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Trainer-Ikone Pichler formt Eisschnelllauf-Weltmeister

26.02.2021 10:43
Wolfgang Pichler ist eine Trainer-Ikone im Biathlon
© GEPA pictures/ Marcel Engelbrecht via www.imago-im
Wolfgang Pichler ist eine Trainer-Ikone im Biathlon

Wolfgang Pichler ist als Biathlon-Trainer eine Ikone. Inzwischen bringt er sein Know-how auch mit Erfolg im schwedischen Eisschnelllauf ein.

Es war ein später Sonntagabend, als Wolfgang Pichler zum Hörer griff und eine kleine Eisschnelllauf-Revolution in Bewegung setzte. Im schwedischen Trollhättan erreichte der erfolgreiche Biathlon-Trainer die Familie von Nils van der Poel - und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

Bei der jüngsten Einzelstrecken-WM führte van der Poel in Heerenveen die niederländische Elite vor. Gold über 5000 m, Gold und Weltrekord (12:32,952 Minuten) über 10.000 m.

Die schwedischen Medien feierten den Ruhpoldinger Pichler als einen der Väter des Erfolgs. Er selbst spielte seinen Anteil an den ersten beiden Goldmedaillen für Schweden bei Einzelstrecken-Weltmeisterschaften bescheiden herunter.

"Nils ist ein außergewöhnlicher Sportler. Ich bin nicht sein Trainer. Ich bleibe im Hintergrund. Darauf lege ich großen Wert. Wenn ich aber sehe, dass er mehr Unterstützung braucht, dann schreite ich ein. Das hat bis jetzt funktioniert", sagte Pichler, der nicht nur schwedische Biathleten zu mehreren olympischen Goldmedaillen geführt hat, dem "SID".

In Peking 2022 könnte die Liste mit Edelmetall auf dem Eis ergänzt werden. "Nils bringt Farbe in den Sport. Ich helfe, wo ich kann und schaue, was er braucht", sagte Pichler, Direktor im Olympischen Komitee Schwedens. Diesen Posten gab er auch nach seinem Herzinfarkt im vergangenen Jahr nicht auf, als er reanimiert werden musste und drei Tage im Koma lag. Pichlers Rastlosigkeit ist van der Poels Glück.

"Das Schöne ist, dass das heute im Sport noch möglich ist"

Dessen Talent war weitgehend bekannt. Der Durchbruch des ehemaligen Junioren-Weltmeisters war dennoch zwischenzeitlich fraglich. 2018 zog er sich zurück, um über "Lebensfragen" nachzudenken. Van der Poel ging zum Militär, schob Wache am Königspalast. Bei Aufklärungs- und Sabotagemissionen lernte er in Lappland, sich unter extremen Bedingungen zu konzentrieren.

Der junge Schwede verbringt weniger Zeit auf dem Eis als seine Konkurrenten. In der Vorbereitung nimmt er an Ultraläufen bis zu 170 Kilometer teil, läuft auch im Winter fünfmal in der Woche lange Strecken. Im März absolviert er in Schweden ein Cross-Country-Skitraining. "Eisschnelllaufen ist ein aerober Sport, man braucht sehr viel Luft. Darum laufe ich so oft", sagte van der Poel.

Um den Langstrecken-Spezialisten will Pichler in Schweden nun "mit unseren Möglichkeiten eine Mannschaft um ihn aufbauen", wie er sagte: "Der Nils kommt daher und stellt alles auf den Kopf. Das Schöne ist, dass das heute im Sport noch möglich ist." Zu verdanken ist es auch einem Anruf in Trollhättan.