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Deutsche Frauen bei Großschanzen-Premiere chancenlos

03.03.2021 19:23
Juliane Seyfarth überraschte bei der WM
© GEPA pictures/ Christian Walgram via www.imago-ima
Juliane Seyfarth überraschte bei der WM

Die WM-Premiere der Skispringerinnen von der Großschanze gewinnt eine, die für diese Disziplin so gekämpft hat. Beim Sieg der Norwegerin Maren Lundby sind die deutschen Frauen chancenlos.

Katharina Althaus und Juliane Seyfarth standen andächtig am Fuße des Schattenbergs und spendeten in einem historischen Moment für das Frauen-Skispringen der maximal würdigen Weltmeisterin respektvoll Beifall: Die Norwegerin Maren Lundby hat sich in Oberstdorf den ersten WM-Titel überhaupt von der Großschanze gesichert, nachdem sie über Jahre wie keine andere für die Aufnahme des Wettbewerbs gekämpft hatte. Die deutschen Springerinnen spielten nur eine Nebenrolle, als Beste wurde Seyfarth Zehnte.

"Das ist ein so besonderer Tag für mich - heute morgen wusste ich nicht einmal, ob ich springen darf", sagte die 26 Jahre alte Lundby, die nach dem positiven Coronatest ihres Landsmannes Halvor Egner Granerud, dem Topfavoriten im Männerwettbewerb, im Hotel isoliert wurde und sich erst "freitesten" musste: "Es war ein Tag mit so vielen Aufs und Abs, jetzt bin ich einfach nur glücklich."

Für Olympiasiegerin Lundby war es zwar die vierte Medaille im vierten Wettbewerb von Oberstdorf, der Sieg der Kleinschanzen-Weltmeisterin von Seefeld 2019 kam dennoch überraschend. Keinmal hatte die 26-Jährige in diesem Winter auf dem Podest gestanden, nun siegte sie mit Flügen auf 128,0 und 130,5 m (296,6 Punkte) deutlich vor Weltcup-Rekordsiegerin Sara Takanashi (Japan/287,9), Bronze ging an die Slowenin Nika Kriznar (287,2). Neben Carina Vogt (2015, 2017) ist Lundby nun die einzige Springerin mit zwei Einzeltiteln.

Drei Tage nach dem rauschenden WM-Gold im Mixed-Wettbewerb wurden die deutschen Skispringerinnen unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und egalisierten ihr schlechtestes WM-Ergebnis der Geschichte. Seyfarth (242,7 Punkte/118,0+123,0 m) fehlten umgerechnet fast 25 Meter zu einer Medaille.

"Es war mein bester Wettkampf in diesem Winter. Ich muss noch ein bisschen an der Pünktlichkeit arbeiten, dann geht es vielleicht noch weiter", sagte die 30-Jährige, die in diesem Winter unter anderem mit Nacktfotos im Playboy aufgefallen war und nicht zum Mixed-Team gehörte.

Die Oberstdorfer Lokalmatadorin Althaus kam nicht über Rang zwölf (240,4/113,5+121,0) hinaus. "Ich konnte heute einfach keine guten Sprünge zeigen, das ist ziemlich schade", sagte die Olympiazweite. Anna Rupprecht, die gemeinsam mit Althaus sowie Markus Eisenbichler und Karl Geiger am Sonntag WM-Gold im Mixed gewonnen hatte, wurde 15. (229,1 Punkte/116,5+118,5 m).

"Das Frauen-Skispringen ist weit gekommen"

Auch Rupprecht sah in Lundby die (folge)richtige Siegerin: "Sie ist eine, die so viel für das Skispringen tut und sich einsetzt - zudem war sie heute die Beste." Luisa Görlich, für die formschwache Sotschi-Olympiasiegerin Vogt ins Team gerückt, kam auf Rang 19 (202,6/106,0+112,0 m).

Zwölf Jahre nach der Frauen-Premiere 2009 bei der WM in Liberec war am Mittwochabend die Gleichberechtigung im Skispringen zumindest bei Weltmeisterschaften abgeschlossen. Männer wie Frauen sind nun in zwei Einzelwettbewerben sowie einem Teamwettbewerb unter sich und bestreiten gemeinsam eine Mixed-Konkurrenz.

"Das Frauen-Skispringen ist weit gekommen", sagte die deutsche Pionierin Ulrike Gräßler, 2009 Vizeweltmeisterin, dem "SID": "Was sich gerade in den letzten zwei, drei Jahren getan hat, ist toll."

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