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Horror-Bilanz gegen den FC Bayern, Leistungsträger fehlen

0:6, 0:5, 0:4: Wenn beim BVB die Angst mitspielt

06.03.2021 11:19

Wenn Borussia Dortmund die Reise zum FC Bayern antritt, ist vielen im schwarz-gelben Lager angst und bange. Kein Wunder, ging der BVB in den vergangenen Jahren bei Gastspielen in München meist regelrecht unter. Die Angst spielt auch vor dem nächsten Anlauf am Samstag (18:30 Uhr) mit - trotz der guten Resultate der vergangenen Wochen.

Der BVB mit dem FC Bayern auf Augenhöhe? Da musste selbst Michael Zorc kurz schmunzeln.

"Das hat sich mir nicht so ganz nach 90 Minuten erschlossen", sagte der Sportdirektor im Vorfeld der Begegnung auf eine entsprechende Frage in der Dortmunder Online-Medienrunde. Trainer Edin Terzic konnte sich gar angesichts der Worte seines Vorgesetzten ein Lachen nicht verkneifen. Beide wissen: In München gab es zuletzt nichts zu holen.

0:6, 0:5, 0:4: So liest sich die Ausbeute des BVB aus den letzten drei Bundesliga-Auswärtsspielen beim FC Bayern.

Lief es davor besser? Mitnichten. Ein 1:4 in der Saison 2016/17, ein 1:5 im Jahr zuvor, immerhin ein knappes 1:2 im November 2014. Einziger, wenngleich großer, Trost aus den letzten Jahren: der viel umjubelte 3:2-Erfolg unter Thomas Tuchel im Pokal-Halbfinale im April 2017.

Zorc, nun ernster im Ton, stellte das Offensichtliche heraus: "In den Spielen haben wir leider keine Figur abgegeben. Das muss man auch nicht beschönigen, da muss man ehrlich sein."

"Nicht-Leistung" befeuerte Mentalitätsdebatte beim BVB

Warum der BVB in der Allianz Arena regelmäßig nahezu chancenlos untergeht?  Ein Blick zurück auf das letzte Liga-Gastspiel im November 2019 verdeutlicht das größte Dortmunder Problem der letzten Jahre in München. Damals ließ der BVB jegliche Gegenwehr vermissen und schien sich schon nach dem ersten Gegentor zu ergeben.

Zorc schimpfte im Anschluss über die "Nicht-Leistung" der Mannschaft. Der selbsternannte Herausforderer habe sich "versteckt", kritisierte Torhüter-Ikone Roman Weidenfeller. Die Mentalitätsdebatte bei der Borussia war (wieder einmal) neu entfacht.

Führungsspieler wie Marco Reus und Mats Hummels rückten anschließend immer stärker in die mediale Kritik. Sie seien diejenigen, die die jungen Kollegen in solchen Spielen eigentlich "führen" müssten, monierte Weidenfeller.

BVB: Edin Terzic schöpft Mut aus den letzten Niederlagen

Etwas weniger als anderthalb Jahre später sind solche Debatten in Dortmund gerade erst verstummt. Reus ist nach langer Verletzung und Formtief auf dem Weg zurück zum Leistungsträger. Hummels war als Abwehrchef zuletzt ein Garant für vier Siege aus vier Spielen, in denen lediglich zwei Gegentore fielen.

Terzic, dessen System-Vorstellungen immer besser greifen, setzt auf eine mutige Spielweise - wohl auch in München. Ängstlichen Fußball will der Noch-Cheftrainer gegen den FC Bayern nicht sehen. Und die Frage nach der Mentalität stellt sich ihm nicht. "In welchem Spiel kommt es nicht auf die Mentalität an? Wenn man ansatzweise nachlässt, schafft man es nicht gegen Bayern", sagte der 38-Jährige.

Hoffnung machen Terzic die beiden jüngsten Duelle mit den Münchnern, die jeweils mit 2:3 verloren gingen. Im Hinspiel in der Liga im heimischen Signal Iduna Park seien die Chancen zum Sieg da gewesen, nur die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor habe gefehlt, sagte Terzic. Ähnlich eng und umkämpft war auch das Supercup-Duell Ende September, das die Bayern knapp für sich entschieden.

BVB-Duo kaum zu ersetzen

Bitter für Terzic sind allerdings die Ausfälle von Jadon Sancho und Raphael Guerreiro, die maßgeblichen Anteil am jüngsten Aufschwung des BVB hatten. 

Sancho kommt seit Jahresbeginn allein in der Bundesliga auf überragende sechs Tore und sechs Vorlagen. Guerreiro, so etwas wie Terzics verkappter Spielmacher, lieferte in dieser Saison drei Tore und neun Vorlagen in der Liga.

Ohne die beiden Flügelspieler besitzt das BVB-Spiel deutlich weniger Durchschlagskraft, deutlich weniger Torgefahr. Adäquat zu ersetzen ist das Duo in aktueller Verfassung kaum.

Wie dem BVB der nächste Anlauf gelingen soll

Die linke Abwehrseite wird in München wohl mit Nico Schulz besetzt, als Alternative für Sancho stehen Julian Brandt und allen voran der wieder genesene Thorgan Hazard bereit. Giovanni Reyna fehlt den Dortmundern ebenfalls in München.

Denkbar, dass Terzic, wie schon in Sevilla in der Champions League und gegen Gladbach, mit einem 4-3-3-System versuchen wird, das Zentrum zu verdichten. Schnelle Tempo-Gegenstöße und lange Bälle auf Mittelstürmer Erling Haaland sollen dann für Torgefahr sorgen.

Indes schärfte Terzic seiner Mannschaft ein, in München "bei Standards höllisch" aufzupassen. Denn gerade bei ruhenden Bällen waren die Bayern in den letzten Duellen gefährlich.

Wenn beim BVB diesmal nicht die Angst mitspielt, sondern "Mut und Teamgeist" an erster Stelle stehen, wie von Terzic gefordert, könnte die eklatante Pleitenserie in München am Samstag ein Ende finden. Vielleicht springt gar der erste Liga-Auswärtssieg des BVB beim FC Bayern seit April 2014 heraus.

Gerrit Kleiböhmer

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