muhammad Ali im New Yorker Madison Square Garden 1971. Und eben "Marvelous" Marvin Haglers epische Prügelei mit Thomas Hearns heute vor 35 Jahren im Caesar's Palace zu Las Vegas.

Boxen wird gerne als "Sweet Science" bezeichnet, bei der es darum geht, zu treffen, ohne selbst getroffen zu werden. Hit without being hit. Die größten Kämpfe sind meist aber die, bei denen die Faust-Formel der süßen Wissenschaft keine Rolle spielt.

Bei Hagler gegen Hearns ging es jedenfalls vom ersten Gongschlag nur um eins: treffen und getroffen werden.

Extravaganter Kampf mit fetter Börse

"The Fight" elektrisierte 1985 nicht nur die USA, sondern die ganze Boxwelt. Hagler, damals 30 Jahre alt, seit fünf Jahren unumstrittener Herrscher der 160-Pfund-Klasse, verteidigte seine Krone zum zehnten Mal. Herausforderer Hearns (26) war für das extravagante Stelldichein am Vegas-Strip aus dem Halbmittelgewicht aufgestiegen. Beide Boxer kassierten weit mehr als 5 Millionen Dollar – seinerzeit eine gewaltige Börse.

Nicht wenige Beobachter trauten Hearns zu, Haglers Regentschaft zu beenden. Schließlich hatte der "Hitman" aus Detroit ein Jahr zuvor den eisenharten Panama-Fighter Roberto Duran mit einer fürchterlichen Rechten in Runde 2 k.o. geschlagen. Hagler dagegen plagte sich 1983 mit Duran über die volle Distanz von damals noch 15 Runden. Allerdings wusste man – und das machte den Kampf so faszinierend –, dass auch Hagler wie ein Pferd hauen konnte.

"Ein ganzer Kampf komprimiert in drei Minuten"

Als im Caesar's Palace an jenem 15.4.85 die Glocke läutete, waren alle boxerischen Strategien schnell über den Haufen geworfen. Der 1,77 Meter große Hagler stürmte – ganz im Stile eines Jake LaMotta – wie ein wilder Stier auf den dürren Hearns (1,85 Meter) zu. Und der Herausforderer ging nicht aus dem Weg.

Nachdem Hagler den "Hitman" mit Körpertreffern traktiert hatte, schlug Hearns zu. Mit einem linken Haken und einem rechten Uppercut klingelte der Schützling von Emanuel Steward (der später Wladimir Klitschko groß machte) den Titelverteidiger ordentlich an. Hearns langte derart hin, dass er Hagler die Stirn aufschlitzte und sich selbst die rechte Hand brach.

Das Spektakel nahm seinen Lauf. Hagler schüttelte sich kurz und stellte Hearns in der Ringecke. Zeh an Zeh, Nase an Nase, prügelten die Rivalen aufeinander ein – mit allem, was sie hatten. "Unglaublich. Ein ganzer Kampf komprimiert in drei Minuten", raunte TV-Kommentator Al Michaels, als der Gong zur Pause ertönte. Die Box-Bibel 'The Ring' kürte den 1. Akt des Kampfes zur besten Runde der Boxgeschichte.

Hearns' Beine verließen ihn

Die Fäuste flogen auch in den folgenden Runden. Hagler hatte das Stahlbad der ersten Runde besser überstanden, griff unerbittlich an und wechselte dabei immer wieder die Auslage. Hearns' lange Stelzen knickten ab der zweiten Runde dagegen immer wieder ein. Statt um Hagler herum zu tänzeln und aus der Distanz zu punkten, musste sich das boxende Klappergestell immer wieder zum direkten Schlagabtausch stellen.

In Runde 3 unterbrach Ringrichter Richard Steele das Gefecht schließlich und schickte den blutenden Hagler zum Ringarzt in die neutrale Ecke.​

Vielleicht trieb Hagler die Sorge, das Schiedsgericht könne ihn wegen seiner klaffenden Wunde aus dem Kampf nehmen. Sekunden nach seiner "Sprechstunde" beim Doc sprang der Weltmeister Hearns jedenfalls wie eine Bulldogge an und ballerte dem "Hitman" einen rechten Haken an die Schläfe.

"The War"

Wie auf Rollschuhen schlitterte Hearns gegen die Ringseile, wo Hagler entscheidend nachsetzte. Ein rechter Cross explodierte am Kiefer des Herausforderers. Nach acht Minuten Nonstop-Action war das Faust-Gemetzel vorbei.

"Ich war der Champion, aber ich musste kämpfen wie ein Herausforderer. Ich musste einstecken, um austeilen zu können", fasste Hagler den Drei-Runder im Ring-Interview zusammen.

"The Fight" nannte das Duell hinterher übrigens keiner mehr. Hagler vs. Hearns firmiert seit 35 Jahren unter dem Titel "The War".

Martin Armbruster

© RTL