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DSV arbeitet Missbrauchs-Vorwürfe auf

25.02.2021 14:23
Thomas Kurschilgen wurde angeblich von seinem Amt entbunden
© EIBNER/Kleindl via www.imago-images.de
Thomas Kurschilgen wurde angeblich von seinem Amt entbunden

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) arbeitet den Umgang mit den jüngsten Missbrauchs-Vorwürfen auf. Der Leistungssportdirektor wurde freigestellt, die Athleten machen Druck.

Der Satz war fettgedruckt und mit einem Ausrufezeichen versehen. "Schweigen schützt die Falschen!" - so lautete die wichtigste Botschaft in einer Stellungnahme der Athletensprecher Sarah Köhler und Tobias Preuß zu den jüngsten Missbrauchs-Verdachtsfällen im Deutschen Schwimm-Verband (DSV). Die Zeit des Wegschauens soll endgültig vorbei sein.

Freiwasser-Staffelweltmeisterin Köhler und Wasserball-Nationalspieler Preuß forderten "im Namen aller Aktiven eine vollumfängliche und unabhängige Aufklärung jeglicher Verdächtigungen seitens der Justiz und des DSV". Beide Institutionen sind mitten in diesem Prozess, für den Verband ist es weniger als ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen in Tokio eine Zerreißprobe.

Der DSV stellte Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen von seinen Aufgaben frei. Dieser zuvor in der Bild-Zeitung und im Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtete Fakt trifft nach "SID"-Informationen zu. Der DSV wollte sich zu der Sache nicht äußern und verwies auf das schwebende Verfahren. Kurschilgen soll Hinweisen auf Missbrauchs-Verdachtsfälle nicht angemessen nachgegangen sein - so lautet zumindest der Vorwurf aus Verbandskreisen. Kurschilgen war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Seit vergangener Woche ist der DSV mit Missbrauchs-Vorwürfen konfrontiert. Der Spiegel hatte Fälle dokumentiert, bei der eine Person innerhalb des Verbandes Schwimmerinnen bedrängt oder gar sexuell genötigt haben soll. Der DSV hatte daraufhin erste Schritte eingeleitet und diese Person "gemäß unserer Handlungsrichtlinien bei Verdachtsfällen mit sofortiger Wirkung beurlaubt, ohne hiermit eine Vorverurteilung durchzuführen." Die Staatsanwaltschaft hat von Amts wegen Ermittlungen aufgenommen.

"Ganz besonders im Umgang mit Kindern und Minderjährigen ist ein solches Verhalten in besonderem Maße verwerflich, unmoralisch, unethisch und aufs Schärfste zu verurteilen", heißt es in Stellungnahme der Athletensprecher.

Kurschilgen hatte am 1. September 2018 das Amt des Leistungssport-Direktors übernommen. Zuvor war er in dieser Funktion auch beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sowie im Verbandsmanagement des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) tätig.

Die DSV-Athletenvertreter ermutigten derweil Betroffene oder Mitwissende, sich beim DSV oder einer neutralen Beratungsstelle zu melden: "Habt keine Angst, dass ihr hierdurch Nachteile in eurer Karriere oder in welcher Form auch immer bekommen könntet - dem ist nicht so. Wir müssen als Athletinnen und Athleten Vorbilder sein und dürfen sexualisierter Gewalt in unserem Verband keine Chance geben!"

Unterdessen haben die Athleten Deutschland auf dem Weg zur Schaffung einer übergeordneten Anlaufstelle für Missbrauchsopfer im Sport eine wichtige Hürde genommen. Die Interessenvertretung darf ihre Ideen zur Einrichtung eines "Unabhängigen Zentrums für Safe Sport" im April im Sportausschuss des Deutschen Bundestages vorstellen. "Das gibt uns Hoffnungen, dass unser Projekt wirklich umgesetzt werden könnte", sagte Maximilian Klein von der Athletenvereinigung dem SID am Donnerstag.

Das Konzept sieht im Wesentlichen vier Kompetenz- und Handlungsfelder vor: Die Unterstützung bei der Risikoanalyse der Verbände, um "blinde Flecken" aufzuspüren. Eine Art Monitoringsystem, um die tatsächliche Umsetzung von Präventionsmaßnahmen zu prüfen. Eine unabhängige Anlauf- und Fallbearbeitungsstelle für die Intervention bei akuten Fällen. Und eine unabhängige Begleitung bei der Aufarbeitung vergangener Fälle.

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