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Biathlon im Corona-Hotspot: "Wir kennen die Zahlen"

02.03.2021 11:54
Der Biathlon-Tross gastiert in Tschechien
© Kalle Parkkinen via www.imago-images.de
Der Biathlon-Tross gastiert in Tschechien

Der Biathlon-Weltcup macht bis 14. März ausgerechnet Station in Tschechien, dem Land mit der aktuell höchsten Corona-Inzidenz weltweit. Die IBU steht vor einer besonderen Herausforderung.

Tschechien steht unter Hausarrest. Die Regierung rief am Montag angesichts der weltweit höchsten Sieben-Tage-Inzidenz einen harten Lockdown aus - doch ungeachtet des kollektiven Corona-Notstandes und eines überlasteten Gesundheitssystems findet ab Donnerstag bis zum 14. März in Nove Mesto in der Region Vysocina der Doppel-Weltcup der Biathleten statt.

Der Weltverband IBU ist sich der schwierigen Lage angesichts von mutierten Varianten "durchaus bewusst. Wir kennen die Zahlen", sagte IBU-Kommunikationsdirektor Christian Winkler am Dienstag dem "SID". Aber man vertraue dem strengen Hygiene-Konzept, "das bisher gut funktioniert hat".

Dennoch werden eigens für die Veranstaltung im Pandemie-Hotspot, knapp 170 km von Prag entfernt, "ein paar Stellschrauben angezogen", betonte Winkler. Etwa dort, "wo es Berührungspunkte mit Hotelangestellten oder Volunteers gibt." Auch der Deutsche Skiverband (DSV) schärfte die ohnehin strengen Maßnahmen noch einmal nach. So muss sich auch das Hotelpersonal regelmäßig PCR-Tests unterziehen.

Biathlon-Zirkus "wie eine Insel"

Ansonsten ist die IBU auf die Selbstdisziplin der Athleten, Trainer und Betreuer angewiesen. Kontaktminimierung heißt das Zauberwort in Zeiten von Corona. Dies, so sagte DSV-Arzt Jan Wüstenfeld dem "SID", habe im bisherigen Winter "super funktioniert. Wir sind sehr zufrieden und gut aufgestellt. Auch die Athleten nehmen es absolut ernst. Es gibt ohnehin sehr wenige Kontakte."

765 Fälle pro 100.000 Einwohner sind in Tschechien derzeit laut Daten der Johns-Hopkins-Universität gemeldet. In Deutschland betrug der Inzidenzwert laut Robert-Koch-Institut am Dienstag 65,4. Eine Einreise nach Tschechien, heißt es beim Auswärtigen Amt, "ist ausschließlich aus triftigem Grund möglich." Ein Biathlon-Weltcup gehört dazu.

Er sehe das "wie eine Insel. Wenn du auf eine unbewohnte Insel 100 Nicht-Infizierte steckst, dann kannst du auch keinen infizieren. Da können die untereinander machen, was sie wollen, Ringelpiez mit Anfassen, alles. So in etwa ist es bei uns auch", sagte zuletzt der ehemalige Weltmeister Erik Lesser dem Onlineportal "web.de". Deshalb glaube er auch, dass der Weltcup, "so wie er besteht, durchgezogen wird." Allerdings in abgeänderter Form.

Der erste Teil von Nove Mesto hätte eigentlich die Olympia-Generalprobe in Peking sein sollen. Diese wurde wegen Corona aber abgesagt. Auch das Weltcup-Finale (19. bis 21. März) musste wegen der strikten Einreisebeschränkungen von Oslo in Norwegen nach Östersund verlegt werden. Für die Anreise nach Schweden organisiert die IBU sogar einen Charterflieger, der die Biathlon-"Bubble" von Prag nach Östersund bringt.

Doch erst einmal steht Nove Mesto mit insgesamt zwölf Rennen an. Mit der Staffel der Frauen über 4x6 km geht es am Donnerstag (16:05 Uhr) los. Der DSV hat insgesamt zwölf Athleten nominiert. Nach einer enttäuschenden WM ist Wiedergutmachung angesagt. Corona hin oder her.